Notausgänge

30. März 2011 12:09; Akt: 30.03.2011 12:25 Print

Für Fukushima bieten sich drei Lösungen an

Japan erwägt, drei beschädigte Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima mit Planen abdecken zu lassen. Die Experten haben noch zwei weitere Asse im Ärmel.

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Diese Bilder wurden am 20. und am 24. März 2011 aufgenommen... ... doch erst am 30. März veröffentlicht. Sie dokumentieren das Ausmass der Zerstörung. Geschossen hat die Bilder diese Drohne des Luftfotodienstes Air Photo Service. Aus anderer Perspektive: In sind der Reaktorkern und die Brennstäbe beschädigt. Die Kühlsysteme sind ausgefallen, der Sicherheitsbehälter ist aber intakt. Das Reaktorgebäude war von einer Wasserstoffexplosion schwer beschädigt worden. Seit dem 29. März wird Kühlwasser wieder mit Hilfe einer elektrischen Pumpe eingespeist. Seit 28. März steigt wieder weisser Rauch auf. Im (Mitte) vermuten die Experten ein Leck im Sicherheitsbehälter (Containment). Reaktorkern und Brennstäbe sind vermutlich beschädigt, das Reaktorgebäude hingegen weitgehend intakt. Das stark verstrahlte Wasser im benachbarten Turbinengebäude hatte vermutlich direkten Kontakt zu geschmolzenem Kernbrennstoff und trat anschliessend auf ungeklärte Weise aus. Seit 28. März steigt wieder weisser Rauch auf. Dieses Bild vom 24. März zeigt den zerstörten Reaktor 3. gilt als besonders gefährlich, weil er Brennstäbe mit Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) benutzt. Plutonium ist nicht nur radioaktiv, sondern auch hochgiftig. Auch in (rechts) sind Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt sowie die Kühlsysteme ausgefallen. Das Reaktorgebäude wurde durch eine Wasserstoffexplosion zerstört. Der Sicherheitsbehälter ist womöglich noch intakt. Reaktor 4 (links) und 3 am 24. März 2011. Im Kern von Block 4 waren zum Zeitpunkt des Erdbebens keine Brennstäbe.

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Der Plutonium-Austritt der letzten Tage, die «besorgniserregend» hohen Jod-Werte im Meer vor Fukushima und die extreme Strahlenbelastung rund um das AKW zwingen die japanische Regierung, aussergewöhnliche Massnahmen zu überprüfen, um die atomare Krise zu verhindern.

Laut einem Bericht der Zeitung «Asahi Shimbun» erwägen die Behörden, drei der sechs teilweise schwer beschädigten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima mit Planen abdecken zu lassen. Regierungssprecher Yukio Edano sagte dazu, die Regierung und Atomexperten dächten über «alle Lösungen» nach. Dabei könnten die Dächer und Mauern der Aussengebäude der Reaktoren 1, 3 und 4 des Atomwracks mit speziellen Planen abgedeckt werden. Über das Material der Planen machen die Experten keine Angaben.

Daniel Düsentrieb lässt grüssen

Doch in der Verzweiflung entstehen neue Ideen: Ein weiteres Projekt sieht demnach vor, ein Tankschiff im Pazifik vor dem AKW ankern zu lassen, um stark radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem Turbinengebäude und einem Tunnel nahe des Reaktors 2 abzupumpen.

Die dritte Möglichkeit dürfte auf den ersten Blick etwas schwieriger umsetzbar sein, wurde aber bereits erfolgreich bei Tschernobyl angewandt: Auch für Fukushima haben die Experten den Bau eines sogenannten Sarkophags in Planung. Dabei wird die gesamte Anlage mit einer Mischung aus Sand, Stahl und Beton zugedeckt. Diese Lösung ist für die Behörden die allerletzte Massnahme, denn sie bedeutet, dass das AKW nie mehr in Betrieb genommen werden könnte. Ausserdem ist es eine kurzfristige Beseitigung des Problems, weil damit gerechnet werden muss, dass zu einem späteren Zeitpunkt erneut Radioaktivität austritt.

Hilfe aus Frankreich

«Das ist für uns ein nie dagewesener Fall», sagt ein Regierungsmitglied verzweifelt. «Wir sind gezwungen, verschiedene Strategien in Betracht zu ziehen und unsere Ideen weiterzuspinnen, als wir es bisher taten.» Auch die Arbeiter in dem Katastrophen-Kernkraftwerk seien zunehmend ausgebrannt und ihre Angst vor dauerhaften Gesundheitsschäden wachse, meldet ein Manager einer Vertragsfirma des Betreibers Tepco.

Zwar gingen die Einsatzkräfte immer wieder in die zerstörten Reaktorblöcke, um die Reaktoren zu kühlen und einen Super-GAU zu verhindern, doch seien die Arbeiter angesichts der endlosen Schwierigkeiten zunehmend nervös. Man achte darauf, dass Tepco die Spezialisten nicht zu hohen Risiken aussetze, sagte der Manager, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Inzwischen erhält Japan Unterstützung vom französischen Atomkonzern Areva, der fünf Nuklear-Experten ins Krisengebiet schicken wird. Sie sollen die japanischen Arbeiter dabei unterstützen, das radioaktiv verseuchte Kühlwasser aus dem zerstörten Reaktorblock 1 herauszupumpen.

(kle)