Costa Concordia

23. Juli 2014 08:13; Akt: 23.07.2014 20:08 Print

Wrack mit Wasserfontäne verabschiedet

Die Costa Concordia verlässt die Insel Giglio und wird in Richtung Genua abgeschleppt. Es gilt, 350 Kilometer zurückzulegen. Die Entwicklung im Newsticker.

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Zweieinhalb Jahre nach der Havarie mit 32 Toten hat das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia seine letzte Reise zur Verschrottung nach Genua begonnen.
Das Schiffswrack wurde am Mittwoch von der italienischen Insel Giglio auf das Meer hinausgezogen.

«Das Schiff ist abgefahren», verkündete Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli, nachdem die Costa Concordia gegen 11 Uhr ihre endgültige Route eingeschlagen hatte. «Für uns alle ist das ein Grund zur Freude.» Die Reise nach Genua wird voraussichtlich vier Tage dauern.

Giglio verabschiedete den 290-Meter-Riesen mit Schiffssirenen und Glockengeläut, gedachte aber auch der 32 Todesopfer der Schiffskatastrophe vom Januar 2012. Unter den 4200 Passagieren waren auch auch 69 Schweizerinnen und Schweizer. Alle konnten sich retten.

Der Bürgermeister von Giglio, Sergio Ortelli, kommentierte: «Wir sind überglücklich, ein Albtraum ist zu Ende gegangen. Wir hoffen jetzt, dass alles unternommen wird, um alle Spuren dieser Tragödie wegzubringen.» «Sie haben es geschafft, unglaublich», rief eine Schaulustige aus, als sich das Wrack in Bewegung setzte.

Langsame Reise mit Entourage

Bereits am Mittag war der Schleppzug von der Insel aus nur noch am Horizont zu erkennen. Vier Schlepper – zwei am Bug und zwei am Heck – ziehen die Costa Concordia bis nach Genua.

14 Schiffe – darunter zahlreiche Spezialschiffe, ein Segelboot mit Umweltschützern und die Küstenwache – begleiten den Transport auf der gut 350 Kilometer langen Strecke in die ligurische Hafenstadt. An Bord der Costa Concordia befinden sich zwölf Personen.

Strecke weiträumig gesperrt

Das Meer wird um den Konvoi herum während der Reise weiträumig abgesperrt, ebenso der Luftraum. Etwa zwei Knoten (3,7 Kilometer pro Stunde) schnell bewegt sich der Kreuzer durch das Mittelmeer. Täglich wird das Schiff rund 50 Seemeilen (92,6 Kilometer) zurücklegen.

Die Route führt entlang der französischen Insel Korsika nach Norden. Die grösste Gefahr für das stark beschädigte Schiff sind starke Winde und hohe Wellen auf dem offenen Meer.

Doch die Ingenieure sind optimistisch: «Wir sind überzeugt, dass alles gut klappen wird», prophezeite Franco Porcellacchia, Chefingenieur der Reederei Costa Crociere, Betreiberin des Schiffes.

Teure Bergungsaktion

Vor gut zweieinhalb Jahren war das Luxusschiff zu nahe an die Insel herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war auf Grund gelaufen. Kapitän Francesco Schettino verliess nach dem Unfall das riesige Schiff per Rettungsboot, obwohl die meisten Reisenden noch festsassen. Er muss sich in Rom unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

Es folgte eine einzigartige Bergungsaktion. Sie wird am Ende nach dem Abwracken rund 1,5 Milliarden Euro gekostet haben.

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(sda)