Abu Bakr al-Bagdadi

05. Juli 2014 17:50; Akt: 06.07.2014 01:44 Print

Isis-Chef zeigt sich zum ersten Mal

Abu Bakr al-Bagdadi fordert angeblich in einem Video «Gehorsam» von Muslimen und zeigt sich erstmals der Öffentlichkeit. Der unsichtbare Scheich hielt sich bisher im Verborgenen.

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Zahlreiche religiösen Stätten von Sunniten und Schiiten wurden im Irak durch die ISIS zerstört, dies wurde am bekannt. Bei ihrem Vormarsch gehen die ISIS-Milizen weiter mit brutaler Härte vor. Das Video vom soll ISIS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zeigen. Er ist der Chef der Isis: . Das Bild des Terroristenführers wurde im Frühling 2014 von der irakischen Regierung veröffentlicht. Ein älteres Bild stammt von den USA. Abu Bakr al-Baghdadi übernahm das Kommando der sunnitischen Gotteskrieger im Irak von Abu Musab al-Zarqawi (rechts). Links im Videobild ist der früherer Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden. Bin Ladens Nachfolger Ayman al-Zawahiri soll sich immer noch im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet versteckt halten. Sein Einfluss ist geschwunden - zugunsten Abu Bakr al-Baghdadis. Inzwischen haben Islamisten unter Abu Bakrs Kommando in der Stadt Mossul das Konsulat der Türkei gestürmt und 48 Menschen als Geiseln genommen. Unter ihnen befindet sich der türkische Konsul Öztürk Yilmaz (im Bild). Die Isis hat ein Propaganda-Video hochgeladen, das Kämpfer an einem unbekannten Ort im Irak zeigt. Im Video ist auch ein Konvoi von Isis-Kämpfern zu sehen. Die Isis hatte Anfang Juni Mossul, Iraks zweitgrösste Stadt, und weite Teile der Provinz Ninive eingenommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Irakische Polizisten stehen auf dem Dach einer Militäranlage in Baghdad Wache, nachdem der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Seit dem 10. Juni versuchten rund 500'000 Menschen aus Mossul zu fliehen. Die Extremisten haben die Stadt nach tagelangen Kämpfen eingenommen. Flüchtlinge, darunter viele Familien, versuchen in die kurdischen Provinzen Erbil und Dohuk zu flüchten. Die noch junge Regierung verliert immer mehr die Kontrolle.

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Die sunnitische Terrormiliz Isis demonstriert ihre Macht: Wenige Tage nach Ausrufung eines Gottesstaats auf syrischem und irakischem Gebiet ist Isis-Chef Abu Bakr al-Bagdadi offenbar erstmals öffentlich in einer Moschee im nordirakischen Mosul aufgetreten. Von ihm gibt es nur sehr wenige Fotos, weshalb er auch der «unsichtbare Scheich» genannt wurde. Die sunnitischen Extremisten präsentierten am Samstag ein Video im Internet, das nach Einschätzung des irakischen Geheimdienst tatsächlich den Milizenchef zeigt. Zudem stellten sie Bilder von der Zerstörung schiitischer Heiligtümer ins Netz.

Isis-Kämpfer hatten in den vergangenen Wochen Mosul und weitere Städte erobert und beherrschen nun im Irak wie auch in Syrien grosse Landstriche. Die Gruppe nannte sich bislang Islamischer Staat im Irak und in Syrien. Vergangenes Wochenende erklärte sie dieses grenzüberschreitende sogenannte Kalifat für Realität und nennt sich nun nur noch Islamischer Staat.

Predigt bei Gebet

Ihr Anführer al-Bagdadi galt bislang als äusserst öffentlichkeitsscheu, von ihm existieren fast keine Bilder oder Videos. Ob der nun in dem Video gezeigte Mann tatsächlich der Isis-Kommandeur ist, ist deshalb kaum zu überprüfen. Er trägt einen Bart, ein schwarzes Gewand und einen schwarzen Turban. Der Film soll eine Predigt Al-Bagdadis während des Freitagsgebets zeigen.

Ein hoher irakischer Geheimdienstbeamter sagte, man gehe nach einer vorläufigen Analyse des Films davon aus, dass es al-Bagdadi sei. Am Freitagmittag sei in Mosul ein grosser Konvoi angekommen. Danach seien die Mobilfunknetze in der Stadt ausgefallen. Diese hätten erst wieder funktioniert, als die Wagenkolonne abgefahren war. Ein Bewohner Mosuls bestätigte den zeitweiligen Ausfall des Netzes während der Freitagsgebete.

Darüber hinaus erschienen auf einer von Extremisten genutzten Webseite Fotos, die die Zerstörung schiitischer Schreine und Moscheen in dem von Isis beherrschten Gebiet belegen sollen. Einige Fotos zeigen Bulldozer, die sich durch die Wände pflügen, andere dokumentieren offenbar Explosionen in den Bauwerken, Rauchschwaden und Geröll. Bewohner von Mosul und Tal Afar bestätigten die Zerstörung am Samstag.

Kampf gegen schiitisch geführte Regierung

Die sunnitischen Extremisten sehen schiitische Muslime als Ketzer und Heiligenanbetung als Gotteslästerung an. Ihr Kampf gegen die schiitisch geführte Regierung wird teils auch von gemässigten Sunniten unterstützt, die sich im Irak ausgegrenzt und entmachtet fühlen.

Die irakische Regierung und ihre Streitkräfte waren von dem Isis-Vormarsch völlig überrumpelt worden. Viele irakische Soldaten flohen oder liefen zu den Aufständischen über. Inzwischen hat die Regierung eine Gegenoffensive gestartet, allerdings bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Vor diesem Hintergrund versetzte Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Samstag die Chefs von Heer und Bundespolizei in den Ruhestand, wie das Militär mitteilte. Nachfolger seien noch nicht benannt.

In Syrien veranlasste das Erstarken der Isis die Führung der moderaten Rebellen der Freien Syrischen Armee zu einem dramatischen Hilfsappell an den Westen. «Wir bitten dringend um Hilfe für die FSA mit Waffen und Munition, um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden, die unser Volk bedroht», erklärte FSA-Kommandeur Abdul-Ilah al-Baschir. «Wenn wir nicht schnell Unterstützung bekommen, wird das Desaster nicht an der Grenze enden. Wir stellen die internationale Gemeinschaft vor ihre historische Verantwortung.»

(sda)