«Curveball»

18. Februar 2011 12:23; Akt: 18.02.2011 13:02 Print

Deutsche warnten CIA vor Irak-Lügner

Der Irakkriegs-Informant «Curveball» hat sich als Lügner enttarnt. Der deutsche Ex-Aussenminister Joschka Fischer behauptet, man habe die Amerikaner vor ihm gewarnt.

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Joschka Fischer bei der Vorstellung seiner Memoiren. (Bild: Keystone/Wolfgang Kumm)

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Das Geständnis des in Deutschland lebenden Irakers Rafid Ahmed Alwan al Dschanabi, er habe dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND) «fabrizierte» Informationen über «rollende Biowaffenlabors» im Irak geliefert, schlug am Mittwoch wie eine Bombe ein. Denn die Aussage von Dschanabi, Deckname «Curveball», wurde von der US-Regierung als Beleg für Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen verwendet.

Diese existierten bekanntlich nicht, die USA waren 2003 auf der Basis von Lügen in den Irak einmarschiert. Der damalige CIA-Direktor George Tenet veröffentlichte ein Statement, wonach er «verdammt noch mal zu spät» realisiert habe, dass «Curveball» ein Schwindler sein könnte. Erst 2005 habe er herausgefunden, dass der BND Zweifel an den Angaben des irakischen Überläufers zum angeblichen Biowaffenprogramm geäussert habe, so Tenet.

Keine wasserdichte Quelle

Der ehemalige deutsche Aussenminister Joschka Fischer hält diese Behauptung für wenig glaubhaft, wie er dem «Guardian» am Donnerstag in Berlin erklärte. Fischer stellte dort seine Autobiographie mit dem Titel «I am not convinced» vor. Mit diesen Worten (ich bin nicht überzeugt) hatte Fischer Anfang 2003 gegenüber US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld begründet, warum Deutschland sich nicht am Irak-Krieg beteiligen wolle.

Joschka Fischer erklärte, der BND habe bereits einige Zeit vor dem Krieg realisiert, dass Dschanabi keine wasserdichte Quelle sei und dem CIA eine entsprechende Warnung übermittelt. «Curveball» hätte recht haben können oder nicht, «wir wussten es nicht», sagte Fischer. Man habe es als Pflicht empfunden, den Amerikanern die Informationen zu übermitteln, man habe aber auch betont, dass sie von einem Überläufer stammten, weder überprüft noch erhärtet seien und komplett falsch sein könnten.

Cheney als Manipulator?

«Ich war nicht schlecht erstaunt, als ich Colin Powell im Sicherheitsrat hörte», erinnerte sich der frühere Grünen-Chef weiter. Der US-Aussenminister hatte Anfang Februar 2003 vor der UNO unter anderem die Angaben von «Curveball» als Beweis für die Existenz der Massenvernichtungswaffen verwendet, Fischer hatte besagte Sitzung präsidiert. Nun verlangt Powell laut «Guardian» von CIA und Pentagon Antworten, warum man ihn nicht vor Dschanabis Unzuverlässigkeit gewarnt habe.

Sein ehemaliger Stabschef Lawrence Wilkerson äusserte in einem Interview mit MSNBC die Vermutung, dass Colin Powell aufgrund seines guten Rufs von der Regierung Bush eingespannt worden sei und man ihm nicht die vollständige Wahrheit gesagt habe. Im Visier hat er Vizepräsident Dick Cheney, der als Haupt-Kriegstreiber gilt. Auf die Frage, ob Cheneys Büro ihn und Powell manipuliert habe, antwortete Wilkerson: «Unbedingt, unbedingt.»

(pbl)