Nach 3096 Tagen

28. Februar 2013 19:49; Akt: 01.03.2013 10:49 Print

Kampusch «erschüttert» über Buch ihres Vaters

Fünf Jahre nach Natascha Kampuschs Mutter versucht nun auch ihr Vater mit einem Buch am Elend seiner Tochter zu verdienen. Das Entführungsopfer wusste allerdings von nichts – und zeigt sich empört.

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Natascha Kampusch: «Ich verhalte mich anders, als es die Leute erwarten»

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«Ich bin so sprachlos», sagte das heute 25-jährige Entführungsopfer Natascha Kampusch am Mittwoch in München. Sie war eigentlich gekommen, um den beklemmenden Film «3096 Tage» vorzustellen, doch die Nachricht, dass ihr Vater Ludwig Koch ein Buch über ihre Entführung herausbrachte, überschattete den Event. Kampusch hatte keine Ahnung von den Plänen ihres Vaters.

Noch überraschter wird sie wohl gewesen sein, nachdem Teile des Inhalts von «Vermisst. Die Suche des Vaters nach Natascha Kampusch» des britischen Autors Alan Hall auf dem Internetportal «oe24.at» veröffentlicht worden waren: Ludwig Koch erhebt darin schwere Vorwürfe gegen seine Tochter. Unter anderem soll er anzweifeln, dass sie wirklich jahrelang in einem Kellerverlies leben musste. Er stellt gar die These auf, dass Kampusch mit der Flucht bis zum 18. Lebensjahr wartete, weil sie nicht in ein Heim oder zu ihrer Familie zurückkehren wollte.

Zeugin Ischtar A. kommt zu Wort

Der Vater vermutet, dass seine Tochter nicht die ganze Geschichte über ihre Jahre in Gefangenschaft erzählt. «Die Wahrheit liegt zwischen Natascha und mir. Sie blockiert unsere Beziehung. Ich spreche, weil ich sie liebe und zurück will», so Koch.

In «Vermisst» wird über die Vertuschung von Aussagen der Zeugin Ischtar A. Klartext geschrieben: «Ich bin das zweite Opfer der Entführung», wird A. im Buch erwähnt. «Ich weiss, es waren zwei Männer, der zweite blieb die ganze Zeit am Fahrersitz. Sie haben mich gesehen, sie wissen, ich bin Zeugin. In all den Jahren hatte ich Angst, dass sie zurückkommen, um mich zu holen.»

Ernst H. ist der «Schlüssel zum Rätsel»

In einem weiteren Kapitel thematisiert der Autor die Rolle von Priklopil-Freund Ernst H. Dazu Koch: «Ich will ihn vor Gericht sehen und dass er unter Eid erklärt, was er weiss.» Ernst H. sei «der Schlüssel zum Rätsel», glaubt Koch. Die unbeantworteten Fragen - warum Ernst H. nur Stunden nach Nataschas Flucht Zutritt zu Priklopils Haus hatte oder wieso er beim ersten Besuch der Polizei fragte «Hat er sie getötet?» – seien Teil dieses ungelösten Falles.

Ludwig Koch wirft in seinem Buch Kampusch vor, nicht ehrlich über die Beziehung zu Entführer Priklopil berichtet zu haben und mitschuldig am Tod des Hauptermittlers Franz Kröll zu sein. «Er ist einer jener, der glaubt, dass Kröll nicht eines natürlichen Todes starb. Es wird gesagt, dass er wegen Natascha tot ist. Kröll hat viele Ungereimtheiten in Nataschas Leben als Gefangene aufgedeckt», schreibt Alan Hall.

Seine Tochter kann die Anschuldigungen ihres Vaters nicht verstehen. «Ich werde nachdenken und Spaziergänge machen müssen», sagte sie während der Premiere des Filmes, der auf ihrer Autobiografie basiert.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sun am 01.03.2013 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verlorene Kindheit

    vielleicht versucht sie sich auf diese Weise einfach nur zurück zu holen, was ihr in der Kindheit gefehlt hat - die Aufmerksamkeit liebender Eltern hatte sie ja sicher nicht. dass da vieles an ihrer Geschichte nicht stimmt, liegt auf der Hand. aber wie man es auch drehen mag - glücklich war sie als kind sicher nicht. darum versucht sie sich jetzt, zu nehmen, was noch zu kriegen ist. das mag uns unsympathisch oder gar krank erscheinen. aber mal ehrlich - nach so einer Kindheit kann man ja wohl keine normalen Reaktionen mehr erwarten. auch mich befremdet vieles an der Geschichte. Trotzdem tut sie mir leid. Sie ist immer noch wie ein kleines Kind, dass ganz laut nach der liebe schreit, die es nie bekommen hat.

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  • Christine Louise am 01.03.2013 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Beim Durchlesen dieser Kommentare mache ich mir doch ernsthaft Sorgen um den Geisteszustand unserer Bevölkerung. Habt ihr keine anderen Probleme? Interessiert euch das Leben anderer so brennend? Und all diese Hobbypsychologen und Kriminologen. Das ist ja widerlich. Lieber mal ein gescheites Buch lesen, das würde mehr zur Hirnaktivität beitragen.

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  • icky am 01.03.2013 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt realistisch

    Die Chance ist wohl gross, dass Natascha Kampusch nicht alles erzählt. Tatsache ist aber, dass sie als 10-jährige enführt wurde. Sorry, dass hat sie nicht vorgetäuscht. Und wer sie jetzt als Lügnerin, fast Täterin beschimpft, soll sich mal in die Lage des Mädchens versetzen. Habt ihr eine Vorstellung was die durchgemacht hat? Vielelicht war das am ende nicht mehr ganz so, aber jahrelang ganz bestimmt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Selina am 01.03.2013 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auswandern!

    Natascha Kampusch sollte alle Zelte abbrechen und jegliche Kommentare und Interviews verweigern! Nur so hat sie vielleicht noch irgendwann die Chance auf ein neues Leben!

  • Sara Kusnic am 01.03.2013 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern sein dagegen sehr

    Wenn man so einen Vater hat braucht man keine Feinde mehr! Hege schwer das Gefühl, das es hier auch um Geld geht. Lasst sie dich in Ruhe.

  • Valentina am 01.03.2013 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    N.K

    Habe ebenfalls ihr Buch gelesen. Sie wirkt so unnatürlich auf mich, ich meine sie verschweigt oder verdreht etwas, nichtsdestotrotz hat sie ein sehr hartes Schicksal getroffen. Sie allein kennt die Wahrheit und schlussendlich ist es ihre Sache.

  • Sonusfaber am 01.03.2013 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Extrem viel Pech

    Meine Frage an alle, die Natascha an den Pranger stellen würden: Hättet ihr gerne das erlebt, was sie hat erleben müssen? Mag sein, dass sie nicht ganz ehrlich ist bzw. nicht alles sagt - fest steht, dass sie extrem viel Pech gehabt hat, Scheussliches hat durchmachen müssen über einen extrem langen Zeitraum. Dass sie nicht alles sagen will, sich vielleicht ein paar Lügen geleistet hat, ein paar Wahrheiten verdreht, das verstehe ich sehr gut - Menschen, die die Hölle überleben müssen, gestehe ich viel mehr zu als Menschen, denen es gut geht!

  • Christine Louise am 01.03.2013 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Beim Durchlesen dieser Kommentare mache ich mir doch ernsthaft Sorgen um den Geisteszustand unserer Bevölkerung. Habt ihr keine anderen Probleme? Interessiert euch das Leben anderer so brennend? Und all diese Hobbypsychologen und Kriminologen. Das ist ja widerlich. Lieber mal ein gescheites Buch lesen, das würde mehr zur Hirnaktivität beitragen.

    • John am 01.03.2013 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut Richtig!

      Ich bin selber auch immer wieder erstaunt, wie viele Leute sich auf das Leben, das Einkommen usw. anderer fixieren.

    • Montellina am 01.03.2013 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Well done!

      Christine Louise..dein Comment ist Weltklasse! :-) Man muss echt nichts mehr dazu fügen! well done

    • Olaf am 01.03.2013 19:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ins schwarze geschrieben :-)

      I like!

    • Zumi am 01.03.2013 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Oder auf die Kommentare...

      ....anderer, nicht wahr?

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