Söldner in Libyen

26. Februar 2011 12:10; Akt: 21.03.2011 17:16 Print

«Wir sind keine schlechten Menschen»

von Paul Schemm, AP - Die Afrikaner in einem Gerichtsgebäude der westlibyschen Stadt Bengasi haben Angst. Sie würden gelyncht werden, würde die Bevölkerung ihren Aufenthaltsort kennen. Doch Menschenrechtsorganisationen glauben an ihre Unschuld.

Söldner mit gelben Hüten schlagen in Bengasi auf Passanten ein. (YouTube)
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In einem Gerichtsgebäude in der ostlibyschen Stadt Bengasi blicken 20 Männer, zusammengepfercht in zwei Gefängniszellen, einem ungewissen Schicksal entgegen. Ihnen wird vorgeworfen, im Auftrag von Machthaber Muammar Gaddafi mit äusserster Brutalität gegen zahlreiche Demonstranten vorgegangen zu sein. Festgesetzt wurden die Männer nach Angaben der Regierungsgegner bei deren erfolgreichem Kampf um Bengasi.

«Wenn die Leute wüssten, dass sie hier drin sind, würden sie die Tür eintreten», sagt Atif el Hasija, Sprecher des örtlichen Organisationskomitees, das in Bengasi die Kontrolle übernommen hat.

«Gewöhnliche afrikanische Arbeiter»

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) glaubt indes an die Unschuld der Inhaftierten. Sie seien nur gewöhnliche afrikanische Arbeiter, die inmitten des Chaos zwischen die Fronten geraten seien, erklärt Peter Bouckaert, der die Gefangenen im Auftrag von HRW besucht. Bei den Unruhen sind möglicherweise schon zahlreiche afrikanische Einwanderer, die im ölreichen Libyen arbeiten, fälschlicherweise für Söldner gehalten und gefangen genommen worden.

«Es ist sehr gefährlich hier. Wir sind unschuldig», ruft einer der im Gerichtsgebäude Inhaftierten unterdessen verzweifelt aus seiner Zelle. «Wir sind keine schlechten Menschen.» Sie hätten nur in der Gegend gearbeitet, hebt einer an, wird jedoch sofort von einem der anwesenden Behördenvertreter niedergeschrien.

Problem für die Stadtverwaltung von Bengasi

Vor diesem Hintergrund dringt Human Rights Watch auf eine Einhaltung rechtlicher Standards bei dem Umgang mit den mutmasslichen Söldnern. Wie dies geschehen könne, sei jedoch noch unklar.

Für die neu formierte Stadtverwaltung könnte das zum Problem werden, sind Gaddafis eingekaufte Schergen doch angesichts ihrer Brutalität vielen im Volk verhasst.

Ein Grossteil der in Libyen agierenden Söldner stamme aus dem Tschad, berichtet HRW unter Berufung auf Quellen aus beiden Ländern. Diese Kämpfer seien nicht eigens rekrutiert worden, um Gaddafi zu schützen, erklärt Bouckaert. Vielmehr seien sie Mitglieder einer tschadischen Rebellengruppe, die Gaddafi seit vielen Jahren finanziell unterstütze. Sollte Gaddafi fallen, würde den Söldnern somit auch ihre Lebensgrundlage entzogen. «Der Einsatz ausländischer Kämpfer ist wirklich Gaddafis letzter Ausweg.»


YouTube-Video: Söldner in Benghazi