ENSI-Experte

30. März 2011 14:47; Akt: 30.03.2011 17:10 Print

«Lage in Fukushima weiter kritisch»

Die Lage in Fukushima ist dramatisch. Laut Experten des Bundes kam es in drei Reaktoren teilweisen zu Kernschmelzen. Das Problem ist das kontaminierte Wasser.

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Hans Wanner, Direktor der Schweizer Nuklearaufsichtsbehörde ENSI
erklärte am Mittwoch die Lage in Fukushima habe sich stabilisiert. «Sie ist aber weiter kritisch». Es sei mittlerweile klar, dass in den Blöcken 1 bis 3 eine teilweise Kernschmelze stattgefunden habe. Zudem sei die innere Schutzhülle im Block 2 defekt, allenfalls auch in Block 3.

Die Stabilisierungsarbeiten seien weiter im Gang. Alle Blöcke würden von aussen mit Wasser gekühlt und hätten eine Versorgung mit Starkstrom und Licht, sagte Wanner gestützt auf Angaben des AKW-Betreibers Tepco. «Das Problem ist stark kontaminiertes Wasser in den Turbinengebäuden. Das muss man abpumpen, sonst können die Leute darin nicht arbeiten.» Wie das geschehen soll, sei aber nicht klar, zumalkeine ausreichenden Speicherkapazitäten für das abgepumpte Wasser zur Verfügung stünden. Lokal sei die Strahlenbelastung im Meer sehr hoch, 30 Kilometer von der Küste entfernt, seien aber noch keine erhöhten Werte gemessen worden.

Luft über der Schweiz unbedenklich

In der Schweiz wurden am Mittwoch durch die Luftwaffe erneut Messflüge wegen der Strahlenwolke durchgeführt. Das erklärte Werner Zeller, Leiter der Abteilung Strahlenschutz im Bundeamt für Gesundheit (BAG). Die Resultate der Messflüge der letzten Woche liegen alle vor. In der Höhe wurden dabei
Spuren von radioaktivem Jod gefunden. Mit 230 Mikrobecquerel pro Quadratmeter liege der Wert aber 10 000-fach unter dem Schweizer Immissionsgrenzwert. Messungen in den unteren Luftschichten hätten ebenfalls keine gesundheitsgefährdenden Strahlenwerte ergeben.

Bei den Importen von Nahrungsmitteln aus Japan hat die Schweiz die Kontrollen verschärft, wie Michael Beer vom BAG ausführte. Allerdings würden aus Japan nur sehr beschränkt Lebensmittel importiert. Der Zoll kontrolliere schwerpunktmässig frische und wenig verarbeitete Produkte. Eine erste Probe wurde am Dienstag ans BAG geliefert. Messresultate liegen noch keine vor.

(uwb)