Atom-Katastrophe

17. März 2011 17:13; Akt: 17.03.2011 17:15 Print

Extraflug holt Schweizer aus Japan raus

Ausländer flüchten in Scharen aus Japan. Für Schweizer wird am Sonntag extra ein Charterflug starten, andere zahlen für ein Ticket astronomische Summen.

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Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wollen wegen der drohenden Gefahr eines Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 das Land verlassen. Das EDA hat deswegen bei der Swiss für die kommenden drei Tage alle verfügbaren Sitzplätze gebucht und zudem einen Charter-Flug für kommenden Sonntag geplant.

Der Charter-Flug sollte von Japan in die Schweiz fliegen. Die Schweizer Botschaft in Tokio habe am Mittwoch in einem Mail darauf hingewiesen, dass man allen Schweizern im Nordosten Japans und im Grossraum Tokio/Yokohama empfehle, das Gebiet möglichst zu verlassen, schrieb das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Donnerstag in einer Stellungnahme.

Die Angeschriebenen seien zudem gebeten worden, der Botschaft mitzuteilen, ob Interesse an einem Charter-Flug bestehe. Aufgrund der Rückmeldungen habe die Botschaft dann die Sitzplätze organisiert.

1606 von 1890 Schweizern kontaktiert

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer Japan bereits verlassen haben, ist nicht genau bekannt. Einige seien abgereist, ohne vorher die Botschaft zu informieren. Wie EDA-Sprecher Adrian Sollberger weiter sagte, gelang es der Botschaft bis Donnerstag, 1606 der 1890 gemeldeten Schweizerinnen und Schweizer zu kontaktieren.

105 davon lebten im vom Erdbeben der Stärke 9,0 und dem anschliessenden Tsunami am Freitag hart getroffenen Nordosten Japans. Sieben davon hätten mit Bussen des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) nach Tokio gebracht werden können, für vier weitere habe man Plätze auf einem britischen Bus nach Tokio organisieren können, erklärte Sollberger.

Max Göldi in Japan

Unter den Schweizerinnen und Schweizern vor Ort ist auch Max Göldi. Die ehemalige Schweizer Geisel in Libyen ist einer der drei Schweizer Mitarbeiter der ABB vor Ort, wie ein Sprecher des Technologiekonzerns am Donnerstag bestätigte.

Göldi und Rachid Hamdani wurden im Juli 2008 vom libyschen Regime festgesetzt und erst nach 19 Monaten (Hamdani) bzw. nach 23 Monaten (Göldi) frei gelassen. Göldi musste in Libyen unter anderem vier Monate Haft absitzen.

Preisexplosion bei den Tickets

Immer mehr Ausländer aber auch Japaner wollen derzeit das Land verlassen. So haben die USA begonnen, ihre Landsleute auszufliegen, wie der US-Sender CNN berichtete. Auch Frankreich entsandte am Donnerstag zwei Maschinen für die Evakuierung ihrer Staatsbürger.

Tausende versuchten zudem einen Platz in einem Charter-Flug zu ergattern, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Folge: Die Preise für Tickets mit kleinen und mittelgrossen Jets seien in astronomische Höhen geschnellt.

Wegen des Bebens und des Tsunamis seien vielerorts die Grossflughäfen noch geschlossen. Zudem sei der Treibstoff knapp, begründet Reuters den Run auf kleine Flugzeuge. So habe Jackie Wu, ein Manager bei Hong Kong Jet, der Agentur von einer Anfrage für 14 Personen für einen Flug von Tokio nach Hongkong berichtet.

«Der Preis war ihnen egal - am Ende waren es mehr als 160 000 Dollar», sagt Wu. Ein Charter-Flug nach Australien koste derzeit rund 265 000 Dollar. Das sei 20 Prozent mehr als üblich.

(sda)