Proteste in Italien

07. Februar 2011 12:13; Akt: 07.02.2011 15:08 Print

Tausende «Berlusconis» gegen Berlusconi

Am Sonntag gingen erneut Tausende auf die Strassen, um gegen den italienischen Premierminister zu demonstrieren – und zeigten sich als Mini-Berlusconis.

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«Rücktritt, Rücktritt», skandierten am Sonntagnachmittag die Demonstranten in Arcore bei Mailand, wo Berlusconi eine Luxusvilla besitzt. Die Demonstranten waren einem Aufruf einer Internet-Bürgerbewegung «Lila Volk» nachgekommen, die bereits im Dezember 2009 erfolgreich einen «No Berlusconi Day» organisiert hatte.

Einige Demonstranten trugen dabei Masken mit Berlusconis Konterfei, verziert mit Damenunterwäsche – eine offene Anspielung auf die Sex-Skandale des Regierungschefs. Ein Demonstrant trug die Kutte eines Staatsanwalts und drückte damit seine Unterstützung für die von Berlusconi oft gescholtenen Justizmitarbeiter aus.

Verletzte vor dem Eingang

Eine Gruppe von Demonstranten versuchte am Abend bis zum Tor der Residenz vorzudringen und bewarf die Polizisten, die vor dem Eingang standen, mit Flaschen. Die Polizei hinderte sie daran. Einige Demonstranten und Polizisten wurden leicht verletzt.

In Florenz hatten bereits am Samstag 3000 Menschen an einer Demonstration gegen Berlusconi teilgenommen. Hier protestierten die Teilnehmer vor allem gegen das Verhalten Berlusconis gegenüber Frauen.

Prominente Unterstützung

Neben den Protesten vom Wochenende gegen Berlusconi forderten auch Prominente wie die Autoren Umberto Eco und Roberto Saviano eine Rückkehr Italiens zur Demokratie: Bei einer grossen Protestveranstaltung im Mailänder Konzertsaal PalaSharp wurde der mit seinem Anti-Mafia-Buch «Gomorrha» bekannt gewordene Autor Roberto Saviano wie ein Rockstar empfangen. «Unsere Demokratie ist in Geiselhaft», sagte Saviano vor den rund zehntausend Regierungsgegnern. Das Volk müsse «gegen das Bild eines korrupten Landes rebellieren» und auf seinem Recht beharren, «von einem saubereren Italien zu träumen».

Umberto Eco sagte, die Versammlung diene dazu, «die Ehre Italiens zu verteidigen» und «der Welt mitzuteilen, dass nicht alle Italiener gleich sind». Berlusconi habe etwas mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak gemeinsam, ergänzte der Schriftsteller: «Den kleinen Fehler, nicht zurücktreten zu wollen.»

«Habe dicke Haut»

Auch der frühere italienische Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro sprach bei der Protestveranstaltung in Mailand. Er forderte, die «öffentliche Meinung zu beeinflussen». «Jeder Bürger muss handeln, um die Demokratie über die Anti-Demokratie siegen zu lassen.»

Der Ministerpräsident, der im Verdacht steht, Minderjährige für Sex bezahlt zu haben, sagte als Reaktion auf die Demonstrationen, er habe «eine dicke Haut». Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA sagte Berlusconi in der Nacht zum Samstag zu Mitgliedern seiner Partei PDL, es gebe derzeit «beispiellose Angriffe auf mich, aber ich werde weitermachen».

(APTN-Video)

(kle/ap)