Haiti

09. Februar 2011 14:41; Akt: 09.02.2011 15:26 Print

Ex-Präsident Aristide könnte zurückkehren

Haiti hat seinem ehemaligen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide einen Diplomatenpass ausgestellt. Nun wird gerätselt, was er tun wird.

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Jean-Bertrand Aristide hat wieder einen haitianischen Pass. (Bild: Keystone)

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Aristides amerikanischer Anwalt holte den Pass am Dienstag bei einem Kurzbesuch in der Hauptstadt Port-au-Prince stellvertretend ab. «Ja, ich habe es», erklärte Ira Kurzban in einem kurzen Telefoninterview vor seinem Rückflug nach Miami. Er äusserte sich nicht dazu, wann Aristide in seine Heimat zurückkehren wolle.

Zuvor hatte der haitianische Innenminister Paul-Antoine Bien-Aimé der Nachrichtenagentur AP gesagt, Aristide habe vor kurzem einen entsprechenden Antrag ausgefüllt, dem rasch stattgegeben worden sei. Auf die Frage nach dem Zeitpunkt von Aristides Rückkehr reagierte Bien-Aimé mit einem Schulterzucken und sagte, er habe keine Ahnung.

Abgesetzt und im Exil

Aristide, ein ehemaliger Priester und erster demokratisch gewählter haitianischer Präsident, war 2004 abgesetzt und an Bord eines US-Flugzeugs ausser Landes gebracht worden. Er lebt im Exil in Südafrika, erfreut sich jedoch in seiner Heimat weiter grosser Beliebtheit als Held der Armen. Seine Partei Fanmi Lavalas hatte stets die Rückkehr Aristides gefordert. Die haitianischen Behörden hatten jedoch immer wieder das Fehlen eines gültigen Ausweises als Hinderungsgrund angeführt. Sie verwiesen darauf, dass Aristide diesen nicht für die Einreise nach Haiti, wohl aber für die Durchreise durch andere Länder benötigen dürfe.

Seine Partei Fanmi Lavalas war von der Teilnahme an der jüngsten Wahl ausgeschlossen, inklusive der Präsidentschaftswahlen im vergangenen November. Nachdem es Streit um das Ergebnis gegeben hatte, wurde erst kürzlich ein Termin für die Stichwahl am 20. März festgesetzt. Aristide kann daran nicht teilnehmen. Er wolle das auch gar nicht, hat er mitgeteilt. Vielmehr wolle er seiner von einem Erdbeben verwüsteten karibischen Heimat als Erzieher helfen.

Mögliche Rückkehr begrüsst

Die Leiterin des Vorstands der Fanmi Lavalas, Maryse Narcisse, begrüsste es dennoch, dass der frühere Präsident einen Pass erhalten habe. «Für uns ist das wichtig. Für das haitianische Volk ist das ein Symbol des demokratischen Kampfes. Die Leute wollen, dass er zurückkehrt, um Unterstützung im Bildungsbereich zu bieten.»

Spekulationen über eine Rückkehr Aristides waren aufgekommen, nachdem der Ex-Diktator Jean-Claude «Baby Doc» Duvalier im Januar unerwartet nach 25 Jahren im Exil in Haiti eingetroffen war. Erst in den jüngsten Tagen hatten sich die Gerüchte um Aristides Rückkehr in haitianischen Medien sowie in sozialen Netzwerken verstärkt.

Aristide wirft den USA und Frankreich vor, seinen Sturz eingefädelt und ihn zum Rücktritt gezwungen zu haben. Im Januar hatte Aristide erklärt, er sei «heute, morgen, jederzeit» zur Rückkehr bereit. Washington hatte wiederholt gewarnt, dass eine Rückkehr Aristides das Land destabilisieren würde.

(ap)