US-Drohnenkrieg

27. März 2013 22:28; Akt: 27.03.2013 23:22 Print

Diese Kurven bedeuten Tod und Verderben

Eine interaktive Grafik zeigt die Entwicklung der US-Drohnenangriffe in Pakistan seit 2004. Ihre Zahl und jene der Opfer ist seit Barack Obamas Amtsantritt regelrecht explodiert.

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Über 3000 Menschen starben gemäss dem Bureau of Investigative Journalism seit 2004 bei US-Drohnenangriffen in Pakistan.

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Eine US-Drohne hat letzte Woche in Pakistan drei mutmassliche Islamisten getötet. Zwei Raketen trafen in der Nacht zum Freitag das Fahrzeug mit den Männern in der Region Nord-Wasiristan nahe der Grenze zu Afghanistan. Die Regierung Obama hat die Drohnenangriffe zum wichtigsten Mittel ihres Kriegs gegen den Terrorismus gemacht. Zahlreiche mutmassliche Al-Kaida-Mitglieder und Taliban-Kämpfer wurden in den vergangenen Jahren mit gezielten Angriffen von unbemannten Drohnen getötet. Regierung und Bevölkerung in Pakistan lehnen sie ab. Wie viele unschuldige Zivilisten umgekommen sind, ist unklar.

Eine interaktive Grafik versucht nun, Licht in den klandestinen Krieg zu bringen. Hergestellt wurde sie vom Unternehmen Pitch Interactive in der kalifornischen Universitätsstadt Berkeley, das auf die Visualisierung von Daten spezialisiert ist. Unter dem Titel «Aus den Augen, aus dem Sinn» stellt die Grafik alle 366 registrierten Drohnenangriffe in Pakistan seit 2004 dar. Sie zeigt, wie ihre Zahl seit dem Amtsantritt von Barack Obama 2009 massiv zugenommen hat. Nur wenige Opfer – exakt 47 oder 1,5 Prozent – sollen «hochkarätige» Terroristen gewesen sein. 175 Opfer waren Kinder und 535 weitere Zivilisten. Die grosse Mehrheit von 2348 waren «angebliche Kämpfer».

«Wir wollen die Leute schockieren»

Die für die Grafik verwendeten Daten stammen vom Bureau of Investigative Journalism, einer britischen Nonprofit-Organisation, die umfangreiche Recherchen zum Drohnenkrieg durchgeführt hat. «Wir wollen die Leute schockieren», erklärte der zuständige Grafiker Wesley Grubbs im Interview mit der «Huffington Post» die Motivation für seine Arbeit. Nicht nur die Zahl der Opfer solle aufrütteln, sondern auch «das Ausmass dessen, was wir nicht wissen». Zumindest für Kontroversen hat die Visualisierung bereits gesorgt, wie diese Diskussion auf Reddit zeigt, in der die Klassifizierung der Opfer in Frage gestellt wird.

Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner den Drohnenkrieg befürwortet. Dennoch hat die Kritik auch in den USA in letzter Zeit zugenommen, sogar von rechten Politikern. Diese hinterfragen nicht die Angriffe an sich, sondern die Tatsache, dass die Regierung Obama selbst Drohneneinsätze auf US-Territorium gegen US-Bürger nicht ausschliessen will. Der republikanische Senator Rand Paul hat deswegen mit einem 13-stündigen Redemarathon die Ernennung von John Brennan zum neuen CIA-Direktor verzögert. Brennan gilt als «Architekt» des Drohnenkriegs von Barack Obama.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • j.d. am 28.03.2013 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    siehe

    feiges und unpräzises morden - die moderne "art" zeigt wieder ihr wahres gesicht

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  • Patrick am 28.03.2013 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mord

    Für mich ist das Mord an Unschuldigen. Wann endlich werden alle Staatschefs die dafür verantwortlich zeichnen, vor das Tribunal gebracht? Soweit ich informiert bin, lag die letzte Schätzung allerdings bei knapp über 4000 Toten durch die US-Drohnen.

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  • Efri am 28.03.2013 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kriegsverbrecher - Kriegsbewahrer?

    Jedes getötete Kind bringt 3-4 neue "Kämpfer" hervor, welche mit immensem Hass auf die USA für alles bereit sind. Eine Endlosschlaufe der Hölle! Gerade die so christlichen US-Bürger sollte sich doch fragen, wie würde sie reagieren, würden ihre getöteten Kinder als Kolateralschaden in Kurzmeldungen abgetan? Und fragen wir uns selber, warum ein getötetes westliches Kind uns so viel mehr berührt, als die täglich 100erte bürgerkriegstote Kinder auf dem afrikanischen Kontinent?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 29.03.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nobelpreiswürdig!

    Obama ist das nicht der Mann, der den Friedensnobelpreis für das Hinrichten von unverurteilten Menschen ist. Hat irgendeiner seiner Opfer je eine Gerichtsverhandlung gehabt. Schuldig oder Unschuldig - egal hauptsache die Generäle können Ihre Spielzeuge benutzen und den Menschen eine Scheinsicherheit bieten. Diese machen keinen Unterschied bei den Opfern, sie töten! Dafür gibt es im Westen den Friedensnobelpreis! Super Einstellung! Krieg auf welche Art auch immer ist falsch! Den im nachhinein war doch immer alles nur gelogen!

  • D....... am 28.03.2013 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung

    Man kann genau nachlesen das hier einige absolut keine Ahnung haben und einfach alles nachplappern was ihnen erzählt wird! Es geht einzig und allein nur um Rohstoffe, gäbe es diese Rohstoffe nicht wäre keine Regierung daran interessiert Kriege zu führen! In Afghanistan werden Rohstoffe vermutet in gigantischen Mengen also gilt es sich diese Rohstoffe zu sichern im Namen des anti Terrorkrieges! Also erst alles zerbomben und dann Wiederaufbauhilfe also liebe Leute Regierungen nichts anderes als Monarchien und wir Leute nur die dummen Bauern

  • Chris Stucki am 28.03.2013 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre ich US Präsident...

    ....würde ich das genau auch so machen. Warum das Leben der eigenen Soldaten riskieren. Entweder man beendet den Krieg, oder man führt in so, dass die eigenen Leute möglichst unversehrt bleiben. Dazu bietet der Einsatz der Drohnen die beste Möglichkeit.

    • Pesche am 29.03.2013 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Terrorkrieg gegen Terroristen

      @Chris Stucki Dann müsstest Du Dich als US Präsident auch nicht wundern, wenn Terrorangriffe in Deinen Land geschehen. Diese Art von Kriegsführung ist auch nicht viel anders als irgendwo eine Autobombe in die Luft zu jagen. Ein solcher Krieg kann nicht gewonnen werden. Dazu muss man vor Ort sein. Deshalb besser den Krieg beenden als selber zum Terroristen zu werden. Dies hat nichts mit eigenen Leuten schonen zu tun.

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  • Hugentobler am 28.03.2013 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Was die Amis in der Normandie

    geleistet haben ist unbestritten. Ansonsten wäre jetzt ganz Europa oder noch mehr unter der deutschten Knute. Aber all die anderen Kriege. Wofür sind die? Amerika ist i m m e r im Krieg.

    • 3te Reich reloadet? am 29.03.2013 07:17 Report Diesen Beitrag melden

      Na ja Europa ist gerade wieder dabei

      unter die deutsche Knute zu kommen. Zwar wird nicht geschossen aber der Wirtschaftskrieg ist in vollem Gange.

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  • Rolf am 28.03.2013 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas Wahrheit

    Immer wieder haben die Machtgierigen Gründe vorgeschoben oder selbst geschaffen, um ihre Interessen gegen den Willen der Völker umzusetzen. Die meisten Gründe können zumindest im Nachhinein sehr leicht entlarvt werden, Massenvernichtungswaffen im Irak gibt es nicht. Aber wer kann beweisen, dass es nicht doch Terroristen gibt, wer kann beweisen, dass bspw. die CIA Anschläge durchführt oder Terrorgruppen anstiftet, bzw. bewusst Sicherheitslücken zulässt? Terroristen sind die Ausrede für die Machtgeilen um ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Wacht endlich auf.

    • Werner am 29.03.2013 02:05 Report Diesen Beitrag melden

      Beweise gibt es schon ein paar

      Beweise gibt es schon ein paar. Mit der Operation "Gladio" hatte die CIA zumindet in Europa mit Terroranschlägen seine Finger im Spiel. Damals waren die Kommunisten der "Sündenbock", heute sind es die "Terroristen". Das Ziel damals wie heute ist immer noch das gleiche. Die Bevölkerung zu manipulieren und Zustimmung für Kriege zu gewinnen. So einfach ist das.

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