Wo man besser nicht lebt

23. März 2011 07:40; Akt: 23.03.2011 10:05 Print

Diese Regionen sind absolutes Sperrgebiet

Die Region um Fukushima könnte für längere Zeit unbewohnbar bleiben. Damit wäre sie nicht alleine. Eine Liste der verlorenen Landstriche.

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Was die Zukunft der Region um Fukushima betrifft, ist der Tenor der Experten: Man wird das lädierte Kraftwerk mit einer Betondecke überziehen, um die Strahlung einzuschliessen. Trotzdem dürfte die Umgebung des Atommeilers für lange Zeit unbewohnbar bleiben.

Fukushima reiht sich damit in eine Liste von Ortschaften auf der Welt, die nicht mehr bewohnbar sind. Oft waren Unfälle die Ursache, manchmal aber auch bewusste Entscheidungen.

Tschernobyl: Kernschmelze

Am vergleichbarsten mit dem Fukushima-Szenario wäre natürlich Tschernobyl in der Ukraine. Nachdem im dortigen Atomkraftwerk 1986 eine Kernschmelze eingesetzt hatte, wurde der Reaktor mit einem Betonmantel umgeben. 30 000 Kubikmeter kontaminierte Erde wurden abgetragen. Trotzdem ist die Gegend um das AKW noch auf Jahrzehnte hinaus verstrahlt und unbewohnbar. Je nach Quelle handelt es sich um 2400 bis 3900 Quadratkilometer. 350 000 bis 400 000 Menschen, vor allem aus der nahen Stadt Prypjat, sind seit der Katastrophe umgesiedelt worden.

Centralia: Feuer in der Erde

Ebenfalls mit der Energiegewinnung verbunden, jedoch ganz anderen Charakters ist die Katastrophe, die sich seit fast fünfzig Jahren im Städtchen Centralia im US-Bundesstaat Pennsylvania abspielt. 1962 brach in der unterirdischen Kohlemine neben der Bergbaustadt ein Feuer aus. Weil es Unsummen gekostet hätte, das Feuer im Bergwerk zu löschen, evakuierte die US-Regierung lieber das Städtchen.

Noch immer findet das Feuer in den riesigen Kohlevorräten genügend Nahrung, und so lodert es wohl noch 100 bis 300 Jahre lang in 60 Metern Tiefe auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern. Centralia, das einst 1000 Einwohner hatte, ist heute ein Geisterdorf. Noch leben dort rund ein Dutzend Bewohner, welche sich weder vom zersprungenen Asphalt vertreiben lassen wollen noch von der Tatsache, dass der Boden an einigen Stellen so heiss ist, dass Wasser verdampft.

Monserrat: Vulkanasche

Heiss wurde es auch 1997 in Monserrat, einer paradiesischen Karibikinsel. Nach über 400 Jahren Schlaf regte sich der Vulkan Soufrière Hills. Deshalb nahm ihn im ersten Moment kaum jemand ernst – bis das Magma floss. Ein grosser Teil der 5000 Einwohner wurde evakuiert. Noch heute sind mehr als zwei Drittel der 100 Quadratkilometer grossen Insel mit einer meterhohen Ascheschicht bedeckt. Seit ein paar Jahren wagen einige Bewohner im Norden eine Wiederbesiedlung.

Ungarn: Roter Schlamm

Noch nicht lange her ist der «Schlammtsunami» im Westen Ungarns. Im vergangenen Oktober brach der Staudamm eines Auffangbeckens für giftigen Rotschlamm bei einem Aluminiumwerk in Ajka. Die tödliche Lawine überrollte einige Dörfer. Vier Menschen kamen ums Leben, über Hundert wurden verletzt. Die besonders betroffenen Ortschaften Kolontar, Devecser und Somlavasarhely wurden so schwer getroffen, dass sie wohl auf Dauer verlassen bleiben. «Hier kann man nicht mehr leben», sagte der ungarische Präsident Viktor Orban bei einer Besichtigung.

Otzenrath: Gerichtsentscheid

Kein Unfall, sondern ein gerichtlicher Entscheid ist dafür verantwortlich, dass das rheinländische Dorf Otzenrath zwischen 2004 und 2006 plattgemacht wurde. Die Dorfbewohner, die auf Braunkohle lebten, mussten ihre Partikulärinteressen der allgemeinen Energiesucht unterordnen. Wo einst Kirche und Schule in Otzenrath standen, schaufeln heute Grossbagger nach Braunkohle. Wenn der Bodenschatz einst abgebaut sein wird, soll das Gelände aufgeforstet werden.

(job)