Rubygate

17. Februar 2011 13:43; Akt: 17.02.2011 14:04 Print

«Berlusconi wusste, dass ich 17 war»

Silvio Berlusconi sitzt tief in der Patsche: Callgirl Ruby hat den italienischen Premier vor der Mailänder Staatsanwaltschaft schwer belastet.

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Karima el-Mahroug, besser bekannt unter dem Künstlernamen ist die Schlüsselzeugin im Sex-Prozess gegen Silvio Berlusconi. 2010 soll es bei Feiern in Berlusconis Villa zu Orgien mit minderjährigen Prostituierten gekommen sein. Die «Ruby-Affäre» war Anlass für den jahrelangen Prozess gegen den Ex-Ministerpräsidenten wegen möglichem Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution mit Minderjährigen. Berlusconi sagt vor Gericht, es habe keine Sexparties mit «Bunga Bunga» gegeben, sondern lediglich Abendessen, bei denen er sich mittels Singen sowie Gesprächen über Sport, Politik und Klatsch in den Mittelpunkt gesetzt habe. Er sei von Ruby belogen worden. Berlusconi erklärt vor Gericht, er habe zwar 45'000 Euro an die minderjährige Prostituierte gezahlt, jedoch nur, damit sie davon einen Schönheitssalon mit Haarentfernungslaser eröffnen könne und nicht etwa für sexuelle Dienstleistungen. «Ruby» ist nicht im Gerichtssaal. Ruby Rubacuori hat am Wiener Opernball 2011 teilgenommen, der schliesslich ohne Skandale über die Bühne ging. Neben Berlusconis Gespielin Ruby kamen auch Stars wie Bob Geldof und Anna Netrebko nach Wien. Küss die Hand schöne Frau...Ruby hat Richard Lugners Einladung zum Wiener Opernball angenommen. Überraschend gab die junge Frau einen Tag vor dem Opernball ihre Heiratspläne bekannt. Der Glückliche soll ein 41-jähriger Disco-Besitzer sein. Ruby Rubacuori fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärte sie, sie habe nichts falsch gemacht. «Ich will Schadensersatz, weil ich so verletzt worden bin, und alles Gold der Welt würde dafür nicht ausreichen.» Sie sei von der italienischen und ausländischen Presse wie eine Prostituierte behandelt worden, schrieb sie. Die mittlerweile 18-Jährige verlangte von der AP 15'000 Euro für ein TV-Interview. «Ich tue nichts für nichts», erklärte sie. Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlicht die bislang geheime Einvernahme von Ruby am 3. August 2010. Die junge Marokkanerin behauptet, Silvio Berlusconi habe sehr wohl gewusst, dass sie zum Zeitpunkt der Partys in Villa Arcore minderjährig war. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wurde wegen der Affäre um die junge Marokkanerin «Ruby» wegen der Begünstigung der Prostitution Minderjähriger der Prozess gemacht. Das Eilverfahren begann am beginnen. Im selben Prozess muss sich Berlusconi zudem wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Er wird beschuldigt, später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um die Affäre zu vertuschen. Das mittlerweile 18 Jahre alte Escortmädchen Ruby Rubacuori verteidigte Berlusconi bei der Aufzeichnung der Sendung «Kalispera». Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Weinend fügte sie hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sei sei im Alter von neun Jahren von zwei Onkeln vergewaltigt worden. Karima El Marough, wie Ruby mit richtigem Namen heisst, steht seit November 2010 im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Damals hiess es, der Cavaliere habe die noch 17-Jährige für Sex bezahlt. In Italien ist es strafbar, gegen Bezahlung Sex mit Prostituierten unter 18 Jahren zu haben. Ruby selbst behauptet, wiederholt an Partys des italienischen Premiers teilgenommen zu haben. Nach eigenen Angaben hat sie sogar 7000 Euro erhalten. Sie will aber keinen Sex mit Berlusconi gehabt haben. Ruby war Ende Oktober 2010 gross in den Medien geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Silvio Berlusconi sich persönlich für die junge Frau eingesetzt hatte und sie mit einem Anruf vor dem Gefängnis bewahrt hatte. Die Polizei hatte Ruby am Abend des 27. Mai 2009 festgenommen. Sie war von einer Freundin bezichtigt worden, Geld gestohlen zu haben. Ruby rief aus dem Polizeiposten direkt ins Büro des Premiers an, um Hilfe zu bitten. Berlusconi soll danach zum Hörer gegriffen und gesagt haben, die 17-Jährige sei eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten Muhammad Husni Mubarak. Ruby kam sofort frei. Die TV-Moderatorin Nicole Minetti sollte sich um das junge Mädchen kümmern. Die 25-Jährige holte Ruby um 2 Uhr morgens beim Polizeiposten ab und übergab sie einer Brasilianerin. Berlusconi dementierte das ungewöhnliche Vorgehen allerdings nicht: «Es hat einen Anruf gegeben, aber nur um einen Vormund zu finden für eine Person, die uns allen sehr leidgetan hatte, weil sie uns eine dramatische Geschichte erzählt hat, die wir ihr geglaubt haben. Das ist alles.» «Ich bin ein Mensch mit einem guten Herzen und immer bereit, jemandem in Not zu helfen», sagte er im November. Karima El Marough ist in Messina aufgewachsen und mit 14 von zu Hause ausgerissen.

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Vergangenen Dienstag hatte die Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo verfügt, dass sich der italienische Regierungschef wegen einer mutmasslichen Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten vor Gericht verantworten muss. Sie sprach dabei von einer «eindeutigen Beweislage». Jetzt ist endlich klar warum: Der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» liegen nun die geheimen Aussagen des marokkanischen Callgirls vor, die Di Censo dazu bewogen haben, den Prozess im Eilverfahren durchzuführen.

In ihrer ersten Aussage am 3. August 2010, knapp zweieinhalb Monate, nachdem sie wegen Diebstahls festgenommen worden war, behauptet das Mädchen, der Cavaliere habe sehr wohl gewusst, dass sie noch minderjährig war. «Ich hatte zuerst gesagt, ich sei 24 Jahre alt und Ägypterin. Als Silvio mir vorschlug, in einem seiner Häuser zu wohnen, dachte ich, ich erzähle ihm die Wahrheit. Ich gab zu, dass ich erst 17 war und keinen Ausweis hatte.» Berlusconi habe ihr daraufhin geraten, sich als «eine Enkelin» Mubaraks auszugeben. Damit könne sie auch die Mittel erklären, die er ihr zur Verfügung stellen werde.

Von Anfang an war klar, dass Sex erwünscht ist

Ruby Rubacuori trifft Silvio Berlusconi erstmals am 14. Februar 2010. Aufzeichnungen ihres Handys sollen später belegen, dass die Frau von jenem Tag an bis zum 2. Mai 2010 insgesamt 15 Nächte in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand verbrachte. Zudem telefonierten die beiden über einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten im Schnitt einmal pro Tag. Der Cavaliere habe ihr Geschenke und Schmuck im Wert von insgesamt 187 000 Euro gegeben, gibt sie zu. «Er sagte, dass sich mein Leben ändern würde. Es war nicht schwer zu verstehen, dass er mir Sex mit ihm vorschlug», so Ruby weiter. Die Geschenke habe sie teilweise an ihre Eltern weiterverschenkt und das Geld «masslos ausgegeben».

In ihren Aussagen belastet die Marokkanerin ausserdem Berlusconis Regionalabgeordnete Nicole Minetti. Die 24-Jährige beteuerte am Mittwoch in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, sie habe nicht gewusst, dass Ruby minderjährig sei. Diese behauptet aber, Minetti habe «von Anfang an gewusst», dass sie erst 17 war. Minetti sei eine Art «Referenz» für den Cavaliere gewesen. Wenn ein Mädchen von ihr oder von dem TV-Moderator Emilio Fede nach Arcore «eingeladen» werde, habe es «freien Zugang» zu den Räumen. Kontrolle gebe es keine – auch nicht der privaten Handys, die die Frauen mitbringen und mit denen sie herumfotografieren.

Bei einem ihrer Besuche habe sie ein Gespräch zwischen zwei anderen Frauen belauscht: Barbara Guerra und Marianne Puglia waren «eifersüchtig» auf Minetti und ihre Nähe zu Berlusconi. «Sie sagten», erinnert sich Ruby, «dass es – wenn nötig – immer möglich sei, die Bilder der Partys in Arcore zu verkaufen.»

Ob diese Dokumente nun den Ministerpräsidenten beeindrucken? Kurz bevor «La Repubblica» ihren Artikel publizierte, hatte er sich vor den Medien ungerührt über den bevorstehenden Prozess gezeigt. «Ich kann nur eines sagen, ich mache mir überhaupt keine Sorgen.» Er werde aber nicht darüber sprechen – «aus Liebe zu meinem Land».

(kle)