Geldreserven

10. März 2011 21:12; Akt: 21.03.2011 15:41 Print

Gaddafi bunkert Milliarden

Dass die Gelder von Muammar Gaddafi im Ausland eingefroren werden, dürfte den Diktator wenig stören. Laut US-Geheimdienst verfügt er über beträchtliche Bar-Reserven.

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Der spätere libysche Diktator Muammar al-Gaddafi wurde im in oder nahe der Stadt Sirte geboren. Schon früh legte er einen ausgeprägten Machtinstinkt an den Tag. putschte der ehrgeizige junge Offizier mit einer Gruppe von Gesinnungsgenossen den libyschen König Idris I. vom Thron. Am Radio verkündete der 27-jährige Oberst am den unblutig verlaufenen Machtwechsel und rief die Arabische Republik Libyen aus. Gaddafi wurde Revolutionsführer und unumschränkter Herrscher über die junge libysche Republik. Gaddafi (l.) mit arabischen Führern: PLO-Chef Arafat, der sudanesische Präsident Numeiri, der ägyptische Präsident Nasser, der saudische König Faisal und der Scheich von Kuwait, Al Sabah (v.l.). Gaddafi hätte gern eine panarabische Union geschmiedet, doch seine Anstrengungen scheiterten. Auch der ägyptische Präsident Sadat (l.) und dessen syrischer Amtskollege Assad konnten nicht für das Vorhaben gewonnen werden. Im Westen verfolgte man die Entwicklung im ölreichen Libyen mit Interesse. schaffte es Gaddafi erstmals auf das Cover des amerikanischen Magazins «Time». Die Verstaatlichung von Banken und Ölindustrie entsprach sowohl den arabisch-nationalistischen wie auch den sozialistischen Elementen der «Grünen Revolution» Gaddafis. Bild: Der Revolutionsführer 1975 mit dem jugoslawischen Präsidenten, Marschall Tito. Aber die libysche Spielart der Revolution war auch islamisch inspiriert: Im ab 1973 publizierten «Grünen Buch» formulierte Gaddafi einen dritten Weg neben Kapitalismus und Kommunismus. gab Gaddafi sein Amt als Generalsekretärs des Allgemeinen Volkskongresses ab, blieb als Revolutionsführer aber de facto der allmächtige Herrscher über Libyen. Gaddafi war stets ein Feind Israels. Er liess jüdischen Besitz enteignen und verfügte, dass alle Schulden, die Nichtjuden bei Juden hätten, hinfällig seien. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung verliess Libyen trotz eines Ausreiseverbots. Neben anderen militanten Gruppen unterstützte Gaddafi auch die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO). Am besuchte er den bei einer Notlandung in der libyschen Wüste verletzten PLO-Führer Arafat an dessen Krankenbett. Der Diktator hat seine Macht mit den üblichen Mitteln gefestigt: Verbot der Opposition, repressive Polizei und Aufbau eines Personenkults. Genoss Gaddafi anfänglich im Westen noch Respekt wegen seiner anscheinend selbstlosen Lebensweise, wurde er mit seiner Unterstützung des Terrorismus ab Anfang der 1980er-Jahre bald zum Ausgestossenen. Der Bombenanschlag auf die bei Amerikanern beliebte Berliner Diskothek «La Belle» 1986 ... ... war einer der Gründe für die amerikanische Bombardierung libyscher Städte im April 1986. Rund hundert Menschen kamen dabei ums Leben, Gaddafi selber wurde verletzt. Auch die Residenz des Diktators wurde getroffen; in den Trümmern starb Hanna, die Adoptivtochter Gaddafis (nach anderen Quellen soll er das Kind erst postum adoptiert haben). Ein Mahnmal vor der Ruine erinnert an den Angriff. wurden bei einem Anschlag auf Pan-Am-Flug 103 über dem schottischen Lockerbie 270 Menschen getötet. Der Verdacht fiel schnell auf Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes. Das Land geriet international zunehmend in die Isolation. Nach dem Lockerbie-Anschlag verhängte die UNO erfolgreich Sanktionen gegen Libyen. 1999 schwörte Gaddafi dem Terrorismus ab und lieferte die beiden Verdächtigen aus. 2003 übernahm Libyen die volle Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag. Gaddafi zahlte hohe Abfindungen an die Hinterbliebenen. Offener Protest gegen das Regime war lange Zeit nur im Ausland möglich. Im Bild eine Demonstration in Paris anlässlich von Gaddafis Staatsbesuch im Als Gaddafi der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen abgeschworen hatte, war er auf dem diplomatischen Parkett kurzfristig wieder willkommen. Besonders mit dem italienischen Premier Silvio Berlusconi (r.) verband ihn eine tiefe Freundschaft. Allerdings gab es auch nach der internationalen «Rehabilitierung» immer wieder Misstöne, wenn der Wüstensohn im Westen zu Besuch war. Beispielsweise im Jahr in Frankreich, als Präsident Nicolas Sarkozy für seinen unkritischen Empfang des Diktators harsch kritisert wurde. Den Höhepunkt seiner Rehabilitierung erlebte der Revolutionsführer am G-8-Gipfel im im italienischen L'Aquila, als es zum Handschlag mit US-Präsident Barack Obama kam. Trotz der Normalisierung der Beziehungen blieb Gaddafi unberechenbar und stiess das Ausland immer wieder vor den Kopf. So auch im , als er nach der Verhaftung seines Sohns Hannibal in Genf die beiden Schweizer Max Göldi (r.) und Rachid Hamdani in Tripolis als Geiseln nahm. Die Geiselaffäre zog sich über zwei Jahre hin. Verschiedene diplomatische Initiativen der Schweiz, aber auch der EU blieben erfolglos, und Gaddafi liess Max Göldi erst frei, nachdem Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sich am persönlich bei ihm für die Behandlung Hannibals in Genf entschuldigt hatte. Rachid Hamdani konnte Libyen bereits fünf Monate zuvor verlassen. Im erreichte der Arabische Frühling Libyen: Wie in anderen Ländern der arabischen Welt gingen Demonstranten mit Forderungen nach politischen Reformen auf die Strasse. Gaddafi liess die Proteste brutal unterdrücken. Am verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat eine Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen. In der Folge unterstützten Nato-Jets die Rebellen mit Tausenden Luftangriffen auf die Gaddafi-Truppen. Mit dem Einmarsch der Rebellen in die Hauptstadt Tripolis schienen die Tage von Gaddafis Herrschaft über Libyen gezählt zu sein. Am gaben die Truppen des Nationalen Übergangsrats bekannt, dass sie Muammar Gaddafi gefasst und seine Geburtsstadt Sirte eingenommen haben. Die Bilder des getöteten Diktators gingen um die Welt.

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Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi soll laut einem US-Pressebericht Bargeldreserven in Milliardenhöhe angelegt haben. Eine solches Polster könnte ihn weitgehend immun gegen die internationalen Finanzsanktionen machen.

Gaddafi habe «wahrscheinlich Dutzende Milliarden Dollar in bar, zu denen er innerhalb Libyens Zugang hat», zitierte die «New York Times» am Donnerstag einen Vertreter der US-Geheimdienste. Das Geld sei bei der libyschen Zentralbank und anderen Banken in Tripolis gelagert. Mit dem Geld könne Gaddafi loyale Truppen, Söldner und politische Unterstützer bezahlen.

Gaddafi habe die Barreserven offenbar nach 2004 angelegt, als die internationalen Sanktionen gegen sein Land gelockert wurden. Er habe sich für den Fall vorbereiten wollen, dass neue Sanktionen gegen Libyen verhängt werden.

Kenneth Barden, ein auf Nahost-Geschäfte spezialisierter Anwalt sagte, es gebe Hinweise, dass das Geld wenige Tage vor dem Ausbruch der Rebellion verschoben wurde. Offenbar ahnte Gaddafi internationale Sanktionen, Bardon.

Zahlreiche Staaten - unter ihnen auch die Schweiz - hatten in den vergangenen Tagen nach UNO- und EU-Sanktionen libysches Vermögen auf Konten in ihrem Land eingefroren.

(aeg/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EX-Soldat am 11.03.2011 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Trauri Traurig

    geld geld geld.. oder macht macht macht.... und die EU, NATO,Arabische liga reden und reden. wie lange noch? warum haben Westerwelle und all die anderen Grossmäuligen Politiker so Angst vor Gadaffi? Wieviele unschuldige Zivilisten müssen für diesen Mörder noch ihr Leben lassen bevor die "Welt"-Mächte endlich zu taten greiffen?

    einklappen einklappen
  • Dino am 11.03.2011 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilige Banken

    Jedesmals die gleiche Nummer: kaum steht ein milliarden-schwerer Diktator auf der Kippe, melden die ach so sauberen Banken, dass die Gelder eingefroren worden sind. Dass man zuvor mit diesem Geld jahrzehntelang dicke Geschäfte tätigte und den Lohn und Boni der Angestellten finanzierte, wird verschwiegen. Ich könnte keinen Tag in einer solchen Branche arbeiten.

    einklappen einklappen
  • Christian St. am 16.03.2011 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich verstehe nicht warum der Westen und Europa nicht endlich eingreifen? Kann sich das libysche Volk nicht auf Hilfe aus den Nachbarländern verlassen? Stattdessen weden unnütze Diskussionen über Flugverbots-Zonen und Gadaffis Geld geführt, anstatt den Mord an seinem Volk zu unterbinden. USA und Europa wovor fürchtet Ihr euch?Hingehen und Helfen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christian St. am 16.03.2011 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ich verstehe nicht warum der Westen und Europa nicht endlich eingreifen? Kann sich das libysche Volk nicht auf Hilfe aus den Nachbarländern verlassen? Stattdessen weden unnütze Diskussionen über Flugverbots-Zonen und Gadaffis Geld geführt, anstatt den Mord an seinem Volk zu unterbinden. USA und Europa wovor fürchtet Ihr euch?Hingehen und Helfen.

  • FS am 11.03.2011 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat noch Senf?

    Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute plötzlich verstehen, wie die Welt angeblich funktioniert!

  • balazs am 11.03.2011 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bald ist es mit dem Aufstand vorbei...

    Wenn die UN, EU, NATO, F, GB, USA zumindest Waffen, Schwerartillerie und Panzer (keine Soldaten, nur Instruktoren)nicht schleunigst nach Benghasi liefert, ist es mit dem Aufstand in 10 Tagen vorbei. Dann hat sich das Thema für mehrere Jahrzehnte wieder erledigt. Dann hat man Zeit, zu analysieren. So simpel!

  • EX-Soldat am 11.03.2011 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Trauri Traurig

    geld geld geld.. oder macht macht macht.... und die EU, NATO,Arabische liga reden und reden. wie lange noch? warum haben Westerwelle und all die anderen Grossmäuligen Politiker so Angst vor Gadaffi? Wieviele unschuldige Zivilisten müssen für diesen Mörder noch ihr Leben lassen bevor die "Welt"-Mächte endlich zu taten greiffen?

    • Hans am 11.03.2011 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      Macht was

      Hast du als ex Soldat Erfahrung? Bitte es steht niemand im Weg nach Libyen zu fliegen.Das ist Traurig,nur reden und reden aber nichts dagegen machen.

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  • pesche am 11.03.2011 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    einer gegen alle

    es geht rein ums öl.die welt traut nicht einzugreifen. eigentlich erbärmlich: einer gegen alle und der eine gewinnt zuletzt noch.wenn in einem anderem land passieren würde wäre schon lange eingegriffen worden. aber die grossen haben nichts besseres zu tun als zu beraten und zu beraten. genau dasselbe wie mit dem klimaschutz.die menschheit ist einfach peinlich