Haiti

10. Februar 2011 09:02; Akt: 10.02.2011 09:15 Print

USA wollen «Erzieher» Aristide nicht

von Bradley Klapper, dapd - Die angekündigte Rückkehr von Haitis Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide findet in den USA keinen Anklang. Aristide hat seine Pläne aber schon gemacht.

Bildstrecke im Grossformat »
Gestern und heute: Haitis Präsidentenpalast im Januar 2010 und ein Jahr später (unten). Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti prägen Armut und Elend das Leben der Menschen in den zerstörten Gebieten in und um die Hauptstadt Port-au-Prince. Für viele der rund neun Millionen Einwohner Haitis ist die Lage noch immer dramatisch. In Port-au-Prince, wo noch immer 1,3 Millionen Obdachlose in provisorischen Camps leben, seien die Besitzverhältnisse völlig unklar. «Wir können keine neuen Häuser bauen, wenn nicht klar ist, wem das Land gehört», erklären die Helfer. Deshalb konzentrieren sich die meisten Schweizer Hilfswerke auf ländliche Regionen, wo die sozialen Strukturen überschaubarer sind. Ein Jahr nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 gehe es darum, möglichst vielen Menschen in den betroffenen Gebieten die Rückkehr in eine gewisse Normalität und in ein würdevolles und sicheres Leben zu ermöglichen. Die Partner der Glückskette haben Wiederaufbauprojekte für Häuser, Landwirtschaft und Kleinstunternehmen gestartet. Neben der Armut breitet sich in vielen Teilen des Landes die Gewalt aus: Plünderungen und Strassenschlachten gefährden nicht zuletzt die Arbeit der Hilfsorganisationen. Die Hilfe sei schwierig und laufe sehr langsam, teilte die Glückskette ein Jahr nach der Katastrophe mit. Der Karibikstaat sei ein permanenter Notfall, behaupten Mitarbeiter diverser Hilfsorganisationen. Die Rahmenbedingungen seien äusserst schwierig und stellten die Organisationen vor neue Herausforderungen. «Was in andern Ländern geht, geht in Haiti nicht oder nur sehr langsam», lautet ein verbreitetes Urteil. Die Not- und Wiederaufbauhilfe brauche Zeit. Man rechne mit mindestens fünf Jahren. Derzeit findet der Wiederaufbau in den ländlichen Regionen des Erdbebengebietes westlich der Hauptstadt Port-au-Prince statt. Erst im Oktober, neun Monate nach dem Beben, habe Haitis Administration die neuen, erdbebensicheren Standards vorgelegt. Der Staat in Haiti ist faktisch inexistent. Für Bildung und medizinische Versorgung zuständig sind humanitäre Organisationen. Beim Wiederaufbau sind die Hilfswerke mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Die Hilfe soll langfristig sein und mehrere Jahre dauern.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die USA haben sich gegen eine Rückkehr des früheren haitianischen Staatschefs Jean-Bertrand Aristide in seine Heimat vor der Stichwahl um das Präsidentenamt im März ausgesprochen. Das wäre eine «bedauerliche Ablenkung» für die Wähler, erklärte Aussenministeriumssprecher P. J. Crowley am Mittwoch. Zwar seien die USA nicht über etwaige Reisepläne von Aristide im Bilde, sie seien jedoch entschieden gegen jegliche Störung, die zur Uneinigkeit während des Wahlprozesses führen könnte.

Die Spekulationen um eine baldige Rückkehr Aristides waren erneut angefacht worden, nachdem Haiti ihm einen Diplomatenpass ausgestellt hatte. Aristides amerikanischer Anwalt hatte das Dokument am Dienstag in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince abgeholt.

Abgesetzt, aber beliebt

Aristide, ein ehemaliger Priester und erster demokratisch gewählter haitianischer Präsident, war 2004 abgesetzt und an Bord eines US-Flugzeugs ausser Landes gebracht worden. Er lebt im Exil in Südafrika, erfreut sich jedoch in seiner Heimat weiter grosser Beliebtheit als Held der Armen.

Seine Partei Fanmi Lavalas hatte stets die Rückkehr Aristides gefordert. Die haitianischen Behörden hatten jedoch immer wieder das Fehlen eines gültigen Ausweises als Hinderungsgrund angeführt. Sie verwiesen darauf, dass Aristide diesen nicht für die Einreise nach Haiti, wohl aber für die Durchreise durch andere Länder benötigen dürfte.

Aristide will als Erzieher helfen

Seine Partei Fanmi Lavalas war von der Teilnahme der jüngsten Wahl ausgeschlossen, inklusive der Präsidentschaftswahlen im vergangenen November. Nachdem es Streit um das Ergebnis gegeben hatte, wurde erst kürzlich ein Termin für die Stichwahl am 20. März festgesetzt.

Aristide kann daran nicht teilnehmen. Er wolle das auch gar nicht, hat er mitgeteilt. Vielmehr wolle er seiner von einem Erdbeben verwüsteten karibischen Heimat als Erzieher helfen.