Frauen-Demo

13. Februar 2011 18:24; Akt: 14.02.2011 13:22 Print

«Italien ist kein Bordell»

In Italien ärgern sich Frauen über Ministerpräsident Silvio Berlusconi, den Sex-Skandal und sein Frauenbild. Sie fordern den Cavaliere zum Rücktritt auf.

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Die Proteste standen unter dem Motto: «Wenn nicht jetzt – wann dann?» (Bild: Keystone)

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In Italien haben am Sonntag Tausende Frauen ihren Ärger über den Sex-Skandal um Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Strasse getragen. In Städten wie Neapel und Palermo skandierten die Frauen «Italien ist kein Bordell» und forderten Berlusconi auf Transparenten zum Rücktritt auf.

Angeführt von Schauspielerinnen, Politikerinnen und anderen prominenten Italienerinnen waren Kundgebungen in mehr als 200 Städten des Landes geplant. Unterstützt wurden die Demonstrantinnen auch von Männern.

Rücktritt von Berlusconi gefordert

Rund 9000 Menschen protestierten in Venedig gegen ein «Beziehungsmodell zwischen Männern und Frauen», das mit Berlusconi von einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Landes geprägt werde.

In Triest im Norden des Landes gingen etwa 3000 Menschen auf die Strasse und forderten unter anderem den Rücktritt Berlusconis. Im südlichen Bari demonstrierten laut Polizei ebenfalls rund 3000 Menschen, laut Organisatoren waren es 10 000.

In Pescara an der Adria-Küste war ein Platz im Zentrum «so voll von Demonstranten wie seit Jahrzehnten nicht mehr», wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Tausende Demonstranten in mehreren sardischen Städten schlossen sich nach Angaben der Organisatoren dem Aufruf an.

Flash-Mobs und Lesungen

Im Laufe des Tages waren in zahlreichen weiteren Städten, darunter auch der Hauptstadt Rom, Demonstrationen, Lesungen und sogenannte Flash-Mobs gegen das von der Politik und den Medien vermittelte Frauenbild geplant.

Auch im Ausland gab es Proteste: Vor dem italienischen Kulturzentrum in Tokio demonstrierten am Sonntag rund hundert Menschen. In Rom forderten bereits am Samstag hunderte Menschen den Rücktritt von Berlusconi.

Erhöhter Druck auf Berlusconi

Mit den Protesten erhöht sich der innenpolitische Druck auf den 74-jährigen Regierungschef, der wegen des Vorwurfs, eine Minderjährige für Sex bezahlt zu haben, in Kürze vor Gericht gestellt werden könnte. Berlusconi hat stets betont, nichts Rechtwidriges getan zu haben.

Die Organisatorinnen der jüngsten Proteste werfen Berlusconi jedoch vor, die Würde der Frauen verletzt zu haben. Zudem lasse Berlusconis Verhalten längst überholte Vorurteile über das Verhältnis von Frauen und Männern wieder aufleben.

Sie kritisieren zudem die Darstellung von Frauen als Sex-Objekte, die mit der Berichterstattung über Berlusconi einhergehe.

Diskriminierung auf Arbeitsmarkt

Die landesweiten Proteste standen unter dem Motto «Wenn nicht jetzt - wann dann?». Zu den Protesten hat eine unabhängige Frauenbewegung im Internet aufgerufen, die von namhaften Persönlichkeiten unterstützt wird.

Die Schauspieler-Schwestern Francesca und Cristina Comencini, die zu den Mitinitiatorinnen zählen, kritisieren die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund fehlender Krippenplätze und mangelnder Teilzeitangebote. Weder die rechts- noch links-orientierten Regierungen hätten je etwas dagegen unternommen.

Anhänger Berlusconis sehen in den Demonstrationen allerdings eine vom linken Lager gegen den Regierungschef initiierte Kampagne.

(sda)