«Newsweek»

20. September 2012 20:26; Akt: 20.09.2012 20:26 Print

US-Magazin empört mit Muslim-Cover

von Peter Blunschi - Mit provokativen Titeln kämpft das angeschlagene US-Magazin «Newsweek» ums Überleben. Das neuste Coverfoto mit wütenden Islamisten geht jedoch vielen Kritikern zu weit.

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Das aktuelle Cover (links) und jenes, das zur Abwahl von Barack Obama aufruft. (Bild: Newsweek)

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Der Aufruhr in der islamischen Welt über den umstrittenen Mohammed-Film wird in den westlichen Medien breit und sehr unterschiedlich abgehandelt. Das US-Nachrichtenmagazin «Newsweek» setzt dabei auf einen Knalleffekt: Die Titelseite seiner neusten Ausgabe zeigt unter der Überschrift «Zorn der Muslime» ein Foto von bärtigen Männern mit wutverzerrten Gesichtern, offenkundig Salafisten. Aufgenommen wurde das Bild in Marokko.

Das provokative Cover sorgt für heftige Reaktionen. Der Pakistan-Korrespondent des nicht als links bekannte britischen «Daily Telegraph» bezeichnete es als «krankhaftes Stück Schock-Journalismus, das ein einst grosses Magazin herabwürdigt». Das Titelbild zeige eine kleine Minderheit unter den Muslimen, wie er selber nach dem letzten Freitagsgebet in Islamabad gesehen habe. Etwa 30 Leute hätten protestiert. «Die meisten Moscheegänger schauten aus der Distanz zu, kauften ein Eis und gingen dann zu ihren Familien».

Auflage mehr als halbiert

Zahlreiche weitere Kommentatoren bliesen ins gleiche Horn und bezeichneten das Cover als «vulgär», «schlechten Witz» oder «stupiden Sensationalismus». Doch die Provokation hat Methode: Dem einst ruhmreichen Nachrichtenmagazin geht es schlecht, die Auflage hat sich seit Anfang 2008 mehr als halbiert, auf 1,5 Millionen Exemplare, die Werbeeinnahmen sind eingebrochen. Den Turnaround soll die britische Starjournalistin Tina Brown schaffen. Sie hatte als Chefredaktorin bereits den verstaubten «New Yorker» aufgepeppt.

Browns Rezept für «Newsweek»: Für Gesprächsstoff sollen nicht wie früher aufwändige Recherchen und Reportagen, sondern knallige Titelbilder und Meinungsartikel sorgen. Die Titelgeschichte ist denn auch keine fundierte Analyse eines renommierten Journalisten. Sie stammt von der niederländisch-somalischen Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali, die in der für sie typischen Mischung aus interessanten Ansätzen und ärgerlicher Schwarzweiss-Malerei schildert, wie sie den Zorn der Muslime «überlebt» habe und «wie wir ihn beenden können».

«Hit the Road, Barack»

Vor einigen Wochen durfte sich bereits Hirsi Alis Ehemann, der britische Historiker Niall Ferguson, auf der Titelseite mit der Überschrift «Hit the Road, Barack» für einen Rauswurf des Präsidenten aus dem Weissen Haus stark machen. Auch diese Story wurde kritisiert, vor allem wegen diversen Fehlern, worauf «Newsweek» einräumen musste, man habe den Text keiner Faktenprüfung unterzogen. Immerhin ist das Blatt politisch nicht einseitig: Ende Juli wurde Obama-Herausforderer Mitt Romney auf dem Cover als «Weichei» bezeichnet.

Medienexperten zweifeln daran, dass Tina Browns Masche mit den provokativen Covern dem Magazin das Überleben sichern kann. Wie man es auch machen kann, zeigt der ewige Konkurrent «Time», der auf die Kernkompetenz eines Nachrichtenmagazins setzt, nämlich fundierte Hintergrundberichte. Zwar sind die Kioskverkäufe eingebrochen, doch dank treuen Abonnenten hat «Time» immer noch eine Auflage von über drei Millionen.

Humor auf Twitter

Mit dem neusten Cover hat «Newsweek» zumindest eines erreicht: Man ist im Gespräch. Und die Reaktionen sind nicht nur ablehnend. Unter dem Twitter-Hashtag #muslimrage dürfen «Newsweek»-Leser über die Titelstory diskutieren. Manche tun es mit Humor, wenn sie schildern, was den Zorn der Muslime errege: «Meinem fliegenden Teppich ist das Benzin ausgegangen», heisst es etwa. Und der Favorit vieler User: «Habe meinen Neffen auf dem Flughafen verloren. Kann aber seinen Namen nicht rufen. Er heisst Dschihad.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 21.09.2012 02:38 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Ich glaube, dass die Moslems in der Schweiz sowie in allen anderen europäischen Staaten gut angepasst sind. Wir als Schweizer schreiben uns die Religionsfreiheit gross auf die Fahne, sind aber nicht bereit zu akzeptieren, dass Leute anderer Religionen auf eine solche Provokation des "Westens" gegen ihre Religion reagieren. Es ist ein Akt gegen die Grundsätze sämtlicher Religionen was mit dem Film begann und ein bewusster Verstoss gegen den gesunden Menschenverstand was sich einige Zeitschriften jetzt zu veröffentlichen wagen! Das ist reine Effekthascherei! Hört auf damit!

  • peti am 21.09.2012 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    newsweek setzt muslime aufs cover

    ich dachte, man dürfe keine mohammmed-karikaturen machen, offenbar darf man auch keine muslime mehr aufs cover packen.. das nachrichtenmagazin der spiegel hatte sogar schon adolf hitler auf dem cover! und man konnte es ungehindert an jedem kiosk kaufen! wie menschenverachtend!

  • T.Oleranz am 21.09.2012 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karrikaturen ect.

    Und die Medien sind nicht unschuldig - weshalb muss man denn die ganze Zeit darüber schreiben, wie wütend Muslime sind? Die Muslime machen ein Riesen-Theater..was soll's wegen ein paar Karrikaturen sich aufregen? Das gibt ihnen nur den Freipass, sich wieder mal in den Medien gross aufzuspielen. Hab's allmählich satt mit dem ganzen Affentheater! Sorry, wir haben Meinungs- und Religionsfreiheit hier- etwas mehr Toleranz von Seiten der Muslime wäre angebracht !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 22.09.2012 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat Recht?

    Die einen behaupten, es wäre eine kleine Minderheit, die anderen sagen, radikale Islamisten, würden eine Mehrheit ausmachen... Was nun stimmt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Denn mehr arabische Länder sind nun "frei". D.h. was sich dort nun abspielt, gibt uns ein gutes Bild darüber, wie die Leute dort wirklich denken. In Libyen haben nun immerhin schon 1000e von Menschen gegen die Attacken durch Islamisten demonstriert. Bin gespannt, wie sich das alles in Libyen und anderen Ländern weiterentwickelt...

  • Reinhard Peter am 21.09.2012 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    Islamische Weltherrschaft

    Hoffe nun ist jedem klar, was man in der islamischen Welt unter "Demokratie" versteht... Warum wird hier toleriert, dass es Parallelgesellschaften gibt, Koranschulen und Hassprediger? Wieviele Kirchen oder Bibelschulen durften denn in der arabischen Welt errichtet werden? Komisch, dass man dort sehr schnell verhaftet und des Landesverwiesen wird, falls man solche Gedanken hegt. Bei uns muss man nur mit "Menschenrechten" und "Religionsfreiheit" kommen und schon hat man jede Erblaubnis.

  • Peter Hinder am 21.09.2012 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenartige Ansichten

    Hätte nie gedacht, dass die Muslime so platt und mörderisch einseitig reagieren. Sie dürfen die Bibel zerreissen, wir bringen deshalb aber keine Muslime um. Bei den Christen ist Mord als Vergeltung nicht akzeptiert. Eine eigenartige Ansicht der radikalen Muslime.

    • Dann wohl Vorder am 22.09.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Genau nicht für eine zerrissene Bibel

      Aber für ÖL, Macht, Land oder zum Erhalt unserer Überflussgesellschaft. Viel bessere Beweggründe genau Herr Hinder.

    • werner am 22.09.2012 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      @dann wohl

      Darum liegt Dubai, Bahrain im Westen gell! Und das in Syrien sunniten und schiiten aufeinader los gehen ist Natürlich auch unsere Schuld

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  • Moh ha med am 21.09.2012 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Monty Python / Life of Brian

    Was genau ist schlimm an diesem Cover? Ich verstehe die Aufregung allgemein nicht oder werden wir bereits von den Muslimen beherrscht?! Was ist mit Monty Python und dem Film Life of Brian? Einfach kein Humor diese extrem gläubigen. Wir dürfen uns nicht zensieren lassen!

    • thomas k am 21.09.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      ernsthaft

      Willst du ernsthafft Life of brian mit Innocence of Muslims gleichstellen??? Schau dier nochmal beide Filme bzt "trailer" an und behaupte das nocheimal...

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  • Pedro am 21.09.2012 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kann die nicht ernst nehmen

    Ich finde Satiriker eigentlich eher armselig, aber sie sind konsequent, nehmen alle und alles auf die Schippe. Niemand rastet aus, nur die Muslime! Wegen Satire, man muss sich das mal vorstellen! Lächerlich!