Flüchtlingslager

07. März 2011 21:54; Akt: 21.03.2011 15:49 Print

Ras Ajdir - Ein Dorf auf Zeit

von Karin Laub, AP - Aus Libyen geflohene Gastarbeiter helfen mit am Bau eines Flüchtlingslagers auf tunesischem Boden. Es soll Unterschlupf bieten bis die Menschen in ihre Heimakt zurückkehren können.

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Die Männer sind am Errichten eines provisorischen Lagerhauses für Hilfsgüter in einem Durchgangslager für tausende Gastarbeiter. Unter denen, die da schuften und ihr Werk mit «Allahu Akbar»-Rufen bejubeln, sind Gastarbeiter aus Bangladesch wie Freiwillige aus Tunesien.

Das neue Lagerhaus ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass das Zeltlager für 20 000 Menschen rund sieben Kilometer vor der Grenze Libyens mit jedem Tag der Krise dort weiter wächst.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bereiten sich auf die Möglichkeit einer neuen Flüchtlingswelle vor, obwohl über das Wochenende deutlich weniger Menschen nach Tunesien kamen.

Die Bauaktion zeigt auch den guten Willen, den die meisten hier an den Tag legen - von den tunesischen Offizieren, die das Lager in entspannter Manier leiten, bis zu den Arbeitern, die geduldig nach warmen Mahlzeiten und kostenlosen Telefongesprächen anstehen.

Noch nicht vorbei

Über 200 000 Gastarbeiter sind seit Beginn des Aufstands aus Libyen geflüchtet. Bis auf einige tausend, die nach Niger flohen, begaben sich alle entweder nach Tunesien oder Ägypten.

Ein Grossteil der nach Tunesien Geflüchteten konnte bereits den Heimweg antreten, mit Flugzeugen oder Schiffen. Bangladesch hat die Staatengemeinschaft um Hilfe dabei gebeten, die Gestrandeten nach Hause zu holen.

Eine Luftbrücke mit vier Flügen nach Dhaka täglich sollte noch am Dienstag anlaufen. Hilfsorganisationen erwarten, dass in den nächsten Monaten noch Hunderttausende mehr flüchten.

Zum zweiten Mal heimatlos

Die Menschen im Lager scheinen auf der Flucht alle Ähnliches erlitten zu haben: von libyschen Sicherheitskräften angehalten, ausgeplündert, verprügelt und mittellos nach Tunesien geschickt.

Imran Hussein, ein Bauarbeiter aus Bangladesch, fürchtete auf dem Weg um sein Leben. «Aber hier ist es besser», sagt der 28-Jährige, der in der langen Schlange auf Essen wartet. Es gibt einen Plastikteller voll Nudeln mit Tomatensauce, eine Karotte und Brot.

Zur Küchenmannschaft gehört der in Tunesien lebende US-Amerikaner David Leenhouts, der sich als Freiwilliger gemeldet hat. «Ich arbeite gerne mit den Leuten hier», sagt er. «Ich sage ihnen: Wir sind alle gleich, wir haben alle die gleichen Bedürfnisse, und wir müssen uns um einander kümmern.»

Mehr und mehr ähnelt das Lager einem Dorf. Da ist der mit Seilen markierte Platz, auf dem Bekanntmachungen verkündet werden. Da ist das Lazarett und die Erste-Hilfe-Station.

Da sind die Zelte der Hilfsorganisationen und die insgesamt drei weissen Riesenzelte als Lagerhäuser. Das Wohngebiet besteht aus langen Reihen weisser Zelte. Viertel sind entstanden wie die kleine Nachbarschaft somalischer Familien, die in Libyen Asyl gefunden hatten - sie sind nun wieder heimatlos.