Sex-Skandal

11. Februar 2011 15:54; Akt: 11.02.2011 15:54 Print

«Ich bin ein Sünder, aber...»

Silvio Berlusconi wehrt sich gegen die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft zu einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen. Das sei «eine Jagd wie in der DDR».

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Diese Frauen wurden Silvio Berlusconi im Laufe seiner Karriere zum Verhängnis. An erster Stelle: . Die Mailänderin ermittelt seit 19 Jahren gegen Berlusconi und hat nur ein Ziel: Den Cavaliere hinter Gitter zu sehen. (Bild), die Ruby im Auftrag Berlusconis nach ihrer Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer «erheblichen Zahl» junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin . Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: . Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert. Auch die TV-Moderatorin tauchte in den brisanten Protokollen auf. : Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom «Cavaliere» bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll «Papi». war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von «Big Brother». Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: «Ein schamloses Luder im Dienste der Macht», nannte sie Sozio. Auch die Schauspielerin landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. Die ehemalige TV-Moderatorin ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl geschafft hat. begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. versprach der Ministerpräsident: «Mit dir ginge ich überall hin.» Prompt musste er sich öffentlich bei seiner damaligen Ehefrau Veronica Lario entschuldigen.

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Dem Ministerpräsidenten droht derzeit ein Prozess im Zusammenhang mit einer Sex-Affäre um eine junge Marokkanerin. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beantragte am Mittwoch ein Schnellverfahren wegen Amtsmissbrauchs und sexueller Beziehungen zu einer Minderjährigen.

Doch der «Cavaliere» wehrt sich vehement gegen die Ermittlungen. Er wolle sogar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagen, erklärte am Donnerstag Aussenminister Franco Frattini. Der italienische Ministerpräsident könnte sich wegen Verletzung seiner Privatsphäre an das Gericht wenden.

«Ich bin ein Sünder – wie alle anderen auch»

In einem Interview mit der rechts positionierten Zeitschrift «Il Foglio» stellt Silvio Berlusconi nun seine Sicht der Dinge dar und kritisiert dabei die «parteiischen Medien und Justizbehörden» heftig. Nach den Worten des Regierungschefs verbringen die Richter ihre Zeit vor allem damit, ein Komplott gegen ihn zu schmieden. Weiter spricht er von einer «Anti-Berlusconi-Lobby» und von «absurden Ermittlungen, die an die Jagd der Spione in 'Das Leben der Anderen' im kommunistischen Deutschland erinnern» und das Ganze «in einen internationalen Skandal verwandeln».

In dem Interview räumte Berlusconi ein, er sei «genauso wie alle anderen manchmal ein Sünder». Doch fügte er hinzu, moralistische Richter versuchten ihn um die Macht zu bringen und die italienische Gesellschaft zu verändern. «Jene, die eine Republik der Tugend predigen von puritanischer und jakobinischer Art wollen in Wahrheit eine autoritäre Demokratie, die das Gegenteil eines Systems ist, das auf Freiheit, Toleranz und einem reinen öffentlichen und privaten moralischen Gewissen beruht», sagte Berlusconi.

«Wir sind nicht bolschewistisch»

Inzwischen hat der oberste italienische Verfassungsrichter die öffentlich geäusserten Zweifel von Ministerpräsident Silvio Berlusconi an der Überparteilichkeit des Gerichts zurückgewiesen. Den 15 Richtern des Verfassungsgerichts in Rom vorzuwerfen, sie würden ihre Urteile auf Grundlage ihrer politischen Haltung fällen, sei «verleumderisch» und «zutiefst beleidigend», sagte Gerichtspräsident Ugo De Siervo am Donnerstag vor Journalisten in Rom. Er bezeichnete Berlusconis Angriffe als «übertrieben und neurotisch».

Das Gericht zog unter anderem scharfe Kritik von Berlusconi auf sich, als es im Januar ein umstrittenes Immunitätsgesetz für Regierungsmitglieder aufhob. «Wir sind nicht bolschewistisch», entgegnete der Präsident des Verfassungsgerichts nun.

Berlusconi wird verdächtigt, bei Partys auf einem seiner Anwesen die damals minderjährige Ruby für Sex bezahlt zu haben. Er soll zudem im Mai sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war.

(kle)