Naturkatastrophe in Japan

13. März 2011 15:41; Akt: 13.03.2011 20:00 Print

«Wäre ich ins Zentrum gerannt, wäre ich jetzt tot»

Der Tsunami hat die Küstenstadt Yamamoto zerstört. In den Trümmern suchen Menschen nach Angehörigen. Anderen ist die Flucht gelungen, weil sie an den richtigen Ort geflohen sind.

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Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

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Die Küstenstadt Yamamoto wurde von der Tsunami-Welle ganz besonders hart getroffen. 17 000 Menschen lebten in der Küstenstadt. Doch wo sich früher eine Stadt befunden habe, sehe man nur noch Schlamm, umgekippte Autos, und weggeschwemmte Häuser, schreibt die japanische Nachrichtenagentur «Kyodo News».

Angehörige suchen in den Trümmern nach Überlebenden. Die Eltern der 17-Jährigen Mizuki Kanno konnten aber nichts mehr für ihre Tochter tun. Aus einer E-Mail wussten sie, dass Mizuki während des Erdbebens in einem Minibus unterwegs gewesen war. Nachdem sie den Wagen mit dem Körper ihrer Tochter gefunden hatten, riefen sie um Hilfe: «Unsere Tochter ist hier drin. Holt sie schnell heraus». Ein lokaler Polizist vor Ort habe Eiji und Matsuko Kanno aber gesagt, man könne nichts tun, da «die Ausrüstung fehlt».

Flucht in höhere Gebiete

«Ich sah die Welle kommen und fing an zu rennen», erzählt ein 37-Jähriger Anwohner, der in einem Krankenhaus arbeitet, gegenüber «Kyodo News». Er habe zuerst ins Stadtzentrum rennen wollen, sich dann aber entschieden, in höhere Gebiete zu fliehen, nachdem er realisiert habe, dass das Zentrum tiefer liege: «Wäre ich ins Zentrum gerannt, wäre ich jetzt tot», sagte er.

Yoshiko Shoji berichtet, sie habe nur durch Glück überlebt. Die 72-Jährige sprang barfuss aus ihrem Haus, als sie die Erde rumoren hörte. Zusammen mit ihrem Eheman Toyji sei sie losgerannt, als sie den Tsunami auf sich zurollen sah. Die beiden hatten Glück und konnten in ein vorbeifahrendes Auto springen. Als sie sich umgedreht habe, sei die Welle nur noch zwei Meter hinter ihnen gewesen. Später habe die Polizei 200 bis 300 Tote an der Küste gefunden. «Es hätten mehr Menschen gerettet werden können, wenn die lokale Gemeinde bereits im Voraus entschieden hätte, wie man in so einer Situation vorgeht», so Shoji.

1000 Autos stehen vor Tankstelle Schlange

Der Schriftsteller Katsuhiko Takahashi, der Gewinner des renommierten Naoki-Literaturpreises, war wiederum froh um die Dienste des Radios. Nachdem die Elektrizität ausgefallen sei, habe er sich bei Kerzenschein am Lokalradio über die Situation informiert. Das habe ihn ermutigt, so Takahashi. Das Radio habe im Gegensatz zum Fernsehprogramm keine Hoffnungslosigkeit verbreitet.

In Sendai haben sich in der Zwischenzeit lange Schlangen vor Tankstellen und Supermärkten gebildet. Mehr als 1000 Menschen warteten vor dem Daiei Supermarkt, um einzukaufen und über 1000 Autos standen vor einer Tankstelle Schlange.

(ske)