Radioaktive Produkte

30. März 2011 23:06; Akt: 30.03.2011 23:18 Print

Streit um EU-Grenzwerte

Die EU hat höhere Grenzwerte für Radioaktivität in Lebensmitteln aus Japan in Kraft gesetzt. Nun versucht sie das mit technischen Argumenten zu verschleiern.

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Was die EU am Wochenende per Eilverordnung beschlossen hat, umschreibt ein Lebensmittelkontrolleur der Stadt Hamburg laut Foodwatch.ch so: «Für Produkte aus Japan – und nur für diese – gelten jetzt höhere Grenzwerte als vor dem Atomunfall.» Dies bedeute, so der Beamte, dass ein aus dieser Region importierter Pilz mit einer Belastung von 800 Becquerel pro Kilogramm zurzeit nicht beanstandet würde. «Vor Fukushima wäre er wegen Überschreitung des Grenzwertes von 600 Becquerel pro Kilogramm beanstandet worden», was auch weiterhin für Produkte aus allen anderen Regionen der Welt gelte. Die EU-Kommission verbreitete gestern ein rein technisches Dementi: «Wir haben keine Grenzwerte erhöht, sondern nur die Normen angepasst.»

Foodwatch-Chef Thilo Bode kritisierte das Verhalten der Behörden scharf: «Die EU hat mit ihrer Eilverordnung absurderweise einerseits die Sicherheitsstandards durch schärfere Kontrollmassnahmen erhöht, sie andererseits aber durch laschere Grenzwerte ohne Not abgesenkt.»

Die Höhe der neuen EU-Grenzwerte entspricht jenen, die in der Schweiz seit Jahren gelten. Doch diese sind aus Sicht des Greenpeace-Atomexperten Stefan Füglister «zum Teil viel zu hoch». Dies gelte besonders bei der Babynahrung: «Es gibt keine ungefährliche Strahlung. Umso unbegreiflicher ist es, dass die EU die Grenzwerte unnötig erhöht.»

(loo/20 Minuten)