Erdbeben in Japan

14. März 2011 11:04; Akt: 14.03.2011 13:31 Print

Opferzahl steigt - Explosion in Fukushima

Eine zweite Explosion im havarierten Atomkraftwerk Fukushima und Explosionsgefahr in einem weiteren Reaktorblock, ein Kurseinbruch an der Tokioter Börse und erschütternde Bilder von Aufräum- und Bergungsarbeiten haben den dritten Tag nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan geprägt.

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Nach einem starken Nachbeben wurde am 8. April 2011 im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa ein Wasserleck entdeckt. Das Wasser stammt aus dem Becken der Reaktoren 1 und 2, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden. Rund um den Reaktor sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden. Der Meiler ist seit dem verheerenden Erdbeben vom 11. März abgeschaltet. Am 12. März 2011 ruft Japan den atomaren Notstand aus: Im Atomkraftwerk Fukushima 1 kam es möglicherweise zu einer Kernschmelze. Nach Angaben eines Experten des Geologischen Instituts der USA war das Beben vor der Küste Japans das stärkste in der Region seit beinahe 1200 Jahren. Natori City im Nordosten Japans nach der verheerenden Katastrophe. Zerstörte Häuser in Iwaki, nachdem die Tsunami-Welle über die Küste gefegt war. Häuser und Autos wurden durch die Monsterwelle in Kesennuma ins Meer getrieben. In Sendai wurde ein Grossteil des Flughafens überflutet, Autos und Flugzeuge wurden mitgerissen. In Tokio kam es am Abend zum Verkehrschaos. Gestrandete Personen ruhen sich in einer Hotellobby in Tokio aus. Züge und U-Bahnen waren nach dem Erdbeben in der Metropole ausser Betrieb. Eine Strasse in Yakubi wurde durch das Erdbeben massiv zerstört, Autos wurden mitgerissen. Die Tsunami-Welle schüttete den Flughafen von Sendai zu grossen Teilen zu. Die Häuser in der Nähe des Flughafens hielten der gewaltigen Flut nicht stand. Auch Natori City wurde vom Tsunami stark getroffen. Durch das Erdbeben geriet in Ichihara eine Ölraffinerie in Brand. Der Tsunami hat am 11. März 2011 nach einem heftigen Erdbeben der Stärke 8,9 die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu getroffen. Durch den anschliessenden Tsunami wurden Autos, Schiffe und Häuser weggeschwemmt. In Sendai, im Osten Japans, überrollte die Tsunami-Welle ganze Häuserzeilen. Hier verschlingt die Tsunami-Welle Sendai. Ganze Landstriche - wie hier in Sendai - wurden von der massiven Welle überflutet. Durch den gewaltigen Tsunami kippten in Hachinohe City Schiffe, zahlreiche Autos wurden durch die Strassen gespült. In Mito City erdrückte eine eingestürzte Mauer dutzende Autos. Besorgte japanische Touristinnen verfolgen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul über einen Bildschirm die Ereignisse in ihrer Heimat. Eine Frau telefoniert auf den Strassen Tokios, nachdem Bürogebäude im Finanzdistrikt von Japans Hauptstadt evakuiert wurden. Das schwerste Erdbeben seit 140 Jahren hat massive Zerstörung über das Land gebracht. Hier eine Aufnahme aus Soma, Fukushima, im Norden Japans. In Tokios Finanzdistrikt haben sich Notfallteams aufgestellt. Aufnahmen aus der Region Fukushima, rund 200 Kilometer nördlich von Tokio, zeigen das Ausmass der gewaltigen Flutwelle. In Sendai stehen nach dem Erdbeben Gebäude in Flammen. Ein Tsunami hat am 11. März 2011 nach einem heftigen Erdbeben der Stärke 8,9 die Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu getroffen. In einer Hafenstadt wurden Autos, Schiffe und Häuser weggeschwemmt. Von einem Helikopter aus wurde der Tsunami gefilmt, der in der Provinz Niata in der Nähe der Stadt Sendai auf Land traf. Der Tsunami führte zahlreiche Trümmer mit. Darunter auch Autos und Schiffe. Sogar Feuer wurden mitgeschwemmt. Kurz darauf rollte bereits ein weiterer Tsunami heran. Nach dem sehr schweren Erdbeben war auch die Millionen-Metropole Tokio betroffen. Eine schwarze Rauchsäule stieg auf. In Ichihara ist ein Treibstofflager in Flammen aufgegangen. Das japanische Parlament in Tokio tagte gerade, als die Erde bebte. Premierminister Naoto Kan (Mitte vorne) war auch dabei. Reporter der Associated Press in Tokio gehen während des Erdbebens in Deckung. Pendler in Tokio gehen zu Fuss entlang den Geleisen.

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Die Ereignisse in Japan überschlagen sich. Auch im Reaktor 2 des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 sank das Kühlwasser zwischenzeitlich ab - nach Angaben der Betreiberfirma Tepco wurde mit der Einleitung von Meerwasser eine Überhitzung zunächst verhindert.

Am Montag war das AKW in Fukushima von einer zweiten Explosion - diesmal in Reaktor 3 - erschüttert worden. Diese zerstörte das Gebäude um den Reaktor. Der Kernmantel soll aber nicht beschädigt worden sein.

Im Umfeld der Anlage wurde gemäss der Regierung keine erhöhte Radioaktivität gemessen. Bei der Explosion handelte es sich um eine Wasserstoffexplosion, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Eine solche Detonation hatte es bereits am Samstag im Reaktor 1 gegeben.

US-Flugzeugträger dreht ab

Medien berichteten von einer möglichen Wolke aus radioaktiver Strahlung, die der Wind hinaus auf den Pazifik trage. Dort brach der US-Flugzeugträger Ronald Reagan seinen Hilfseinsatz ab, wie Kyodo meldete.

Die «New York Times» nannte die Gefahr durch eine Strahlenwolke als Grund. Mehrere Crewmitglieder seien bereits verstrahlt worden.

Ausfälle in sechs Reaktoren

Insgesamt funktionieren nun in drei japanischen AKW die Kühlsysteme nicht. Am gefährlichsten ist die Lage in Fukushima 1. Dort sind in drei Reaktorblöcken die Kühlsysteme ausgefallen.

In den Reaktor Nummer 1 pumpen Experten bereits seit Samstag ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure. Damit soll eine Kernschmelze verhindert werden. Nach wie vor gibt es widersprüchliche Angaben über den Zustand der Reaktoren und ob Kernschmelzen eingesetzt haben.

Daneben gibt es auch Probleme mit der Kühlung im rund zwölf Kilometer entfernten AKW Fukushima Zwei. Dort arbeiten Experten an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Bisher habe man bei keinem der vier Reaktoren Druck abgelassen, teilten die Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit.

Zudem versagte im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) eine Pumpe für das Kühlsystem. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Dennoch schloss die japanische Atomaufsicht am Montag eine Katastrophe wie vor 25 Jahren im ukrainischen Tschernobyl aus.

Offiziell jetzt 5000 Tote

Das Beben vom Freitag mit einer Stärke von 9,0 hatte auch einen Tsunami ausgelöst. Bei der Katastrophe starben gemäss jüngsten offiziellen Angaben mindestens 5000 Menschen. In der Präfektur Miyagi entdeckten Rettungskräfte zuletzt etwa 2000 Leichen, wie der Sender NHK unter Berufung auf die Polizei berichtete.

Die Behörden fürchten einen weiteren Anstieg der Opferzahl. Allein in der Präfektur Miyagi werden über 10 000 Menschen vermisst. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, schwand. Bergungstrupps fanden oft nur noch Tote in den Trümmern.

Die Überlebenden wiederum haben alles verloren. «Die Menschen überleben mit nur wenig Lebensmitteln und Wasser», sagte ein Beamter der Präfektur Iwata, eine der drei am härtesten getroffenen.

«Wir bekommen nur zehn Prozent von dem, was wir (von der Regierung) erbeten haben. Wir sind aber geduldig, weil alle im Bebengebiet leiden.» Zu den knappen Gütern gehörten auch Leichensäcke und Särge.

Hamsterkäufe

Die Japaner wurden zudem auch am Montag durch zahlreiche Nachbeben aufgeschreckt. So bebte am Vormittag (Ortszeit) die Erde der Hauptinsel Honshu mit einer Stärke von 6,3. In Tokio kam darauf der Bahnverkehr weitgehend zum Erliegen.

Die Menschen deckten sich mit Lebensmitteln ein. Vor den Supermärkten bildeten sich lange Schlangen. Zugleich wirkten grosse Teile Tokios leer. Wegen der Störfälle in AKW wurde der Stromverbrauch gedrosselt: Viele Häuser waren deswegen ohne Licht.

Die Regierung sagte aber eine zunächst verhängte Stromsperre für Tokio wieder ab und rief die Bürger stattdessen zum Stromsparen auf. Auch die Versorgung mit Treibstoff wurde problematisch. Vielerorts war die Tankstellen ausverkauft.

Wirtschaft im Schock

Welche Folgen die Katastrophe für die krisengeschüttelte japanische Wirtschaft hat, war noch nicht abzusehen. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse geht von Schäden in Höhe von bis zu 180 Milliarden Dollar aus.

Die Börse in Tokio zeigte sich zu Beginn des Handels jedoch zutiefst beunruhigt. Der Nikkei-Index fiel um 6,2 Prozent auf 9620 Zähler. Die japanische Zentralbank pumpte 15 Billionen Yen (132 Milliarden Franken) in die Geldmärkte.

(sda)