Katastrophe in Japan

04. Juni 2011 11:46; Akt: 04.06.2011 11:54 Print

Radioaktivität klettert auf Rekordhöhe

Im zerstörten AKW Fukushima steigt die radioaktive Strahlung. Wie der Betreiber Tepco mitteilte, wurde im Reaktorgehäuse von Block 1 eine Strahlenhöhe von bis zu 4000 Millisievert pro Stunde gemessen.

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Diese Bilder wurden am 20. und am 24. März 2011 aufgenommen... ... doch erst am 30. März veröffentlicht. Sie dokumentieren das Ausmass der Zerstörung. Geschossen hat die Bilder diese Drohne des Luftfotodienstes Air Photo Service. Aus anderer Perspektive: In sind der Reaktorkern und die Brennstäbe beschädigt. Die Kühlsysteme sind ausgefallen, der Sicherheitsbehälter ist aber intakt. Das Reaktorgebäude war von einer Wasserstoffexplosion schwer beschädigt worden. Seit dem 29. März wird Kühlwasser wieder mit Hilfe einer elektrischen Pumpe eingespeist. Seit 28. März steigt wieder weisser Rauch auf. Im (Mitte) vermuten die Experten ein Leck im Sicherheitsbehälter (Containment). Reaktorkern und Brennstäbe sind vermutlich beschädigt, das Reaktorgebäude hingegen weitgehend intakt. Das stark verstrahlte Wasser im benachbarten Turbinengebäude hatte vermutlich direkten Kontakt zu geschmolzenem Kernbrennstoff und trat anschliessend auf ungeklärte Weise aus. Seit 28. März steigt wieder weisser Rauch auf. Dieses Bild vom 24. März zeigt den zerstörten Reaktor 3. gilt als besonders gefährlich, weil er Brennstäbe mit Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) benutzt. Plutonium ist nicht nur radioaktiv, sondern auch hochgiftig. Auch in (rechts) sind Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt sowie die Kühlsysteme ausgefallen. Das Reaktorgebäude wurde durch eine Wasserstoffexplosion zerstört. Der Sicherheitsbehälter ist womöglich noch intakt. Reaktor 4 (links) und 3 am 24. März 2011. Im Kern von Block 4 waren zum Zeitpunkt des Erdbebens keine Brennstäbe.

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Der Wert von 4000 Millisievert pro Stunde sei die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in dem zerstörten AKW. Die hohe Strahlung hatte ein Roboter in der südöstlichen Ecke des Gebäude gemessen, zitierte die Agentur Kyodo den AKW-Betreiber.

Aus einer Öffnung im Boden für ein Rohr, das durchs Gebäude führt, sei Dampf ausgetreten. Das Rohr selbst sei aber unbeschädigt. Der Dampf scheint aus dem Druckkessel zu kommen, wo sich Kühlwasser angesammelt haben soll. Genaueres wollte Tepco prüfen.

Die Messdaten bedeuten, dass die Arbeiter innerhalb von nur vier Minuten der höchsten zulässigen Strahlendosis von 250 Millisievert pro Jahr ausgesetzt wären. Tepco beabsichtigt jedoch nach eigenen Angaben nicht, in dem Gebiet seine Leute arbeiten zu lassen.

Grenzwert erhöht

Man werde die weitere Entwicklung genau beobachten. Die japanische Regierung hatte den Grenzwert für die maximal erlaubte Strahlenbelastung für Arbeiter in Atomkraftwerken im Zuge der Katastrophe erhöht. Statt 100 gelten seitdem 250 Millisievert pro Jahr.

Tepco hatte am Vortag zudem mitgeteilt, dass mehr als 100 000 Tonnen hochgradig radioaktiv verseuchten Wassers in der Atomruine schwappen. Der Konzern fürchtet angesichts der nahenden Regenzeit, dass die Brühe überlaufen könnte.

Am Samstag wurden die ersten Spezialtanks für die Lagerung von radioaktiv verstrahltem Wasser erwartet. Bis August sollen nach Angaben von Kraftwerksbetreiber Tepco 370 Tanks geliefert werden. Insgesamt könnten dann 40 000 Tonnen verseuchtes Wasser gelagert werden.

Die vorläufigen Tanks mit radioaktivem Wasser aus den beschädigten Reaktoren drohen überzulaufen. Spätestens am 20. Juni sei die Kapazität erschöpft, bei starken Regenfällen sogar schon früher, teilte Tepco mit.

(ap)