Gerichtsentscheid

21. Juli 2014 23:24; Akt: 22.07.2014 11:12 Print

Helfer von Boston-Attentäter ist schuldig

Ein 20-Jähriger hatte zusammen mit einem Freund Zündkörper des Attentäters aus dem Fenster geworfen und so Beweismaterial weggeschafft. Dafür wird er nun bestraft.

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Am 15. April 2014 jährt sich die Terrorattacke auf den Boston Marathon. Neue Bilder zeigen: Die Stadt lässt sich nicht unterkriegen. Links: Eine Gedenkstätte für die Opfer (7.5.13), rechts: der Copley-Platz im Stadtzentrum heute. Oben: Kurz nach dem Anschlag bei der Ziellinie auf der Boylston-Strasse, unten: dieselbe Strasse ein Jahr danach. Oben: Verletzte auf der Boylston-Strasse, unten: Passanten beim Bummeln. Das Restaurant Forum kurz nach dem Anschlag (oben) und heute. Ebenfalls der Zielbereich auf der Boylston-Strasse am 15. April 2013 und am 14. April 2014 (unten). Rettungsarbeiten versus Einkaufsbummel. Geschäfte an der Boylston-Strasse. Am 15. April 2013 herrschte Chaos und Schrecken - am 2. April ist nichts mehr davon zu sehen. Boston: Armeefahrzeuge und Soldaten am 16. April 2013, normaler Strassenverkehr am 9. April 2014. Das Quartier Watertown glich am 19. April 2013 einer besetzten Stadt, ein Jahr später eine ganz normale Szenerie. Soldaten und Polizisten durchkämmten am 19. April Haus um Haus in Watertown, heute sind es wieder die Bewohner, die ihre Häuser betreten. Dschochar Zarnajew wird schwer verletzt in einem Krankenwagen ins Spital gefahren. Nach der Festnahme des zweiten mutmasslichen Bombenlegers bricht auf den Strassen von Watertown Jubel aus. Die Bewohner feiern, dass Dschochar Zarnajew nach einer stundenlangen Jagd endlich gefasst werden konnte. Die meisten Bewohner von Watertown haben die ganze Zeit über in ihren Häusern ausgeharrt. Jetzt strömen sie auf die Strassen. Handshake mit den Polizisten: Die Beamten werden als Helden gefeiert. Gefasst: Der 19-jährige Tschetschene wird am 19. April um 21 Uhr Ortszeit im Bostoner Vorort Watertown festgenommen und ins Spital gebracht. Der mutmassliche Attentäter auf den Marathon von Boston hatte sich in einem neben diesem Haus an der Franklin Street parkierten Boot versteckt und wurde dort entdeckt. Nach der Festnahme strömten die Menschen in Watertown auf die Strassen und applaudierten der Polizei. Ihr Schild drückt aus, was alle denken: Danke, Polizei! FBI und Polizei umstellten das Haus in der Franklin Street in Watertown. Anwohner können nicht glauben, dass der Verdächtige tatsächlich ganz in ihrer Nähe ist. Bewohner der Häuser in unmittelbarer Nähe werden evakuiert. Es dauert fast drei Stunden, bis Dschochar Zarnajew in Gewahrsam genommen wird. Die Einsatzteams konnten nicht wissen, wie Zarnajew bewaffnet war und ob er weitere Bomben hatte. Tausende Polizisten und Angehörge der Nationalgarde hatten den Vorort Watertown den ganzen Tag durchstreift auf der grössten Verbrecherjagd aller Zeiten. Sie durchsuchen über 1000 Häuser. Sie waren sich sicher, dass der Gesuchte nicht weit gekommen war. Das Quartier war total belagert. Die Bewohner durften ihre Häuser nicht verlassen. Diese Karte vom Grossraum Boston gibt einen Überblick: Links oben ist der Vorort , wo am 15. April 2013 die Bombenanschläge stattfanden. Bei den mutmasslichen Attentätern handelt es sich um . Er und sein Bruder Tamerlan kamen vor rund zehn Jahren in die USA. Nur wenige Tage nach den Attentaten in Boston, kam es am 19. April zu dramatischen Szenen zuerst auf dem Campus der technischen Hochschule Cambridge und danach im Bostoner Vorort Watertown. Zwei Verdächtige hatten auf Polizisten geschossen und einen tödlich verletzt.. Danach fuhren sie mit einem SUV durch die Polizeiblockade. Dem 19-jährigen Dschochar Zarnajew gelang die Flucht, der 26-jährige Tamerlan Zarnajew wurde bei der Schiesserei so schwer verletzt, dass er im Spital starb. Für die Bewohner von Watertown war die Jagd auf die zwei gesuchten Verdächtigen eine gefährliche Situation. «Benutzen Sie kein Handy, wenn Sie überleben wollen», befahl die Polizei. Denn: Mittels Handyanrufen können Bomben aktiviert werden. Die Polizei durchsucht das Gelände der technischen Hochschule MIT in Cambridge, wo die Jagd auf die beiden Verdächtigen begann, nachdem ein Mitglied der Campus-Polizei in seinem Wagen erschossen worden war. Wenige Stunden zuvor hatte das FBI Bilder veröffentlicht, auf denen zwei Verdächtige zu sehen sind – ein Mann mit einem schwarzen und einer mit einem weissen Baseballcap. Die Bilder sind Standbilder aus Videoüberwachungen. Der Mann mit dem weissen Cap ist besser zu sehen als derjenige mit der schwarzen Kopfbedeckung. Später bekommt er einen Namen: Dschochar Zarnajew, 19 Jahre alt und Medizinstudent. Hier wurde die Umgebung abedunkelt ... Der andere Verdächtige trägt ene Sonnenbrille und hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Es ist Tamerlan Zarnajew, der 26-jährige Bruder von Dschochar. Beide Gesuchten tragen einen schwarzen Rucksack mit sich. Sie sollen verantwortlich sein für die Bombenanschläge auf den Boston Marathon am , bei dem drei Menschen getötet und mehr als 170 zum Teil schwer verletzt wurden. Das Bild zeigt den Moment der zweiten Explosion; hinten steigt der Rauch der ersten Explosion auf. Rechts im Bildrand ist der Feuerball der Explosion zu sehen. Ein Läufer liegt am Boden, Polizisten versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Rettungskräfte kümmern sich um eines der Opfer. Bilder von Verletzten gehen um die Welt. Geschockte Zuschauer verlassen die Rennstrecke. Sie ist eines der drei Opfer. Die 23-jährige Chinesin Lu Lingzi studierte an der Boston University Mathematik und Statistik. Dieses Bild kursiert in den Online-Zeitungen. Der achtjährige Martin Richard, der dieses Bild selbst aufgenommen hatte, ist ebenfalls bei den Bombenanschlägen in Boston ums Leben gekommen. Das dritte Opfer heisst Krystle Campbell. Die 29-Jährige führte ein Restaurant in Medford, Massachusetts. Aufnahmen, die Stunden nach den Anschlägen gemacht wurden, zeigen das Ausmass der Zerstörung. Ein Beamter bezeichnet die Szene als einen der schwierigsten Verbrechensschauplätze, mit dem Boston je zu tun hatte. Quadratmeter für Quadratmeter des grossflächigen Tatorts musste sofort untersucht werden. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte übernehmen das Kommando am Tatort. Die Teilnehmer des Marathons haben den Ort des Grauens fluchtartig verlassen – und ihre Sachen liegen gelassen. In Säcken verpackt werden sie nun aufbewahrt, bis sich die Besitzer wieder melden. Am Dienstag, 16. April, veröffentlicht das FBI . Der Behälter war ursprünglich ein Dampfkochtopf. Auch andere Teile der Bombe wurden entdeckt. Die Ermittler fotografieren jeden Bestandteil, ... ... bevor sie ihn ins Labor nehmen. Dort wird alles gründlich untersucht. Überbleibsel der Bombe. Mit dem Massstab werden die Grössenverhältnisse festgehalten. Hier ist noch ein Stoffteil des schwarzen Rucksacks zu sehen, das auf dem zerborstenen Dampfkochtopf liegt. Weitere Bestandteile der Bombe. Ob es sich beim zweiten Behälter ebenfalls um einen Dampfkochtopf handelt, kann das FBI noch nicht sagen. Der Behälter war aus rostfreiem Stahl. Wie die Zündvorrichtung funktionierte wird genau untersucht. Die Boylston Street, der Ort der zweiten Explosion, am Tag nach den Anschlägen. Menschen legen Blumen nieder. Auch vor dem Haus, in dem der getötete Martin Richard lebte, werden Blumen, Briefe und Geschenke niedergelegt. Ein Bild, das zu Tränen rührt: Martin Richard, der ein Plakat mit den Worten «Nie wieder Menschen verletzen – Frieden» in die Kamera hält. Das Foto war auf Facebook gepostet. Der kleine Martin ist einer der drei Menschen, die beim Bombenattentat ums Leben kamen. Besucher des Boston-Marathon auf dem . Die grossen Airlines haben den Betroffenen der Anschläge Teile des Flugpreises erlassen. Die Flagge am US-Kapitol in Washington weht auf Halbmast. Zwei Polizisten überwachen die Situation vom Dach eines Hotels aus. Ein SWAT-Team stürmt ein Hotel n Boston. An einer ersten Pressekonferenz teilte die Polizei mit, dass nebst den zwei Explosionen zwei zusätzliche Sprengsätze in Boston gefunden wurden und entschärft werden konnten. Diese Meldung stellte sich später als falsch heraus. Auch die Meldung einer Explosion in der John-F.-Kennedy-Bibliothek wurde revidiert: Es hatte sich «nur» um ein Feuer gehandelt, das nicht in Zusammenhang mit den Bomben stand. Zwei Frauen trösten sich gegenseitig.

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Ein junger Kasache, der den Attentätern vom Boston-Marathon geholfen haben soll, ist im US-Bundesstaat Massachusetts wegen Behinderung der Justiz schuldig gesprochen worden.

Die Geschworenen eines Bundesgerichts in Boston sahen es am Montag als erwiesen an, dass Asamat Taschajakow Beweismaterial beiseite schaffte. Das Strafmass soll Mitte Oktober verkündet werden. Taschajakow drohen bis zu 20 Jahre Haft und die Ausweisung nach Kasachstan.

Der vor zwei Wochen begonnene Prozess gegen den 20-Jährigen ist der erste Fall im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf vom 15. April 2013, der vor einem US-Gericht verhandelt wurde.

Drei Tote und 260 Verletzte

Bei dem Angriff explodierten zwei Sprengsätze kurz nacheinander im Zielbereich des Rennens. Drei Menschen starben und rund 260 weitere wurden verletzt. Auf ihrer Flucht erschossen die Zarnajew-Brüder zudem einen Polizisten. Während Tamerlan bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei ums Leben kam, wurde Dschochar wenige Tage nach dem Attentat festgenommen.

Die Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und sollen radikalen Islamisten nahegestanden haben. Taschajakow war ein Freund von Dschochar Zarnajew, gemeinsam besuchten sie die University of Massachusetts in Dartmouth.

Beweise in der Mülltone

Nach Ansicht der Geschworenen liess der junge Kasache zusammen mit zwei weiteren Freunden einen Rucksack mit Feuerwerkskörpern und Schwarzpulverrückständen aus Dschochars Studentenwohnheimzimmer verschwinden. Die in einer Mülltonne entsorgten Beweise wurden erst zwei Tage später von der Polizei entdeckt.

Von dem Vorwurf, auch den Laptop des Boston-Bombers beiseitegeschafft zu haben, wurde Taschajakow aber freigesprochen. Er nahm den Schuldspruch ohne Gemütsregung hin, seine Mutter dagegen brach auf der Besuchertribüne in Tränen aus.

Sein Verteidiger Matthew Myers kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Da der Anschlag in Boston noch immer sehr bewege, sei es «sehr schwierig», «objektive Geschworene» zu finden. Dschochar Zarnajew soll ab November vor Gericht stehen. Laut US-Justizminister Eric Holder wird die Anklage für ihn die Todesstrafe fordern.

(pat/sda)