Lebensgefahr in Japan

22. März 2011 15:33; Akt: 22.03.2011 15:42 Print

Helden wurden zur Arbeit gezwungen

Sie wurden als Helden gefeiert, die Feuerwehrleute, welche die havarierten Reaktoren kühlten. Doch jetzt zeigt sich: Ganz so freiwillig war ihr Einsatz nicht.

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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wirft in ihrem Bericht über den Atomunfall in Fukushima der japanischen Regierung vor, die Gefahr von Tsunamis unterschätzt zu haben. Am gehen heftige Unwetter über dem Katastrophengebiet in Japan nieder. Die Strahlenmesswerte bei den havarierten Reaktoren von Fukushima sind viel zu hoch. Die Cäsium-134-Konzentration ist alarmierend. Die Tepco veröffentlicht im Mai weitere Bilder aus dem Innern des AKW Fukushima. Wie am bekannt wurde, sind zwei weitere Kernschmelzen in den Unglücksreaktoren eingetreten. Nach der Entdeckung von rund 3000 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima soll ein gigantisches Schiff als Auffangbecken dienen. Am wird das Katastrophengebiet rund um Fukushima von einem neuen Beben heimgesucht. Doch nachdem die Regierung schliesslich offiziell den Evakuierungsradius um das Atomkraftwerk Fukushima von 10 auf 20 Kilometer ausweitete, machten sich Tausende Japaner auf die Flucht. Arbeiter wagen sich zum ersten Mal seit dem Erdbeben in den Unglücksreaktor 1 des AKW Fukushima. Tepco gibt bekannt, dass eine Arbeiterin im Atomkraftwerk Fukushima eine zu hohe Strahlendosis abbekommen hat. Arbeiter räumen das Gelände um das AKW mit ferngesteuerten Maschinen. Roboter haben in zwei Reaktorblöcken des japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi hohe Radioaktivität gemessen. Das Mineral Zeolith soll Radioaktivität aus dem verseuchten Meerwasser absorbieren. Die EU-Kommission lässt die Staaten künftig alle Schiffe aus Japan auf radioaktive Strahlung untersuchen. Auf dem Gelände des schwer beschädigten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi brach ein Feuer aus. Betreiber Tepco erklärte, das Feuer in der Nähe von Reaktor 4 sei klein gewesen und rasch gelöscht worden. Es habe keine Auswirkungen auf die Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren gehabt. Gleichzeitig stuft Japan das Atomunglück von Fukushima nun offiziell als ebenso schwer ein wie das Reaktorunglück in Tschernobyl - auf der höchsten Stufe 7. Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt worden sei. In der Atomruine von Fukushima kämpften die Arbeiter weiterhin gegen den drohenden Super-GAU. Sie begannen damit, eine Barriere aus Stahlplatten zu errichten. Damit soll verhindert werden, dass stark radioaktiver Schlamm sich im Meer ausbreitet. Neue Bilder zeigen, mit welcher Gewalt die Tsunami-Welle das AKW traf. Das Atomkraftwerk war beim Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami schwer beschädigt worden. Der Eingangsbereich der Tepco wird von der Welle komplett zerstört. Ähnlich sieht es in den Büroräumen aus. Nach dem tagelangen Auslaufen von stark radioaktiv verseuchtem Wasser ist das Leck an einer Leitung des japanischen Atomkraftwerks Fukushima endlich behoben worden. Dieses Bild wurde vor den Reparaturarbeiten gemacht: Durch den Riss waren in den letzten Tagen grosse Mengen radioaktiv verseuchten Wassers ins Meer gelaufen. Das Wasser stammte von den Kühlarbeiten am Reaktordruckbehälter, das sich im Untergeschoss des an den Reaktor angrenzenden Turbinengebäudes gesammelt hatte. Im AKW Fukushima-Daiichi wird weiter radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Nach Ansicht von US-Experten stellt dies jedoch keine grosse Gefahr für Meerestiere dar. Weil die Radioaktivität sehr schnell im Ozean verdünnt werde, sei auch der Verzehr von Meerestieren wenig bedenklich. : Zwei Arbeiter des AKWs Fukushima werden tot aufgefunden. Sie waren Opfer des Tsunamis. Mit einer schwimmenden Insel soll das auslaufende, radioaktive Wasser wieder eingefangen werden. : Die Lage im AKW Fukushima verschlimmert sich: Aus dem AKW läuft radioaktives Wasser ins Meer. Der Riss in Reaktor 2 soll 20 Zentimeter lang sein. Ein Tepco-Mitarbeiter zeigt auf die Stelle. Arbeiter in Fukushima putzen ein US-Schiff. Mit dem Boot wurde sauberes Süsswasser nach Fukushima transportiert, dass zur Kühlung der Reaktorblöcke eingesetzt wird. Nach eigenen Strahlungsmessungen im Umkreis des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine Evakuierung der gesamten Region empfohlen. Ein Mitarbeiter des Organisation misst in der Stadt Iitate einen Wert von 7.66 Mikrosievert. «Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher, in Iitate zu bleiben, vor allem für Kinder und schwangere Frauen. Sie könnten die maximal zulässige jährliche Strahlendosis in nur wenigen Tagen abbekommen», sagt Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace. Im Meerwasser vor dem Unglücksreaktor wurde eine sehr hohe Konzentration von radioaktivem Jod entdeckt. Die Radioaktivität habe das 3355-Fache des zulässigen Wertes erreicht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Tepco-Chef Masataka Shimizu musste wegen Bluthochdrucks und Schwindelgefühls ins Spital gebracht werden. Shimizu ist zwei Tage nach der Katastrophe von der Bildfläche verschwunden. Aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi tritt offenbar weiterhin hochgiftiges Plutonium aus. Das Schwermetall sickert ins Erdreich ein. In Reaktor 2 hat es nach Einschätzung der japanischen Regierung eine vorübergehende teilweise Kernschmelze gegeben. Reaktor 3 ist schwer beschädigt. Die Strahlung in Reaktorblock 2 ist zudem zehn Millionen Mal höher als normal. Die Messarbeiten wurden abgebrochen und die Arbeiter abgezogen. Die Szene ist apokalyptisch: Die japanischen Selbstverteidungskräfte haben am 23. März um 12.55 Uhr eine Stunde lang einen Helikopterflug über dem havarierten AKW Fukushima gemacht. Beim Reaktor 2 steigt Wasserdampf aus einer Öffnung. Der fünfminütige Zusammenschnitt wurde am 25. März im japanischen Staatsfernsehen NHK gezeigt. Es ist das erste Mal, dass die Selbstverteidungskräfte Bilder des AKW Fukushima veröffentlichten. In Block 3 der Anlage «könnte etwas beschädigt worden sein». Daten deuteten darauf hin, dass «gewisse Funktionen der Sicherheitshülle» noch erhalten seien. Im benachbarten Turbinengebäude des Reaktorblocks 3 waren drei Arbeiter einer 10 000fach erhöhten Radioaktivität ausgesetzt gewesen. Dies deutet entweder auf eine partielle Kernschmelze mit einer Beschädigung des Reaktorbehälters hin oder auf eine Überhitzung des Abklingbeckens für abgebrannte Kernbrennstäbe. Der Schaden könnte auch an anderen Teilen entstanden sein, etwa an Rohrleitungen ... ... oder dem Abklingbecken, erklärten Behördenvertreter. Drei Techniker, die im AKW Fukushima verstrahlt worden sind, standen bei ihrem Einsatz in Wasser, das nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco eine zehntausendfach erhöhte Radioaktivität aufwies. Zwei der drei Arbeiter wurden mit Verbrennungen in eine Spezialklinik eingeliefert. Die Männer hatten im Tiefgeschoss eines Turbinengebäudes von Block 3 gearbeitet. Dabei hatten sie keine Schutzstiefel an, so dass ihnen das radioaktiv belastete Wasser in die Schuhe lief. Das Video entstand gut 40 Minuten, nachdem die Welle auf Land getroffen war. Neben dem beschädigten Kraftwerk sind die Auswirkungen der Naturkatastrophe in der Präfektur Miyagi zu sehen. Ein Regionalbüro des japanischen Transportministerium hat die Bilder am 23. März veröffentlicht. Während Arbeiter versuchen, die Stromversorgung in allen Reaktoren des schwer beschädigten Atomkraftwerks Fukushima wieder herzustellen, wird die japanische Bevölkerung zum Spenden aufgerufen. Dieses Mädchen dürfte sich allerdings kaum bewusst sein, dem japanischen Sumo-Grossmeister Hakuho gegenüberzustehen. Abgefülltes Trinkwasser wird langsam, aber sicher knapp: Die Bevölkerung getraut sich nicht mehr, Leitungswasser zu trinken. Einblicke in den zentralen Kontrollraum des AKWs Fukushima I. Diese Fotos wurden am 23. März veröffentlicht. Offenbar geht nicht mehr viel. Die Arbeiter hantieren mit Taschenlampen. Die Bilder zeigen, unter was für schwierigen Bedingungen gearbeitet werden muss. Der Besitzer eines Tierladens in der japanischen Grossstadt Sendai bringt einen Schweinswal in Sicherheit. Er schwamm seit dem Tsunami in einem Reisfeld. Die Mitarbeiter des Kontrollraums von Reaktor 3 sind in Sicherheit gebracht worden. Derzeit versuchen die Rettungskräfte, die Reaktoren und verbrauchten Brennstäbe zu kühlen. Über Reaktor 3 des AKW von Fukushima stieg schwarzer Rauch auf. Im Atomkraftwerk Fukushima 1 droht immer noch eine Kernschmelze. Die aus den beschädigten Reaktoren austretende radioaktive Strahlung erschwert zunehmend das Krisen-Management der Betreibergesellschaft Tepco. Kleinkinder und Säuglinge sollen in Tokio kein Leitungswasser mehr trinken. Im Wasser seien erhöhte Werte von radioaktivem Jod festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Stadtregierung. Zudem ordnete Ministerpräsident Naoto Kan einen Lieferstopp für Broccoli und das japanische Gemüse Komatsuna aus der Region Fukushima sowie für Rohmilch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki an. Alle sechs Meiler des Atomkraftwerks haben zum ersten Mal seit der Erdbeben-Katastrophe vor eineinhalb Wochen wieder eine Verbindung zum Stromnetz. Doch wirklich entspannt ist die Lage nicht. Die zwei beschädigten Atomkraftwerke in Fukushima sind nach Angaben des Betreibers von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten. Nach Angaben von Tepco sei die Anlage Fukushima 1 auf einen Tsunami von 5,70 Metern ausgelegt worden, ... ... Nummer 2 für eine Höhe von 5,20 Metern. Aus Block 3 ist erneut weisser Rauch ausgetreten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo stieg zudem über Block 2 weisser Dampf aus. Die Einsatzkräfte und Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Aus den Reaktoren 2 und 3 beim AKW Fukushima I ist Rauch ausgetreten. Die Ursache blieb unklar. Die austretende Radioaktivität belastet zunehmend die Landwirtschaft in der Umgebung des beschädigten Atomkraftwerks. Die japanischen Behörden riefen Bauern und Molkereien der Region dazu auf, freiwillig darauf zu verzichten, verstrahlte Lebensmittel und Milch in den Handel zu bringen. Bei Spinat aus der Stadt Hitachi, mehr als 100 Kilometer südlich des Atomkraftwerks, wurde in einem Fall ein Jod-131-Wert von 54 000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt. Bei Cäsium wurden 1931 Becquerel gemessen. Panzer in Fukushima. Sie sollen am Montag dabei helfen, Trümmer beim AKW wegzuräumen. Die Trümmer beim AKW (Bild vom 18. März) stehen der Feuerwehr im Weg und behindern sie beim Löscheinsatz. Pressekonferenz der Feuerwehr: Hauptmann Yasuo Sato (Mitte) mit Toyohiko Tomioka (links), dem Führer der 6. Einsatzgruppe, und Yukio Takayama, der die 8. Einsatzgruppe befehligt. (19. März, Abend) Feuerwehrmänner riskieren ihr Leben, um den hochgefährlichen Plutoniumreaktor 3 des AKW Fukushima 1 zu kühlen. Die Feuerwehr bei ihrem Einsatz zur Kühlung des Reaktors 3. Die Feuerwehrleute unterwegs zu ihrem gefährlichen Auftrag. Mit ähnlichen Löschfahrzeugen wie diesem der japanischen Armee sprühen die Feuerwehrmänner Wasser auf die Reaktoren. Satellitenaufnahme des havarierten Atomkraftwerks vom 18. März. Das japanische Wissenschaftsministerium hat die neuesten Messwerte aus der Nähe der Sperrzone veröffentlicht. 30 Kilometer nordwestlich von Fukushima I sind Strahlenwerte von bis zu 140 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Ein Astronaut im Weltraum nimmt (nur) 10 Mikrosievert pro Stunde auf. Aus einem der beschädigten Reaktoren im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi steigt weisser Rauch auf. Auf zwei Arten versuchen Techniker den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima zu verhindern: Bei den Blöcken 1 und 2 soll eine neu verlegte Stromleitung das Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Die Reaktoren 3 und 4 werden mit Wasserwerfern von aussen gekühlt. Ein Video vom Flug über das havarierte AKW Fukushima I zeigt inzwischen das Ausmass der Zerstörung. Das Video wurde an Bord eines Helikopters gemacht und am 17. März 2011 von der japanischen Zeitung «Asahi Shinbun» im Internet veröffentlicht. Dabei besonders beeindruckend: Im Block 4 liegt das Atom-Becken völlig frei. Ein hoher Vertreter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Graham Andrew, bestätigte in Wien, die Lage sei weiter «sehr ernst». Brennstäbe in zwei Reaktoren seien nur zur Hälfte mit Wasser bedeckt, ... ... in einem dritten nur zu einem Drittel. Ein Helikopter des Typs Chinook CH-47 lädt Meerwasser, um es über dem AKW abzuwerfen. Am Morgen haben die japanischen Streitkräfte vor allem versucht, Reaktor 3 zu kühlen. Dieser Mann weint vor den Trümmern seines Hauses in Onagawa. Der Leichnam seiner Mutter liegt noch unter dem Schutt begraben. 50 Techniker kämpfen im AKW Fukushima 1 gegen den Super-Gau. Ihren Einsatz, für den sie als Helden gefeiert werden, dürften sie mit ihrem Leben bezahlen. Der Versuch mit Wasserabwürfen von einem Helikopter aus Reaktor 3 zu kühlen, musste abgebrochen werden. Sowohl Reaktor 4 als auch Reaktor 3 hatten zuvor Feuer gefangen. Zudem wurde in Block 3 womöglich die wichtige innere Reaktorhülle beschädigt. Dieses von der Betreiberin Tepco veröffentlichte Bild zeigt auch ein grosses Loch in der Aussenhülle von Reaktor 4. Das Fernsehen zeigte Bilder, wie stundenlang eine dichte weisse Rauchwolke von der Anlage aufstieg. Die Radioaktivität ist im Kontrollraum von Reaktor 4 des AKW Fukushima 1 offenbar so hoch, dass dort nicht mehr normal gearbeitet werden kann. Die französische Nuklearsicherheitsbehörde stuft die atomare Katastrophe in Fukushima inzwischen mit der Stärke 6 ein. Insgesamt gibt es 7. Die Katastrophe von Tschernobyl hatte auf der Skala die Stufe 7 erreicht. In der Nähe von Tokio stieg die radioaktive Belastung auf das zehnfache Niveau der üblichen Strahlung. Zudem hat der Wind nach Südwesten gedreht: Die radioaktive Wolke treibt nicht mehr aufs offene Meer, sondern aufs Festland. Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, dass in Reaktor 4 der Atomanlage ein Feuer ausgebrochen sei, dort sei zudem eine «deutlich erhöhte» Radioaktivität gemessen worden. Gleichzeitig rief er einen Strahlungsalarm aus. Seine Regierung warnte vor einer «Gesundheitsgefährdung» und ... ... forderte Menschen ausserhalb der evakuierten Zone bis zu einem Umkreis von 30 Kilometern auf, in ihren Häusern zu bleiben. Der Kampf um das Atomkraftwerk Fukushima I hält die Welt in Atem: In drei Reaktoren droht eine Kernschmelze. Laut japanischer Regierung soll, wie bereits zwei Tage zuvor, Wasserstoff explodiert sein. Im Block 2 ragten die Brennstäbe am Abend aus dem Wasser heraus, nachdem es zu Problemen mit einem Ventil gekommen war. Probleme mit der Kühlung gibt es auch im rund zwölf Kilometer entfernten AKW Fukushima II. Am Haupttor des AKW wird eine erhöhte Radioaktivität von 3130 Mikrosievert gemessen. Dies sei doppelt so hoch wie der zuvor gemessene Höchstwert. Deshalb werden die Menschen im Umkreis von 20 Kilometern auf Verstrahlung überprüft. Die Regierung liess Jod-Tabletten verteilen, die die Folgen einer Verstrahlung mildern können. Anwohner kommen zu einer provisorischen Strahlenmessstation in der Stadt Koriyama, um sich untersuchen zu lassen. Ältere Leute, Schulkinder und Familien mit Babies flüchten in Evakuierungszentren. Wegen den schlechten Verbindungen besteht ein Mangel an Informationen aus erster Hand. Die Küstengebiete sind von Erdbeben und Flutwelle verwüstet. Die radioaktive Strahlung hat in Fukushima die Höchstwerte überschritten. Die Regierung warnt bereits vor einer möglichen weiteren Explosion. Am hatte sich im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi eine Explosion ereignet. Das Reaktorgebäude wurde dabei zerstört: Aussenwände und das Dach stürzten ein. Während die Regierung erklärte, es habe offenbar Schäden am unteren Teil der Hülle gegeben, teilte die Behörde für Atomsicherheit wenig später mit, anscheinend gebe es keine Löcher. Die Behörden befürchten, in der Atomanlage könnte es zu einer Kernschmelze kommen.

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Die japanischen Regierung hat zusätzlich zur Atom-Krise einen Image-Schaden zu verkraften: Nachdem Regierungschef Naoto Kan als Krisenmanager bislang keine gute Figur abgab, verspielte sein Industrieminister Banri Kaieda nun offenbar zusätzlichen Kredit.

Er soll Feuerwehrleuten Strafen angedroht haben, wenn sie nicht in den lebensgefährlichen Einsatz zur Kühlung der havarierten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima 1 ziehen. Bisher hiess es immer, der Einsatz sei freiwillig. Die Kämpfer gegen die Kernschmelze wurden als Helden gefeiert.

Arbeit oder Strafe

Tokios Gouverneur Shintaro Ishihara sagte japanischen Medien am Montag, ein nicht näher bezeichneter japanischer Minister habe den Einsatzleuten befohlen, «sofort an die Arbeit zu gehen, sonst würden sie bestraft».

«Er wusste nicht einmal, wie die Lage vor Ort für die Arbeiter war und welche Kapazitäten sie hatten», sagte Ishihara. Er habe sich darüber bei Kan beschwert, der sich bei ihm für das Verhalten des Ministers entschuldigt habe.

Eine Entschuldigung ohne Bestätigung

Auch wenn Kaieda die Strafandrohung nicht bestätigen wollte, entschuldigte er sich am Dienstag. «Wenn meine Äusserungen die Feuerwehrleute verletzt haben (...), möchte ich mich entschuldigen», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Kyodo. Zuvor hatte Kan gesagt, dem Minister tue es «sehr leid». Denn Kaieda ist neben ihm eine zentrale Figur bei der Krisenbekämpfung: Er assistiert Kan im Krisenstab als Vize.

Anders als die Regierung und die blassen Manager des AKW- Betreibers Tepco, die aus sicherer Distanz Mutmassungen über die Lage in Fukushima anstellen, versuchen Techniker und Feuerwehrleute vor Ort, die Reaktoren zu kühlen und eine nukleare Katastrophe zu verhindern. Immer wieder müssen sie wegen der starken Strahlung ihre Arbeit unterbrechen.

Trotz der Risiken sei «die Moral unserer Männer sehr hoch», sagte einer der Einsatzleiter, Toyohiko Tomioka, bei einer Medienkonferenz. Dann setzte er mit bewegter Stimme hinzu: «Sie wissen, wir haben unsere Familien zurückgelassen. Ich denke an sie. Ich möchte mich bei ihnen für den Stress entschuldigen.»

Kampf gegen unsichtbaren Feind

Sein Kommandant, Yasuo Sato, fügte hinzu, sie seien über die Gefahren gut informiert, das helfe ihnen, ihre Ängste zu überwinden. Das Unbehagen formuliert der Chef der Feuerwehrspezialkräfte aus Tokio, Yukio Takamaya: «Wir haben den Eindruck, gegen einen unsichtbaren Feind zu kämpfen.»

Die von dem Feind ausgehende Gefahr wird in der Masseinheit Millisievert gemessen, in der Fachleute radioaktive Strahlung mit Blick auf ihre biologische Schädlichkeit bewerten. 100 Millisievert ist der jährliche Grenzwert, der üblicherweise noch zulässig ist.

Japan setzte für die Fukushima-Helfer den Wert auf 250 Millisievert hoch. Laut Tepco waren bislang 13 Helfer einer Strahlung von mindestens 100 Millisievert ausgesetzt. Ärzte untersuchen die sich in schneller Abfolge abwechselnden Einsatzkräfte vor Ort auf ihre Strahlenbelastung.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marie am 22.03.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker mit Krokodilstränen

    Schön, diese Entschuldigung wird denen, die im Einsatz waren, sicher bei Ihrem Strahlentod etwas Linderung bringen. Er hätte selber Hand anlegen sollen - das hätte etwas bedeutet! Nichts als leere Worte...

  • Ralph am 22.03.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Modernere Systeme!

    All die Unternehmen, die immer modernere und effizientere Waffensysteme entwickeln, könnten doch ihre Kräfte mal dazu verwenden, Systeme zur Bekämpfung solcher Unfälle und Katastrophen zu entwickeln, bei denen Menschen nicht mehr direkt den Gefahren von Verstrahlung usw. ausgesetzt werden. Sie würden dann mal was gutes für die Menschen tun. Das Problem liegt aber warscheinlich hier, Systeme zur Unfall- sowie Katastrophenverhütung und Beseitigung bringen nicht so viele Profite für die Aktionäre wie Waffensysteme.

  • nancyboy am 22.03.2011 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    unheile welt...

    wenn das bei uns in der schweiz passieren würde, glaube ich kaum, dass man freiwillige für den job finden würde. das akw würde dann wohl unbeaufsichtigt vor sich hin gammeln! ich bin mir sicher, dass es in japan schon lange zu einer kernschmelze kam, dies wird aber verschwiegen. wie kann es sonst sein, dass alle japanischen onlinegeigerzähler offline sind? es wird wohl zeit, dass ganze debakel zuzuschütten! auf n-tv läuft täglich ne tschernobyl-doku, da wird mir schlecht von.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dischinger Jakob am 31.03.2011 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker und AKW Betreiber an die Front

    Meiner Meinung nach müssen die Verantwortlichen vor Ort um ein Vorbild für die Bevölkerung zu sein. da würde sich sehr schnell herausstellen wie brandgefährlich die Situation wirklich ist. Ich vertraue in dieser Situation keinen, besonders keinen Politiker und die AKW Verantwortlichen, die sagen auch hier zu lande nicht die Wahrheit.

  • nancyboy am 22.03.2011 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    unheile welt...

    wenn das bei uns in der schweiz passieren würde, glaube ich kaum, dass man freiwillige für den job finden würde. das akw würde dann wohl unbeaufsichtigt vor sich hin gammeln! ich bin mir sicher, dass es in japan schon lange zu einer kernschmelze kam, dies wird aber verschwiegen. wie kann es sonst sein, dass alle japanischen onlinegeigerzähler offline sind? es wird wohl zeit, dass ganze debakel zuzuschütten! auf n-tv läuft täglich ne tschernobyl-doku, da wird mir schlecht von.

  • Marie am 22.03.2011 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker mit Krokodilstränen

    Schön, diese Entschuldigung wird denen, die im Einsatz waren, sicher bei Ihrem Strahlentod etwas Linderung bringen. Er hätte selber Hand anlegen sollen - das hätte etwas bedeutet! Nichts als leere Worte...

  • Joben am 22.03.2011 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Situationsbedingt??

    @ Patrick Keine Zeit? Nicht mal Zeit für eine "halbwegs" angemessene Schutzkleidung? Da sind einige Tage vergangen, bis diese Feuerwehrleute letztendlich an die havarierten Reaktoren geschickt wurden. Das ist nichts weiter als zynische Menschenverachtung. Ein Wunder, dass sie nicht gleich im T-Shirt dort antreten mussten. Ja, einfacher als Schutzkleidung zu organisieren ist es allemal, einfach die Grenzwerte für die Strahlenbelastung drastisch hochzusetzen. Aber vielleicht hat man sich die Ausrüstung das ja auch gleich gespart, weil es eh lebende Toten sind.

  • Ralph am 22.03.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Modernere Systeme!

    All die Unternehmen, die immer modernere und effizientere Waffensysteme entwickeln, könnten doch ihre Kräfte mal dazu verwenden, Systeme zur Bekämpfung solcher Unfälle und Katastrophen zu entwickeln, bei denen Menschen nicht mehr direkt den Gefahren von Verstrahlung usw. ausgesetzt werden. Sie würden dann mal was gutes für die Menschen tun. Das Problem liegt aber warscheinlich hier, Systeme zur Unfall- sowie Katastrophenverhütung und Beseitigung bringen nicht so viele Profite für die Aktionäre wie Waffensysteme.