Rede an die Nation

16. März 2011 10:54; Akt: 16.03.2011 14:36 Print

Kaiser Akihito ist «tief besorgt»

Der japanische Kaiser Akihito hat den Opfern des verheerenden Erdbebens sein Beileid ausgesprochen. Er wendet sich nur bei «nationalen Krisen» an sein Volk.

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Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

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Erstmals seit Beginn der verheerenden Atomkatastrophe in Japan hat sich Kaiser Akihito zu Wort gemeldet. Er sprach den Opfern des Erdbebens und des darauf folgenden Tsunamis sein Beileid aus und zeigte sich tief besorgt über die Krise in den Atomkraftwerken.

Die Probleme in den japanischen Atomreaktoren seien nicht vorhersehbar gewesen, sagte Kaiser Akihito am Mittwoch in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Er sei «zutiefst besorgt» angesichts der Ereignisse nach dem schweren Erdbeben, das von «noch nie gesehenem Ausmass» gewesen sei.

Der Kaiser rief die Japaner auf, nicht aufzugeben. «Wir wissen noch nicht genau die Zahl der Opfer, aber ich bete dafür, dass jeder Einzelne gerettet wird.» Durch den Tsunami, der dem Erdbeben folgte, wurden Tausende Menschen getötet. Zudem scheint die Lage in mehreren Kernreaktoren im Nordosten des Landes ausser Kontrolle zu geraten. Es ist bereits massiv Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt.

Worte des Mutes und der Hoffnung

Kaiser Akihito sagte in seiner kurzen Rede, er hoffe, sein Volk könne die Situation unter Kontrolle halten. «Menschen werden derzeit gezwungenermassen evakuiert, in der bitteren Kälte, ohne Wasser und Strom», sagte der Kaiser. Er bete dafür, dass die Rettungsarbeiten «rasch» gemacht werden und die Menschen trotz allem «ein besseres Leben haben werden». Gleichzeitig bedankte er sich bei den Rettern für ihren «unermüdlichen Einsatz».

Der japanische Kaiser sprach seinem Volk vor allem Mut zu. Er habe unzählige Kondolenzbotschaften aus dem Ausland erhalten, in denen der Opfer gedacht werde, sagte Akihito weiter. Er wolle es ihnen gleichtun und sein Volk bitten, die Hoffnung nicht aufzugeben.
(Video: APTN-Video)

Der Auftritt des Kaisers von Japan ist für sein Volk besonders bedeutsam. «Die Rolle von Kaiser Akihito ist eher mit der des Papstes vergleichbar», erklärt Japanologe David Putnam gegenüber 20 Minuten Online. Politische Machtkämpfe treten nun in den Hintergrund. Kaiser Akihito tritt mehrmals im Jahr auf, erklärt Putnam weiter, allerdings nur im Rahmen shintoistischer Zeremonien. Dabei winkt er zum Beispiel seinem Volk beim Neujahresgruss aus seinem Palast in Tokio zu. Schon alleine seine Präsenz stärkt das Nationalgefühl der Japaner.

(kle)