Scheinhinrichtung

10. März 2011 13:00; Akt: 21.03.2011 15:42 Print

«Das ist das Ende»

Drei BBC-Reporter gerieten Anfang Woche in die Fänge von Gaddafis Schergen. In den Kerkern ihrer Peiniger litten sie Todesqualen. Unter anderem standen Scheinhinrichtungen auf dem Programm.

(Video: APTN-Video)
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Zehn Kilometer vor der Stadt Sawija, an einem Kontrollposten von Getreuen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi, wurden am vergangenen Montag drei Mitglieder des arabischen Teams der BBC festgenommen. Dies teilte der britische Sender am Mittwoch mit.

Zu dem Team gehörte der britische Journalist Chris Cobb-Smith. Dieser sagte, die Gruppe sei an verschiedene Orte gebracht worden, in einigen Fällen gemeinsam mit zivilen Gefangenen, die sichtbare Verletzungen von schweren Misshandlungen gehabt hätten.

Am Dienstag sei das Team dann in ein Gebäude nach Tripolis gebracht worden, von dem sie annahmen, dass es das Hauptquartier des libyschen Auslandsgeheimdienstes sei. Dort hätten sie sich an einer Wand aufstellen müssen, berichtete Cobb-Smith. Ein Mann mit einer kleinen Maschinenpistole habe der Reihe nach jedem die Waffe in den Nacken gedrückt. «Als er mich erreichte, drückte er zwei Mal ab. Die Schüsse gingen an meinem Ohr vorbei», sagte Cobb-Smith.

Journalisten wurden 21 Stunden festgehalten

Auch der türkische BBC-Kameramann Goktay Koraltan sagte, er habe um sein Leben gefürchtet: «Ich dachte, sie würden uns erschiessen. Ich konnte hören, wie Waffen geladen wurden. Ich habe mich zu Tode gefürchtet und gedacht, dies ist der Moment der Hinrichtung.» Er hörte, wie sein Kollege Feras Killani, der in einem andern Raum war, offenbar geschlagen wurde und «Todesqualen litt».

Killani schildert die Misshandlung so: «Einer der Soldaten schlug mich mit seiner Kalaschnikow auf den Rücken.» Zur Scheinhinrichtung sagt er: «Ich dachte: Das ist das Ende».

Insgesamt seien die Männer 21 Stunden festgehalten worden, teilte die BBC mit. Inzwischen hätten sie das Land verlassen. Trotz des Angriffs auf ihre Mitarbeiter werde die BBC weiter über den Konflikt berichten, hiess es von der Senderleitung. «Die BBC verurteilt die Misshandlung unserer Journalisten aufs Schärfste und ruft die libysche Regierung dazu auf, sicherzustellen, dass alle Medien frei berichten können und vor Verfolgung geschützt werden», sagte Liliane Landor.

(ap)