Fukushima-Daiichi

17. März 2011 16:37; Akt: 17.03.2011 16:37 Print

Die Lage im AKW am Nachmittag

Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist unverändert ernst. Kühlversuche blieben bis zum Nachmittag vergebens.

Hier ist eine animierte Zusammenfassung der Explosionen der Reaktoren in englischer Sprache zu sehen. Der Fernsehsender NHK berichtet live über die Geschehnisse in Japan. (Video: NHK)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Betreiberfirma Tepco versuchte eine Stromleitung anzulegen, um das Notkühlsystem wieder in Gang zu bringen. In vier der sechs Blöcke gibt es weiter gravierende Probleme mit der Kühlung des Reaktorkerns und der Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente. In zwei Abklingbecken droht eine Überhitzung mit Gefahr von weiteren Bränden und Freisetzung von Radioaktivität.

Der aktuelle Kenntnisstand nach Angaben aus Japan, des Bundesumweltministeriums und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA):

Block 1: Nach dem Ausfall der Kühlsysteme wurden im Reaktorkern offenbar Brennelemente beschädigt. Es bildete sich Wasserstoff und im Innern des Sicherheitsbehälters (Containment) entstand hoher Druck. Da das Innere des Sicherheitsbehälters mit Stickstoff gefüllt ist, kann der Wasserstoff nicht reagieren. Bei einer Druckentlastung gelangte der Wasserstoff jedoch in das äussere Reaktorgebäude, das am Samstag explodierte. Der Sicherheitsbehälter und der Reaktordruckbehälter sollen noch nicht beschädigt sein. Um den Reaktorkern zu kühlen, wurde boriertes Meerwasser in den Druckbehälter gepumpt. Möglicherweise ist es bereits zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. In dem Block könnte sich ein Leck gebildet haben, da erhöhte Strahlungswerte ausserhalb der Anlage gemeldet wurden. Möglicherweise sind 70 Prozent der Brennelemente beschädigt. Die Brennstäbe im Reaktordruckbehälter sollen auf 1,80 Meter frei liegen. Wie es mit den Elementen im Abklingbecken aussieht, ist nicht bekannt.

Block 2: Nach dem Ausfall der Kühlung lagen die Brennstäbe mindestens zwei Mal völlig frei. Es gab mehrfach Probleme, den Reaktorkern mit Meerwasser zu kühlen. Der Druck im Sicherheitsbehälter stieg deutlich an, er wurde mehrfach entlüftet, wobei Radioaktivität freigesetzt wurde. Am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) ereignete sich dennoch eine Explosion innerhalb des Sicherheitsbehälters. Nach verschiedenen Berichten wurde dabei die sogenannte Kondensationskammer innerhalb des Sicherheitsbehälters beschädigt. Auch ein Drittel der Brennelemente soll beschädigt sein. Die Brennstäbe im Reaktordruckbehälter liegen 1,40 Meter frei. Auch hier keine Informationen über den Zustand der Brennelemente im Lagerbecken.

Block 3: Auch bei diesem Block kam es zu einer Wasserstoffexplosion, als am Montag der Sicherheitsbehälter entlüftet wurde. Das Containment soll jedoch zunächst nicht beschädigt worden sein, allerdings entwich Radioaktivität. Der Reaktordruckbehälter wurde nach dem Ausfall der regulären Kühlsysteme mit Meerwasser gekühlt. Auch hier gibt es Berichte über eine Kernschmelze. Da am Mittwoch über dem Block eine radioaktive Dampffahne zu sehen war, vermutete die japanische Atombehörde eine schwere Beschädigung des Sicherheitsbehälters. Das Personal wurde vorübergehend abgezogen und kehrte später zurück, um wieder Wasser einzuspeisen. Auch im offenliegenden Lagerbecken verdampft Wasser, der Stand ist niedrig. Füllversuche mit Wasserwerfern und Hubschraubern mussten wegen der hohen Strahlenexposition unterbrochen werden.

Block 4: Dieser Block war zur Zeit der Naturkatastrophe wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet, die Brennelemente waren daher alle aus dem Druckbehälter in das Lagerbecken umgelagert. Am Dienstagmorgen brach genau in diesem Gebäudeteil ein Brand aus, der gelöscht werden konnte. Radioaktivität gelangte jedoch direkt in die Atmosphäre. In den Wänden des Reaktorgebäudes entstanden zwei circa acht Quadratmeter grosse Löcher. Am Mittwoch kam es zu einem weiteren Brand, wodurch das Dach der Reaktorhalle stark beschädigt wurde. Die Brennelemente im Lagerbecken sind vermutlich beschädigt. Zur Temperatur des Wassers, das am Mittwoch gekocht haben soll, gibt es keine neuen Angaben. Mit Hubschraubern und Wasserwerfer sollte versucht werden, den niedrigen Wasserstand wieder aufzufüllen.

Blöcke 5 und 6: Auch diese Blöcke waren zum Zeitpunkt des Erdbebens abgeschaltet. Dort soll auch der Wasserstand in den Abklingbecken sinken und die Temperatur steigen.

(ap)