Zerstörerischer Tsunami

21. März 2011 11:58; Akt: 21.03.2011 13:44 Print

Sake-Brauer will zerstörte Fabrik wieder aufbauen

von Jan Alabaster, AP - Langsam wird in Japan das desaströse Ausmass des Tsunami ersichtlich. Doch die Japaner lassen sich nicht unterkriegen - und denken an Wiederaufbau.

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Yasuhiko Konno steht vor der Ruine, die einst seine Sake-Brauerei war. Zwei Stockwerke hoch türmen sich die Trümmer, ein Betrieb mit jahrhundertealter Tradition -ausgelöscht binnen Sekunden.

Erstmals nach dem verheerenden Tsunami, der auch Konnos Heimatort Rikuzentakata zerstörte, ist er hierher zurückgekehrt, es dauert ein paar Sekunden, bis er den Anblick verarbeitet hat.

«Verantwortung weiter zu machen»

«Ich werde alles tun, um neu anzufangen und das Geschäft wieder zu starten», sagt er dann. Der Sake-Brauer ist ein angesehener Mann hier in der Stadt, Passanten, die in den Schuttmassen an ihm vorbeigehen, verbeugen sich vor dem 64-Jährigen. Sie blicken auf Männer wie ihn, wenn es um den Wiederaufbau der Stadt nach der Katastrophe geht.

Für Konno ist handgebrauter Sake, ein Reiswein, der als Getränk bei Hochzeiten, aber auch als Opfergabe für die Verstorbenen verwendet wird, Teil von Japans Kulturerbe. Er habe die Verantwortung, weiterzumachen, nicht zuletzt wegen seiner 67 Angestellten, von denen immer noch 11 vermisst werden.

«Wie eine Familie»

«Wir standen uns sehr nahe, in der Fabrik waren wir wie eine Familie», sagt Shizue Suzuki, die seit 37 Jahren für Konno arbeitet. Jetzt wohnt sie mit 1800 anderen Obdachlosen in einer Schule in der Nähe, wo sie als Freiwillige Kleidung sortiert und die Toiletten putzt. Sie sorgt sich, dass sie ohne ihre Arbeit in der Fabrik den Kredit für ihr erst fünf Jahre altes Haus nicht wird abbezahlen können. Ein Haus, das vom Tsunami weggeschwemmt worden ist.

Auch Konno hat sein Haus verloren und wohnt jetzt in einem Gemeindezentrum. Jeden Tag stoppt er bei den anderen Notlagern und fragt nach Neuigkeiten über die Vermissten.

Nur 20 Minuten Zeit

Nach dem Beben am 11. März hatte er seine Angestellten im Garten der Brauerei versammelt und sie losgeschickt, um nach ihren Häusern zu sehen. 20 Minuten später kam die Welle. «Ich hätte nie gedacht, dass ein Tsunami so weit kommen könnte», sagt er. Die Brauerei liegt zwei Kilometer von der Küste entfernt.

Der Brauer und seine Frau hatten gerade noch fliehen können, drei Angestellte, die noch etwas vom Sake dieses Jahres hatten retten wollen, brachten sich in letzter Sekunde mit einem Sprung auf einen Fels in Sicherheit.

Mehr als 200 Jahre Tradition

Die Sake-Brauerei Suisen, ein beurkundeter Kulturschatz der Präfektur Iwate, war aus mehreren kleinen Fabriken entstanden, einige von ihnen brauten seit mehr als 200 Jahren. Konno gewinnt mit seinem Sake auch immer wieder Preise.

Jetzt hängt der Geruch von vergorenem Reis in der Luft, die riesigen Lagertanks, die 50 Kubikmeter Sake fassen, liegen verstreut in der Nachbarschaft, einer sogar fünf Kilometer entfernt.

Konno stochert durch die Trümmer seiner Brauerei, entdeckt einige Sake-Flaschen, die unbeschädigt geblieben sind und freut sich über den Fund. Hundert Meter hinter ihm graben Feuerwehrmänner zur selben Zeit eine Leiche aus. Sie wickeln sie in eine Decke und tragen sie davon.