Katastrophe in Japan

19. Juni 2011 18:19; Akt: 19.06.2011 18:28 Print

Bericht dokumentiert Chaos bei Tepco

Ein Bericht über die ersten Stunden nach dem AKW-Unfall in Fukushima zeigt: Es ging einfach alles schief. Die Dokumentation fördert das Vertrauen in die Betreiberfirma Tepco nicht gerade.

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Ein neuer Bericht dokumentiert das Chaos im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nach dem Erdbeben am 11. März. Die Angaben in dem am Samstag von Kraftwerksbetreiber Tepco veröffentlichten Bericht stützen sich auf Gespräche mit Arbeitern der Anlage und Daten aus den Kontrollräumen.

Als in Reaktor 1 zwei Stunden nach dem Erdbeben das Kühlsystem ausfiel, versuchten die Mitarbeiter demnach zunächst, den Reaktorkern mithilfe einer Löschpumpe weiter zu kühlen. Diese funktionierte aber nicht.

Ein Feuerwehrfahrzeug konnte den Reaktor nicht erreichen, weil die Zufahrt nach dem Beben blockiert war. Die Mitarbeiter mussten zunächst ein elektrisch betriebenes Tor zerstören, um dem Fahrzeug die Durchfahrt zu ermöglichen. Es traf Stunden später ein.

Am frühen Morgen konnte dann damit begonnen werden, Wasser in den Reaktor zu pumpen - da war der Kern schon geschmolzen. Dann ging auch noch das Wasser aus und die Mitarbeiter stellten auf Meerwasser um, was Schäden am Reaktor verursachte.

Andere Mitarbeiter wurden beauftragt, Druck aus der Sicherheitshülle des Reaktors abzulassen, um eine Explosion zu verhindern. Zunächst mussten sie allerdings das Handbuch besorgen, das nicht im Kontrollraum, sondern in einem anderen Gebäude auf dem Gelände aufbewahrt wurde.

Um ein Druckluftventil zu öffnen, liehen sich die Mitarbeiter einen Kompressor von einem Subunternehmer. Danach wollten sie Schutzkleidung anlegen, die aber im fünf Kilometer entfernten Krisenzentrum lagerte. So dauerte es mehr als eine Stunde, bis die Arbeiter sich schliesslich dem Reaktorgebäude nähern konnten.

Nach mehreren Fehlversuchen gelang es schliesslich, Druck aus der Sicherheitshülle abzulassen. Eine Stunde später explodierte der Reaktor 1 und machte ähnliche Vorbereitungen an den anderen Reaktoren zunichte. Die Arbeiter mussten von vorn beginnen, was zu weiteren Verzögerungen führte.

(sda)