Misslungene Evakuierung

03. März 2011 18:06; Akt: 21.03.2011 16:18 Print

«Aktion war eine Dummheit»

In den Niederlanden macht sich Besorgnis über das Schicksal der drei Marinesoldaten breit, die bei einer Evakuierungsaktion in Libyen gefangen genommen wurden.

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Ein Hubschrauber des Typs Lynx auf einem niederländischen Kriegsschiff (Bild: www.defensie.nl)

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Die niederländische Regierung hat mit Libyen über die Freilassung von drei gefangen genommenen Soldaten verhandelt. Truppen des Staatschefs Muammar al Gaddafi hatten die Marineinfanteristen bei einer Evakuierungsaktion in der nordlibyschen Küstenstadt Sirte überwältigt. «Wir tun alles dafür, dass die Besatzung sicher zurück nach Hause kehren kann», sagte Ministerpräsident Mark Rutte.

Bei der missglückten Aktion, die nicht zuvor mit den libyschen Behörden abgesprochen wurde, war das Kommando am vergangenen Sonntag mit einem Helikopter von der Fregatte «HMS Tromp» aus gestartet, um zwei Europäer aus dem Krisengebiet zu evakuieren. Als der leichte Aufklärungshubschrauber vom Typ Lynx landete, um die Zivilisten aufzunehmen, wurde er von bewaffneten Soldaten der Gaddafi-treuen Regierungstruppen umstellt. Der Bordschütze, der Pilot und der Kommandant des Helikopters wurden verhaftet; die beiden Zivilisten, einer davon ein niederländischer Botschaftsmitarbeiter, wurden inzwischen von den libyschen Behörden an die niederländische Botschaft in Tripolis überstellt.

«Intensive Verhandlungen»

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Otte Beeksma, sagte der Nachrichtenagentur AP, es liefen «intensive Verhandlungen» mit Gaddafis Regierung, um die Soldaten frei zu bekommen. Auf die Frage, ob die niederländische Regierung die Gefangennahme ihrer Soldaten als Geiselnahme betrachte, sagte Beeksma: «Sie werden von den libyschen Behörden festgehalten.» Rutte erklärte, die Festnahmen seien bisher geheim gehalten worden, um die Verhandlungen mit Libyen nicht unnötig zu erschweren. «In solchen Situationen ist absolute Verschwiegenheit von grossem Vorteil. Nur dann können die Verhandlungen in Ruhe geführt und die Betroffenen sicher zurückgebracht werden», sagte der Ministerpräsident dem Fernsehsender NOS.

Die niederländische Militärgewerkschaft AFMP/FNV macht sich grosse Sorgen über das Schicksal der drei Soldaten. AFMP-Sprecher Wim van den Berg sagte gemäss der Zeitung «De Volkskrant», die libysche Regierung sei derzeit extrem unberechenbar. «Eine in die Enge getriebene Katze macht seltsame Sprünge», sagte Van den Berg.

Verletzung der libyschen Souveränität

Die «Volkskrant» fragt sich, warum das Verteidigungsministerium keine Elite-Einheiten eingesetzt und die Aktion nur mit einem leicht bewaffneten Hubschrauber ausgeführt hat. Die Zeitung zitiert zudem AFMP/FNV-Sprecher Van den Berg, der darauf hinweist, dass die Befreiungsaktion eine Verletzung der libyschen Souveränität gewesen sei, da sich die Niederlande nicht im Krieg mit Libyen befänden.

Militär-Experte Rob de Wijk sagte auf dem Fernsehsender RTL, es handle sich bei der Aktion um eine «Dummheit». Sie sei entweder schlecht vorbereitet gewesen oder verraten worden. Dies hätte mit besserer Aufklärung verhindert werden können.

«Amateurhaft»

Auch der Blog «GeenStijl» kritisiert das Verteidigungsministerium mit harschen Worten. Der Blog nennt die Aktion «amateurhaft» und äussert die Vermutung, Verteidigungsminister Hans Hillen habe am Montagabend unmittelbar vor den Wahlen zur Ersten Kammer einen spektakulären Erfolg verkünden wollen. Schliesslich verweist «GeenStijl» auf eine erfolgreiche Evakuierungsaktion, die vor kurzem von britischen Spezialkräften durchgeführt wurde.

(dhr/ap)