Rubygate

15. Februar 2011 11:21; Akt: 15.02.2011 13:26 Print

Berlusconi muss vor Gericht

Gegen den italienischen Premierminister wird laut italienischen Medien ein Schnellverfahren eröffnet. Das habe die zuständige Mailänder Ermittlungsrichterin entschieden.

Bildstrecke im Grossformat »
Karima el-Mahroug, besser bekannt unter dem Künstlernamen ist die Schlüsselzeugin im Sex-Prozess gegen Silvio Berlusconi. 2010 soll es bei Feiern in Berlusconis Villa zu Orgien mit minderjährigen Prostituierten gekommen sein. Die «Ruby-Affäre» war Anlass für den jahrelangen Prozess gegen den Ex-Ministerpräsidenten wegen möglichem Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution mit Minderjährigen. Berlusconi sagt vor Gericht, es habe keine Sexparties mit «Bunga Bunga» gegeben, sondern lediglich Abendessen, bei denen er sich mittels Singen sowie Gesprächen über Sport, Politik und Klatsch in den Mittelpunkt gesetzt habe. Er sei von Ruby belogen worden. Berlusconi erklärt vor Gericht, er habe zwar 45'000 Euro an die minderjährige Prostituierte gezahlt, jedoch nur, damit sie davon einen Schönheitssalon mit Haarentfernungslaser eröffnen könne und nicht etwa für sexuelle Dienstleistungen. «Ruby» ist nicht im Gerichtssaal. Ruby Rubacuori hat am Wiener Opernball 2011 teilgenommen, der schliesslich ohne Skandale über die Bühne ging. Neben Berlusconis Gespielin Ruby kamen auch Stars wie Bob Geldof und Anna Netrebko nach Wien. Küss die Hand schöne Frau...Ruby hat Richard Lugners Einladung zum Wiener Opernball angenommen. Überraschend gab die junge Frau einen Tag vor dem Opernball ihre Heiratspläne bekannt. Der Glückliche soll ein 41-jähriger Disco-Besitzer sein. Ruby Rubacuori fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP erklärte sie, sie habe nichts falsch gemacht. «Ich will Schadensersatz, weil ich so verletzt worden bin, und alles Gold der Welt würde dafür nicht ausreichen.» Sie sei von der italienischen und ausländischen Presse wie eine Prostituierte behandelt worden, schrieb sie. Die mittlerweile 18-Jährige verlangte von der AP 15'000 Euro für ein TV-Interview. «Ich tue nichts für nichts», erklärte sie. Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» veröffentlicht die bislang geheime Einvernahme von Ruby am 3. August 2010. Die junge Marokkanerin behauptet, Silvio Berlusconi habe sehr wohl gewusst, dass sie zum Zeitpunkt der Partys in Villa Arcore minderjährig war. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi wurde wegen der Affäre um die junge Marokkanerin «Ruby» wegen der Begünstigung der Prostitution Minderjähriger der Prozess gemacht. Das Eilverfahren begann am beginnen. Im selben Prozess muss sich Berlusconi zudem wegen Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Er wird beschuldigt, später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um die Affäre zu vertuschen. Das mittlerweile 18 Jahre alte Escortmädchen Ruby Rubacuori verteidigte Berlusconi bei der Aufzeichnung der Sendung «Kalispera». Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Weinend fügte sie hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sei sei im Alter von neun Jahren von zwei Onkeln vergewaltigt worden. Karima El Marough, wie Ruby mit richtigem Namen heisst, steht seit November 2010 im Mittelpunkt der Ermittlungen gegen Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Damals hiess es, der Cavaliere habe die noch 17-Jährige für Sex bezahlt. In Italien ist es strafbar, gegen Bezahlung Sex mit Prostituierten unter 18 Jahren zu haben. Ruby selbst behauptet, wiederholt an Partys des italienischen Premiers teilgenommen zu haben. Nach eigenen Angaben hat sie sogar 7000 Euro erhalten. Sie will aber keinen Sex mit Berlusconi gehabt haben. Ruby war Ende Oktober 2010 gross in den Medien geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Silvio Berlusconi sich persönlich für die junge Frau eingesetzt hatte und sie mit einem Anruf vor dem Gefängnis bewahrt hatte. Die Polizei hatte Ruby am Abend des 27. Mai 2009 festgenommen. Sie war von einer Freundin bezichtigt worden, Geld gestohlen zu haben. Ruby rief aus dem Polizeiposten direkt ins Büro des Premiers an, um Hilfe zu bitten. Berlusconi soll danach zum Hörer gegriffen und gesagt haben, die 17-Jährige sei eine Verwandte des ägyptischen Präsidenten Muhammad Husni Mubarak. Ruby kam sofort frei. Die TV-Moderatorin Nicole Minetti sollte sich um das junge Mädchen kümmern. Die 25-Jährige holte Ruby um 2 Uhr morgens beim Polizeiposten ab und übergab sie einer Brasilianerin. Berlusconi dementierte das ungewöhnliche Vorgehen allerdings nicht: «Es hat einen Anruf gegeben, aber nur um einen Vormund zu finden für eine Person, die uns allen sehr leidgetan hatte, weil sie uns eine dramatische Geschichte erzählt hat, die wir ihr geglaubt haben. Das ist alles.» «Ich bin ein Mensch mit einem guten Herzen und immer bereit, jemandem in Not zu helfen», sagte er im November. Karima El Marough ist in Messina aufgewachsen und mit 14 von zu Hause ausgerissen.

Schlechte Nachrichten für Silvio Berlusconi: Ihm wird im «Fall Ruby» der Prozess gemacht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo hat die Gerichtsverhandlung auf den kommenden 6. April festgesetzt, wie der «Corriere della Sera» und «La Repubblica» berichten. Berlusconi muss sich vor der vierten Strafkammer des Mailänder Gerichts verantworten. Dabei soll der Cavaliere von drei Frauen beurteilt werden: Richterinnen Carmen D'Elia, Orsola De Cristofaro und Julia Turri.

Das Schnellverfahren war von den Staatsanwälten gefordert worden, die wegen Amtsmissbrauch und Förderung der Prostitution mit einer Minderjährigen gegen den italienischen Premierminister ermitteln.

Konkret geht es um Berlusconis Beziehung zu einer Marokkanerin mit dem Spitznamen «Ruby»: Berlusconi soll in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 2010 sein Amt als Premierminister missbraucht haben, als er Beamte der Mailänder Staatsanwaltschaft dazu brachte, die junge Prostituierte freizulassen.

«Nichts anderes erwartet»

Die Reaktion von Berlusconi auf die Meldung des Mailänder Gerichts liess nicht lange auf sich warten. Wie die Zeitung «La Stampa» berichtet, sagte Berlusconis Verteidiger Niccolò Ghedini: «Wir haben nichts anderes erwartet.» Dass im Richterstand drei Frauen sitzen, kommentierte Anwalt Piero Longo, Mitglied des Verteidigerteams, ironisch: «Im Prozessfall Mills kamen schon Frauen vor. Grossartig! Frauen sind willkommen und auch manchmal sogar angenehm.»

Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, auf einer der Partys die damals noch 17-jährige Ruby für Sex bezahlt zu haben. Als diese später unter dem Verdacht eines Diebstahls festgenommen wurde, soll er seinen Einfluss genutzt haben, sie aus Polizeigewahrsam zu holen. Der Ministerpräsident habe befürchtet, in einem Ermittlungsverfahren gegen die Frau könnte seine Beziehung zu ihr enthüllt werden.

Es droht 15 Jahre Haft

Italienische Medien veröffentlichten in den vergangenen Wochen zahlreiche pikante Details über wilde Sexpartys in verschiedenen Villen des Regierungschefs. Ein Teil der Informationen war abgehörten Gesprächen zwischen Frauen entnommen, die an den Partys teilgenommen hatten.

Die Mailänder Staatsanwälte hatten vor einer Woche ein Schnellverfahren gegen Berlusconi beantragt. Der Cavaliere hatte damals den Antrag als gezielte Verleumdungskampagne der Medien zurückgewiesen.

Der italienische Regierungschef war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in Konflikt mit der Justiz geraten. Der aktuelle Fall ist jedoch der erste, in dem es um sein Privatleben geht. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

(rn, kle)