The Iraq Bikers

26. Juli 2014 19:18; Akt: 26.07.2014 19:18 Print

Diese Jungs sollten ab sofort den Irak regieren

Ein Motorradclub macht vor, wie die Menschen im Irak friedlich zusammenleben können: Sunniten und Schiiten, Christen und Kurden cruisen Seite an Seite.

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«Wir sind keine Gang wie Biker in anderen Ländern. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass wir gute Menschen sind, wir sind eine Familie», sagt «Captain Bilal» Al Bayati, seines Zeichens Chef des irakischen Motorradclubs The Iraq Bikers. Nach diesem Kriterium – und nicht nach ethnischen oder religösen Vorgaben – sucht er sich auch neue Mitglieder aus. Der Club vereinigt Sunniten, Schiiten, Christen, Turkmenen und Kurden, wie die «The Daily Beast» schreibt.

Das ist aussergewöhnlich im tief gespaltenen Irak, in dem gewalttätige Auseinandersetzungen und Bombenanschläge zwischen den einzelnen Religionen an der Tagesordnung sind und eine Kultur des Misstrauens und der Vorurteile gegenüber Andersdenkenden herrscht.

Keine Outlaw-Philosophie

Wie alle anderen Motorradclubs dieser Welt schmücken sich auch die Iraq Bikers gerne mit Totenköpfen, Ketten und Lederaccessoires. Ihre Töffs nennen sie Harley, obwohl es sich bei den meisten Maschinen um Hondas handelt. Doch ausgefeilte Handshakes oder geheime Wahlsprüche haben sie nicht. Und mit der Outlaw-Philosophie anderer Clubs wollen sie nichts zu tun haben. Sie lassen die Motoren bei ihren Touren nicht laut aufheulen und sie suchen keinen Streit.

Wer dem Club beitreten möchte, muss in einer mehrmonatigen Probezeit beweisen, dass er charakterlich in die Familie passt. Man trifft sich einmal die Woche, macht einen Ausflug und tauscht Neuigkeiten und Ersatzteile aus. Das alles klingt eher nach Gutmenschentum als nach einem klassischen Motorradclub. Doch man sollte sich hüten, die Biker als Weicheier zu bezeichnen. Viele der Mitglieder haben sich dem Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS, vormals Isis) angeschlossen.

Wie etwa Nabir Kadim Jasim. Der 40-Jährige ist soeben von Mossul und Baiji zurück, wo er laut eigenen Angaben, mit der Hisbollah gegen die IS kämpfte. «Ich bin ein Sniper», sagte er der «Daily Beast», «wir haben dort viele Isis-Kämpfer getötet.» In wenigen Tagen will er der irakischen Armee beitreten und den Kampf gegen die Terroristen fortsetzen. Neben Jasim kämpfen 14 weitere der insgesamt 75 Clubmitglieder gegen die IS.

Irakische Nationalisten

Die Iraq Bikers sehen sich als Patrioten, die sich der Idee eines irakischen Nationalismus verbunden fühlen. Sie setzen sich für ein Land ein, in dem die Menschen in erster Linie Iraker und erst in zweiter Linie Christen, Kurden, Sunniten oder Schiiten sind.

Vor ein paar Wochen führten die Iraq Bikers auf Bitte der Regierung eine ihrer Shows auf, an der sie ihre artistischen Fahrkünste in Uniformen und mit Nationalfahnen am Töff unter Beweis stellten. Ziel war es, für den Kampf gegen den islamistischen Terror des IS zu werben. «Immer wieder fragen uns Politiker, ob wir eine Show aufführen können, um den Menschen Freude zu bereiten», sagt Club-Führer Bilal. Diese Auftritte halten die Biker mit Video fest und publizieren sie auf ihrem Youtube-Channel. Im September will der aussergewöhnliche Töffclub in Spanien auftreten.

(kmo)