Terror in Boston

17. April 2013 15:09; Akt: 17.04.2013 15:30 Print

Diese Schicksale erschüttern die Welt

Eine Tote wird verwechselt, ein Vater findet seinen Sohn dank einem Helden-Foto, zwei Brüder werden schwer verwundet: Die Anschläge von Boston haben unermessliches Leid gebracht.

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Zwölf Stunden lang glaubte William Campbell, dass seine Tochter bei der Explosion des ersten Sprengsatzes überlebt habe und im Spital behandelt werde. So hatten es ihm die Ärzte im Massachusetts General Hospital gesagt, als er dort voller Sorge auftauchte. Doch die Erleichterung wich dem Entsetzen und der Fassungslosigkeit, als sich herausstellte, dass seine Tochter Opfer einer tragischen Verwechslung geworden war, berichtet «Mail online». «Als mich die Ärzte zur Patientin liessen, kam der Schock: Das ist nicht meine Tochter, das ist Karen! Wo ist meine Tochter?», erzählt der Vater.

Mit der Freundin verwechselt

Die Frau, die im Spital am Bein behandelt wurde, war Krystles Freundin Karen Rand. Eine Stunde später dann die furchtbare Gewissheit: Ein Polizist kam ins Spital und zeigte William Campbell ein Foto seiner Tochter. Krystle Campbell (29), Restaurant-Managerin aus Medford, Massachusetts, war eines der drei Todesopfer der Anschläge. Die beiden jungen Frauen waren beim Marathon, um Karens Freund im Rennen zu unterstützen. Zur Verwechslung war es gekommen, weil Karen aus irgendwelchen Gründen die ID von Krystle auf sich trug. William Campbell: «Was für eine Tragödie. Sie war mein kleines Mädchen. Sie war ein so wundervolles Mädchen, alle liebten sie.»

Im Schatten des Helden

Das Foto ging nach dem Anschlag von Boston um die Welt: Carlos Arredondo, der Held mit Cowboyhut, der selbst vor kurzem seine beiden Söhne verloren hatte, kümmert sich um Verletzte und rettet Leben. Zusammen mit Sanitätern und Helfern schiebt er einen Schwerverletzten zur Ambulanz.

Die Identität des Mannes im Rollstuhl blieb der Welt vorerst verborgen - selbst dem Vater des Verwundeten, Jeff Bauman (52). Bis er einen Anruf seiner Stieftochter Erika bekam: «Hast du das Foto gesehen? Jeffrey ist in den News. Er wurde verletzt.»

Mr. Bauman rief sofort Spitäler in Boston an und fand heraus, dass sein Sohn Jeff (27) im Boston Medical Center lag. Zusammen mit seiner Frau machte er sich auf den Weg in die Klinik. Jeff war bereits operiert worden: Ihm musste beide Beine amputiert werden. Der Angestellte in einem Lebensmittelgeschäft war als Zuschauer am Marathon, an dem eine WG-Partnerin von ihm teilnahm. Trotz des Schocks ist sich sein Vater bewusst: «Der Mann mit dem Cowboy-Hut hat Jeff das Leben gerettet.»

Bein verloren

Paul (31) und J.P. Norden (33) waren am Montag in Boston unter den Zuschauern, um beim Marathon einen Freund anzufeuern. Doch dieser Tag sollte das Leben der beiden Dachdecker, die vor kurzem ihren Job verloren hatten, für immer verändern. Einer der Sprengsätze, die in der Nähe der Ziellinie hochgingen, rissen jedem der beiden Brüder ein Bein weg, wie NBC News berichtet.

Die Mutter der beiden, Liz Norden aus Wakefield, Massachusetts, war gerade beim Einkaufen, als Paul sie aus dem Krankenwagen anrief: «Ma, ich bin schwer verletzt.» Wenig später erfuhr Mrs. Norden, dass auch ihr zweiter Sohn beim Anschlag ein Bein verloren hatte. Sie konnte inzwischen beide Söhne, die in verschiedenen Spitälern operiert wurden, besuchen. «J.P. hat realisiert, was geschehen ist. Er weiss, dass er ein Bein verloren hat. Er hat grosse Schmerzen und hört noch immer dieses fürchterliche Pfeifen von der Explosion in seinen Ohren», so die Mutter.

J.P.s Bruder Paul war noch nicht ansprechbar, als ihn seine Mutter am Dienstag besuchte. «Aber er drückte meine Hand und versuchte sich aufzurichten, als ich ihm sagte, dass J.P. überlebt hat», erzählt Liz Norden. Sie hat nach der Tragödie im Moment nur einen Wunsch: «Bitte betet für sie alle!»

(mg)