Westliche Sanktionen

14. Mai 2012 16:52; Akt: 14.05.2012 17:26 Print

Iranische Öltanker spielen Katz und Maus

Der Iran versteckt seine Tanker auf hoher See, indem diese ihr GPS-Ortungssystem abschalten. So versucht Teheran, die Sanktionen zu umgehen und heimlich sein Öl zu verkaufen.

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Öltanker in der Strasse von Hormus, der Passage zum Persischen Golf. (Bild: Keystone/ali Haider)

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Die verschärften Sanktionen des Westens gegen den Iran wegen seines umstrittenen Atomprogramms zeigen Wirkung. Teheran bekundet zunehmend Mühe, sein Öl auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Mit allerlei Tricks versucht das Regime deshalb, die Strafmassnahmen zu umgehen. So schaltet die iranische Tankerflotte seit Anfang April auf hoher See routinemässig ihr Satelliten-Ortungssystem aus, berichtet die «Washington Post» mit Berufung auf US-Regierungskreise und Industrie-Analysten.

Es handle sich um ein «Katz-und-Maus-Spiel», mit dem der Iran nach offenen Häfen und willigen Käufern für sein Öl suche, heisst es im Bericht. Die von der Internationalen Energieagentur (IEA) aufgedeckte Praxis verstosse gegen das Seerecht, denn das GPS-System dürfe nur in Gefahrensituationen abgestellt werden, etwa beim Durchqueren von Gewässern, in denen Piraten auf Beute lauern. Sie sei zudem wenig effektiv, unterstreiche aber die «prekäre Lage», in der sich der Iran befinde, so die «Washington Post».

Die Sanktionen gegen die Ölindustrie träfen zunehmend die gesamte Wirtschaft, in Form von steigenden Preisen und zunehmender Arbeitslosigkeit, sagte David Cohen, der zuständige Staatssekretär im US-Finanzministerium, am letzten Donnerstag an einer Tagung. «Der Wert ihrer Währung, des Rial, ist rasant gefallen.» Zwar fördert der Iran laut einem IEA-Bericht vom Freitag immer noch 3,3 Millionen Barrel pro Tag, aber immer grössere Mengen müssen mangels Abnehmern in schwimmenden Tanks und auf den Tankern gelagert werden.

Lockvogel-Angebote

Die Iraner versuchen, mögliche Abnehmer wie Indien mit Preisabschlägen zu ködern, doch die USA halten dagegen. Saudi-Arabien bietet laut dem IEA-Bericht ebenfalls Rabatte für sein Öl an. Ausserdem haben die Iraner gemäss «Washington Post» immer mehr Mühe, die Sicherheit ihrer 39 Öltanker von Gesellschaften wie der britischen Lloyd’s klassifizieren zu lassen. Ohne solche Zertifikate können sie die meisten Häfen nicht anlaufen. «Sie werden ihr Zeugs nicht los, und das trifft sie hart», so ein hoher Beamter des US-Aussenministeriums.

Westliche Regierungen zeigen sich zuversichtlich, dass der wirtschaftliche Druck die Iraner zu Zugeständnissen beim Atomprogramm bewegen wird. Erstmals seit Monaten hat der Iran am Montag wieder Gespräche mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien aufgenommen. Sie sind ein Stimmungsbarometer für die Verhandlungen am 23. Mai zwischen dem Iran und den fünf Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats sowie Deutschland in Bagdad. Eine erste Verhandlungsrunde im April verlief ermutigend.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr Blup am 14.05.2012 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Satelittenüberwachung (visuell)

    Naja, ist doch kein Problem, diese Tanker trotzdem zu orten! Z.B. durch Wasserverdrängungsmess-Bojen (Battleship!) :-) oder ganz einfach durch ein paar geostationäre Satelitten, die da ober unseren Köpfen herumschwirren. Visuell, mit Kameras, gibt diese Möglichkeiten doch schon seit Jahren (Jahrzehnten?).

  • B. Kerzenmacher am 15.05.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Offenbar...

    geraten die Iraner weiter unter erheblichen Druck. Die Sanktionen scheinen zu greifen. Weiter so!

  • Christoph Geiser am 14.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Schluss, der gespielte Witz...

    Ähhh, hat nicht der Iran selber vollmundig ein Embargo gegen Europa verhängt, das er nun umgeht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 15.05.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Offenbar...

    geraten die Iraner weiter unter erheblichen Druck. Die Sanktionen scheinen zu greifen. Weiter so!

  • Mr Blup am 14.05.2012 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Satelittenüberwachung (visuell)

    Naja, ist doch kein Problem, diese Tanker trotzdem zu orten! Z.B. durch Wasserverdrängungsmess-Bojen (Battleship!) :-) oder ganz einfach durch ein paar geostationäre Satelitten, die da ober unseren Köpfen herumschwirren. Visuell, mit Kameras, gibt diese Möglichkeiten doch schon seit Jahren (Jahrzehnten?).

  • t.ruther am 14.05.2012 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    wer..?

    der krieg gegen der iran wurde schon lange vorberetiet. die medien behaupten schon seit 15 Jahren dass der Iran nach der ABombe strebt. bis jetzt ist aber noch nichts passiert. dank den extremen drohungen seitens des westens, die einkreisung des Landes durch verschiedene stützpunkte im nahen Osten.. wäre es sogar verständlich sich eine A-Bombe zu besorgen. niemals wären aber die Iraner so dumm eine Bombe auf Israel oder ähnlich zu werfen, es würde zur totalen vernichtung ihres Lande herbeiführen. wer stoppt den agressiven westen endlich mal??

    • Peter Silie am 15.05.2012 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ein Appeaser 

      ist jemand der das Krokodil füttert, in der Hoffnung, von jenem als letzter gefressen zu werden. (Winston Churchill) übrigens hat man bei manchem Despoten zu lange zugesehen bis man tätig wurde

    • Thomas Müller am 15.05.2012 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ungerecht 

      endlich mal der es auch kapiiert hat, auch wenn sie einen bauen sie den recht drauf. Isreal hat auch atombomben und sie haben den Nahost koflikt ausgelöst.

    • Jones-Men am 15.05.2012 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      20 Jahre!

      Benjamin Nethanjahu hat bereits 1992 gesagt das der Iran spätentens 1997 die Atombombe haben wird... 20 Jahre später kommt er mit dem gleichen Quatsch!

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  • Christoph Geiser am 14.05.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Schluss, der gespielte Witz...

    Ähhh, hat nicht der Iran selber vollmundig ein Embargo gegen Europa verhängt, das er nun umgeht?

    • J. Meyer am 14.05.2012 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, eben, stand auch in 20min

      Ja eben, dachte ich mir doch auch, als ich den obigen Artikel las. Haben die nicht grossmundig behauptet, dass es sie nicht treffen würde und sie andere Abnehmer hätten u deshalb selbst ein Ölstopp verhängten? War wohl nichts, nur heisse Luft.

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