Libyen

20. Februar 2011 22:00; Akt: 21.03.2011 16:53 Print

«Jetzt wird das Volk erst recht unterdrückt»

von Andy Fischer - Gaddafi gnadenlos: Libysche Sicherheitskräfte haben mit Maschinengewehren das Feuer auf Gegner der Regierung eröffnet. Alt Nationalrat Georg Stucky (FDP) erwartet, dass das Volk jetzt erst recht rabiat unterdrückt wird.

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Georg Stucky*, offener Widerstand gegen Gaddafi – überrascht Sie das?
Georg Stucky: Nein. Der Missmut, vor allem unter den Jungen, ist gross. Es herrscht eine grosse, verdeckte Arbeitslosigkeit. Jobs erhalten eigentlich nur Menschen mit engen Beziehungen zum Staat.

Demonstrationen gegen Gaddafi, das ist ja auch tödlicher Wagemut, wie die aktuellen Ereignisse wieder zeigen.
In der Tat. Das ist nicht wie bei uns – einfach mit Transparenten auf die Strasse gehen. Jetzt wird das Volk erst recht rabiat unterdrückt.

Gaddafi wendet gegen das eigene Volk nicht nur Gewalt an, er greift auch in die Kommunikation ein.
Das ist typisch für ihn. Das Internet wird zuweilen abgeschaltet, die Telefone werden ständig überwacht. Und ausländische Journalisten kommen schwerlich ins Land.

Dennoch, der Druck gegen Gaddafi und sein blutiges Regime steigt. Wie lange hält der Diktator durch?
Leider muss man annehmen, dass Gaddafi den Aufstand ­militärisch unterdrückt und ­abwürgt. Man kann die Situation auch nicht mit anderen arabischen Staaten vergleichen. In der Hauptstadt Tripolis hungern die Menschen nicht. Sie haben ein Dach über dem Kopf und sind von ihrer Anstellung vom Staat abhängig. Sie haben also etwas zu verlieren.

*Alt Nationalrat Georg Stucky (FDP) arbeitete sechs Jahre lang in Libyen.