Libyen

26. März 2011 23:12; Akt: 26.03.2011 23:12 Print

Zivile Opfer - Propaganda oder Realität?

von Hadeel Al-Shalchi, AP - Der Militäreinsatz gegen Libyen hat gemäss Gaddafis Regierung zahlreiche zivile Todesopfer gefordert. Die Angaben von unabhängiger Seite bestätigt zu bekommen ist schwierig.

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Am verkündet die Übergangsregierung Libyens offiziell die Befreiung des Landes. Am wird Muammar Gaddafi in Sirte gefangen und getötet. : In der Nacht auf Montag nehmen die Rebellen den Grünen Platz im Zentrum von Tripolis ein. Dort feiern Aufständische und Bewohner gemeinsam den Einmarsch. Auf dem Platz demonstrierten zuvor monatelang die Gaddafi-Getreuen. Aufständische bejubeln die Einfahrt in eines der Aussenquartiere der Hauptstadt Tripolis. In Bengasi feiern libysche Rebellen zusammen mit tausenden Menschen auf dem Tahrir-Platz die militärischen Erfolge ihrer Mitstreiter. Die Aufständischen erobern Brega und Sawija. Damit stehen sie nur noch wenige Kilometer von Tripolis entfernt: Auf dem Bild feiern Rebellenkämpfer die Eroberung Sawijas. Am mobilisieren die Rebellen ihre Kräfte im Westen des Landes. Ihr Ziel ist die Stadt Sawija. Am stirbt der Militärchef der Rebellen Abdel Fatah Junis. Die Urheber des Mordes sind nicht bekannt. : Libysche Rebellen und Angestellte der Botschaft übernehmen die libysche Botschaft in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. : Libysche Rebellen dringen in der strategisch wichtigen Stadt Brega in Wohngebiete vor. : Ein libyscher Junge schlägt in der Rebellenhochburg Misrata mit einem Schuh auf ein Porträt des Machthabers Muammar al-Gaddafi ein. : Die diplomatischen Bemühungen laufen auf Hochtouren. Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates Mahmoud Jibril trifft in Brüssel auf den Europaratspräsidenten Herman Van Rompuy. Saif al Islam Gaddafi Sagt am 11.7.2011: «Die Wahrheit ist, dass wir mit Frankreich verhandeln und nicht mit den Rebellen». : Strassenkunst in Bengasi: Gaddafi wird von einer Krake gefressen. : Noch geniesst Machthaber Muammar al-Gaddafi auch Unterstützung in der Bevölkerung. «Gott, Gaddafi und Libyen» ist auf den Händen dieses Mädchens in Tripolis zu lesen. Andere halten Porträts mit dem Despoten in die Höhe. Am erlässt der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Gaddafi und seinen Sohn Saif al-Islam. Der libysche Justizminister Mohammad al-Kamudi verurteilt den Haftbefehl als ein «Werkzeug der westlichen Welt». Zahlreiche Top-Fussballer Libyens laufen zu den Aufständischen über. Seit einigen Tag steht Tripolis unter ständigem Beschuss. NATO-Jets greifen auch tagsüber an. Die Ungeduld lässt die Rebellen bisweilen fatale Fehler begehen: Sie greifen ohne Marschbefehl an. Die Zahl der Opfer ist daher in den vergangenen Tagen gestiegen. Wie die UNO am mitteilt, wurde in Libyen systematisch vergewaltigt. Den Befehl dazu soll Muammar Gaddafi selbst gegeben haben. Am gehen wieder viele Bomben auf Tripolis nieder. Muammar Gaddafi sprach wieder am TV: «Wir werden nicht kapitulieren». Im Krieg in Libyen setzt die NATO erstmals Kampfhelikopter ein. Jacob Zuma ist in Tripolis eingetroffen. Er will im Konflikt vermitteln. Libysche Rebellen beklagen, dass ihnen das Geld ausgehe, weil die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland ausbleibe. Die NATO führt ihre Angriffe auf die Hauptstadt Tripolis fort. Durch ihre Bomben sterben laut Regierung drei Menschen. 150 werden verwundet. Am fliegt die NATO Luftangriffe auf den Hafen von Tripolis und zerstört sechs libysche Kriegsschiffe. Am . Es ist aber unklar, ob die Bänder aktuell sind. fordert Muammar Gaddafi zum sofortigen Rücktritt auf. Bei einem Nato-Angriff am soll sich während des Angriffs im Haus seines Sohnes befunden haben, blieb aber unverletzt. gegen sie einsetzt. aus. seine Beteiligung an den Luftangriffen zu. worden. (Bild), Adschabija und Brega wird immer heftiger gekämpft. Tausende hoffen auf ihre Ausreise. Im Bild: Aus Misrata evakuierte Viele Flüchtlinge kommen auf dem Weg zur italienischen Insel Lampedusa ums Leben. (r.) einen Friedensplan der Afrikanischen Union (AU). Die Rebellen bestehen auf dem sofortigen Rücktritt Gaddafis. NATO-Kampfflugzeuge bombardieren erneut versehentlich Fahrzeuge der Anti-Gaddafi-Milizen. Die Kritik der Rebellen an den NATO-Einsätzen wird lauter. haben Flugzeuge der internationalen Koalition einen libyschen Militärkonvoi angegriffen. Die libysche Regierung gibt sich zu Reformen bereit. Die Afrikanische Union fordert einen Waffenstillstand. verlängern ihre Beteiligung am internationalen Militäreinsatz in Libyen auf Bitten der NATO. Die Suche nach einer diplomatischen Lösung wird verstärkt. unterstützen die Aufständischen nicht nur mit Luftangriffen, sondern auch durch CIA-Beamte. Diese hätten unter anderem nach dem Absturz des US-Kampfjets Hilfe geleistet, heisst es. tritt von seinem Amt zurück und setzt sich nach England ab. Gaddafis Truppen erobern derweil Ras Lanuf und Brega zurück. und nähern sich Gaddafis Geburtsstadt Sirte. ein und erringen damit den ersten grossen Sieg seit Eingreifen der Koalition. Ebenfalls am Journalisten in Tripolis, sie sei von Gaddafi-Leuten vergewaltigt worden. Nachdem die Koalition die Luftwaffe Gaddafis zerstört hat, sollen Angriffe auf Gaddafi-Truppen rund um Tripolis, Misrata und das ebenfalls heftig umkämpfte Adschdabija verstärkt werden. Am Abend des in Tripolis der Öffentlichkeit und ruft einmal mehr zum Kampf gegen die «Kreuzzügler» auf. Ein US-Kampfjet vom Typ F-15 Eagle stürzt in der Nähe der Rebellenstadt Bengasi auf einem Feld ab. Die beiden Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Schleudersitz retten. Am Abend des In der Stadt war nach Einbruch der Dunkelheit das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören. Damit begann die dritte Nacht alliierter Luftangriffe gegen Libyen. Siegestrophäe à la libyenne: Aufständische haben am in der Nähe der befreiten Stadt Bengasi einen von den Allierten zerstörten Panzer mit einem rauchenden Schafskopf «geschmückt». Französische Kampfjets zerstören Militärfahrzeuge der Regierungstruppen auf einer strategisch wichtigen Strasse zur Rebellen-Hochburg Bengasi. eröffnet Frankreich das Feuer in Libyen. Danach feuern amerikanische und britische Kriegsschiffe im Mittelmeer 112 Tomahawk-Marschflugkörper ab. Im Bild: Eine Rafale im französischen St-Dizier. eine militärische Intervention abgesegnet hat. Zahlreiche Regierungschefs und Aussenminister sind in der französischen Hauptstadt zusammen. Gastgeber Nicolas Sarkozy kündigt im Anschluss baldige Militärschläge gegen Libyen an. warnt Muammar Gaddafi vor weiterer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Überall in Südeuropa werden Luftstreitkräfte zusammengezogen: Dänische F-16-Jets landen im sizilianischen Sigonella, um ein Flugverbot über Libyen durchzusetzen. Der Flugzeugträger «CharlesDe Gaulle» kreuzt im Mittelmeer. über Libyen zu. hat diese bereits im Vorfeld befürwortet. Gleichentags haben die Regierunstruppen die Ölstadt Ras Lanuf wieder eingenommen. US-Geheimdienstchef James Clapper (Bild) rechnet vor einem Militärausschuss des US-Senats mit einem Sieg Gaddafis. Derweil bereiten die USA, Grossbritannien und die NATO militärische Optionen vor. Die EU will ihre Sanktionen ausweiten und die UNO ermittelt gegen Gaddafis Truppen wegen Folter. Die libyschen Rebellen geraten immer stärker unter Druck: Gaddafis Truppen sind nur noch eine Stadt von der Rebellen-Hochburg entfernt. Der Diktator beschimpft immer wieder die Rebellen und den Westen. Ein Rebell schiesst mit einem Maschinengewehr auf Gaddafis Luftwaffe. Mittlerweile haben über 213000 Gastarbeiter das Land verlassen: Somalier im Auffanglager bei Ras Ajdir an der libysch-tunesischen Grenze. Gaddafis Truppen verteidigen Sirte und versuchen, Misrata und Bin Jawad zurückzuerobern. Auf der Mittelmeerinsel Kreta ziehen die USA und andere NATO-Staaten starke Einheiten zusammen. (Bild) werden Zeltlager errichtet. Regierungstruppen und Aufständische kämpfen erbittert um stratigisch wichtige Städte. Am warnt die USA und die NATO vor einem militärischen Eingreifen. Ausserdem sagt er, dass er seit 1977 keine politische Macht mehr innehabe. Die Regimegegner formieren sich immer mehr zu Kampftruppen. Hier lernen Freiwillige, wie man gegen Kampfflugzeuge kämpft. Das 75 000 Menschen gestrandet. Die hat die lybische Opposition in Bengasi einen Übergangnsrat gegründet. scharenweise vor den Unruhen aus Libyen: Ägypter erreichen am 27. Februar die Grenze zu Tunesien. Am Einreisesperren gegen den Gaddafi-Clan, sperrt dessen Konten und verhängt ein Waffenembargo gegen Libyen. Ein weiterer TV-Auftritt von gegen den Gaddafi-Clan aus. Am Nachmittag des via Telefon im Staats-TV und bezeichnet die Demonstrationen als «kindisch». Derweil hält der Exodus von Ausländern aus Libyen an, das Regime geht weiter brutal gegen Demonstranten vor. Nach Bengasi und Tripolis gehen die Menschen auch in auf die Strasse: Aufständische haben eine Polizeistation in Beschlag genommen. im Staatsfernsehen mit einer wirren Rede zu Wort. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt, nachdem bei Zusammenstössen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in wenigen Tagen hunderte von Menschen getötet worden sind. Der Aufstand in der arabischen Welt erfasst im

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Die Informationspolitik der libyschen Regierung ist offenbar von Propaganda geprägt, die Lage im Land chaotisch. Selbst die vom Staat kontrollierten Besuche ausländischer Medienvertreter bei Massenbegräbnissen und Betroffenen werfen eher weitere Fragen auf.

Bei den tagtäglichen Pressekonferenzen können libysche Regierungsvertreter auf Reporterfragen über die tatsächliche Zahl getöteter Zivilisten keine klare Antwort geben. Bei den internationalen Luftangriffen seien bislang 114 Libyer getötet worden, erklärte Chaled Omar vom Gesundheitsministerium.

Wie viele Zivilisten unter den Opfern sind, liess er jedoch offen. «Wir glauben, dass es unmoralisch und illegal ist, auch nur unsere Soldaten zu töten, weil wir uns nur verteidigen», sagte Regierungssprecher Mussa Ibrahim.

Leichenbilder im Staatsfernsehen

Der britische Aussenminister William Hague erklärte in einem Interview der Rundfunkanstalt BBC, der Regierung lägen keine Beweise über zivile Opfer in Libyen vor. «Es ist sehr wichtig, die Menschen daran zu erinnern, dass wir sehr darauf achten, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden,» sagte er.

Tagtäglich zeigt das libysche Staatsfernsehen Bilder von verkohlten und verstümmelten Leichen. Bei ihnen handle es sich um Opfer der Angriffe auf Tripolis, heisst es. Indes werfen die Rebellen den Truppen Gaddafis Propaganda vor. So seien Verstorbene aus Leichenhäusern geholt worden, um diese als zivile Opfer darzustellen.

Den Vorwurf bestätigt ein US-Geheimdienstbericht vom Montag. Ein hochrangiger Getreuer Gaddafis sei beauftragt worden, aus Bestattungsinstituten stammende Leichen in der Nähe von Bombeneinschlägen zu platzieren, damit diese dann ausländischen Journalisten gezeigt werden könnten, erklärte ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums unter Berufung auf den Geheimbericht.

Besuch nur unter staatlicher Aufsicht

Unterdessen erschwert behördlicher Druck die Recherche der Reporter vor Ort. So wollte ein Reporterteam am Donnerstag ein Spital aufsuchen, in dem Verletzte vermutet wurden. Sie wurden jedoch von libyschen Sicherheitskräften aufgehalten, eine Stunde in Gewahrsam genommen und daraufhin wieder zu ihren Hotels zurückgefahren. Ohne Beaufsichtigung eines Regierungsvertreters sei es ihnen nicht erlaubt, das Spital zu besuchen, hiess es.

Als die Reporter dann am Tag darauf unter Aufsicht eigentlich in eine Klinik in Tripolis gebracht werden sollten, um zivile Opfer zu sehen, ging es stattdessen in ein Leichenschauhaus. Dort angekommen, bot sich den Reportern ein schauriges Bild. Verkohlte Leichen lagen auf Matten aufgebahrt auf dem Boden.

Unter den Toten waren in Jeans und T-Shirts gekleidete Frauen und einige junge Männer in grünen Militäruniformen. Sie seien bei den zweitägigen Luftangriffen auf das Viertel Tadschura ums Leben gekommen, erklärten Angestellte und Regierungsvertreter. Genaue Angaben zu den Namen und der Herkunft der Opfer konnten sie jedoch nicht machen.

Ein Besuch in Tadschura

Am gleichen Tag durften ausländische Berichterstatter unter Begleitung von Behördenvertretern eine Tour durch Tadschura machen. Während der Busfahrt waren zwei Militärstützpunkte zu sehen, die offensichtlich schwer beschädigt waren. Aus einem der Gebäude stieg schwarzer Rauch auf.

Schliesslich hielt der Bus an einer kleinen Farm. Das Bauernhaus war völlig verwüstet, die Gebäudefassade wies überall Einschusslöcher auf, in denen teilweise Granatsplitter steckten. Vor der Eingangstür und auf dem Dach entdeckten die Reporter ausserdem von einem Sturmgewehr des Typs AK-47 stammende Patronenhülsen.

Der Hauseigentümer Radschab Mohammed sagte, er habe sich mit seinen Kindern im Wohnzimmer aufgehalten, als er plötzlich eine Explosion gehört habe. Seine 18-jährige Tochter sei daraufhin in Todesangst hinausgerannt und sei von einem Granatsplitter im Rücken getroffen worden.

Allergrösste Vorsicht angebracht

Er führte die Reporter zu einer Palme in seinem Garten und zeigte auf ein Loch von der Grösse eines Wasserballs, das sich in den Baumstamm gefressen hatte. Dort habe die Bombe eingeschlagen, sagte Mohammed.

«Überall lagen Kugeln und Granatsplitter herum, die Kinder hatten riesige Angst.» Woher die Einschusslöcher in der Fassade seines Hauses stammten, wisse er nicht, sagte Mohammed. Als die Reporter ihm und seinem Gärtner weitere Fragen über den Bombenangriff stellten, schritten die Behördenvertreter tadelnd ein.

Es sei wichtig, im Auge zu behalten, dass «Krieg immer auch zivile Opfer mit sich bringen kann,» erklärte der Sonderberater für Libyen bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Fred Abrahams. Seine Organisation habe keinen Vertreter in Tripolis. Dennoch, sagte er, «würde ich den Behauptungen von Gaddafis Regierung mit allergrösster Vorsicht begegnen.»