«Crime Watch»

15. Oktober 2013 16:24; Akt: 15.10.2013 18:47 Print

Hunderte Hinweise zum Fall Maddie nach TV-Aufruf

Nach der Fernseh-Show zum Fall der entführten Maddie McCann ist der Rücklauf enorm: Fast 1000 Hinweise gingen bei der Polizei ein.

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Am sagt Scotland Yard, dass nun nach einem Mann gesucht werde, der mit einem Kind im Arm den Ferienkomplex in der Algarve verliess, aus dem Maddie im Mai 2007 verschwand. Zudem: Auf einem Balkon unterhalb des Zimmers der McCanns wurden zwei Männer beobachtet. Sie hätten sich dort unterhalten, obgleich das Zimmer nicht belegt gewesen sei. Gegen 23 Uhr seien noch einmal zwei Männer gesehen worden, die sich laut unterhielten. Mit beiden will die Polizei reden. Am präsentierte Scotland Yard neue Phantombilder von möglichen Verdächtigen. Nach neuen, zweijährigen Ermittlungen habe es «bedeutsame Veränderungen» gegeben. Die beiden Bilder zeigen mögliche Entführer, die sich zurzeit des Verschwindens von Maddie in der Ferienanlage Praia da Luz an der Algarve-Küste aufgehalten haben könnten. Die Liste der Verdächtigen ist lang: Der 64-jährige Raymond Hewlett galt seit dem als Verdächtiger im Fall Maddie. Auch er soll sich laut Ermittlern zum Zeitpunkt des Verschwindens in Praia da Luz aufgehalten haben. Im April 2010 starb er an Krebs. Am meldete sich eine Zeugin, die einen verdächtigen Mann mit kragenlangen Haaren, einem Schnurrbart und buschigen Augenbrauen in derselben Ferienanlage gesehen haben will, aus der Madeleine McCann verschwand. Nach ihren Angaben soll der Mann so ausgesehen haben. Der verurteilte Pädophile Hewlett ähnelte verblüffend dem Phantombild, das die Eltern des entführten Mädchens in Umlauf gebracht hatten. Am war bereits ein neues Phantombild mit einem mutmasslichen Entführer des kleinen britischen Mädchens veröffentlicht worden. Das Bild zeigte einen Mann, den eine Zeugin als «sehr hässlich» beschrieben hatte. Die belgische Polizei erstellte diese Zeichnung : Eine Zeugin hatte einen etwa 40-Jährigen mit einem Mädchen in einem Restaurant an einer Autobahn in Tongres, Belgien, gesehen. Er soll in Begleitung einer 25-jährigen Frau gewesen sein. Das erste Phantombild eines möglichen Entführers wurde am veröffentlicht: Eine 36-jährige Britin, die gemeinsam mit den McCanns Urlaub machte, hatte erklärt, einen dunkelharigen Mann gesehen zu haben, der ein Kind trug. Später stellte sich heraus, dass es ein anderer Vater war, der seine Tochter nach Hause brachte.

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Der emotionale Auftritt der Eltern und die detaillierte Darstellung der Polizei haben gewirkt: Der TV-Aufruf im Fall Maddie brachte in Grossbritannien Hunderte Hinweise. Am Mittwoch folgt ein Aufruf im deutschen Fernsehen.

Fast 1000 Anrufe und E-Mails gingen bis Dienstagnachmittag bei der Londoner Polizei Scotland Yard ein, nachdem diese am Montagabend in einer BBC-Sendung neue Erkenntnisse sowie Phantombilder von Gesuchten vorgestellt hatte.

Gemäss der Polizei hatten mehrere Anrufer zum Phantombild eines Mannes denselben Namen genannt. Mit den Hinweisen wurde auch die Hoffnung auf Erfolg der Aktion in Deutschland geweckt.


Aufruf auch in den Niederlanden

Am Mittwoch wird der Aufruf in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» gezeigt. Für Dienstag war geplant, die niederländische Bevölkerung im TV-Fahndungsprogramm «Opsporing verzocht» zur Mithilfe aufzurufen. Zwei der gesuchten Männer könnten Zeugenaussagen zufolge Deutsch oder Niederländisch gesprochen haben.

Zudem waren in der Zeit von Maddies Verschwinden aus einer portugiesischen Ferienanlage im Frühjahr 2007 zahlreiche deutsche und niederländische Touristen vor Ort.

In der ZDF-Sendung werden auch die Eltern von Maddie, Gerry und Kate McCann, sprechen. Für das Fernsehen wurden die Geschehnisse in einem Kurzfilm mit Schauspielern nachempfunden.

Die damals dreijährige Madeleine war am Abend des 3. Mai 2007 aus der Ferienwohnung in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve verschwunden, während ihre Eltern mit Freunden in der Nähe beim Abendessen waren.


Portugiesische Polizei stellte Ermittlungen ein

Die Behörden in Portugal hatten ihre Ermittlungen 2008 ergebnislos eingestellt. Scotland Yard überprüfte diese. Nachdem Zeugenaussagen, Mobilfunkdaten und weiteres Material erneut betrachtet worden waren, habe sich der Schwerpunkt nun verschoben, erklärte der Untersuchungsleiter.

Unter anderem wurde einer der einst Hauptverdächtigen als unschuldiger Vater identifiziert, der sein Kind aus einem Abend-Kindergarten abgeholt hatte. Die Polizei geht jetzt davon aus, dass Madeleine später aus dem Appartement verschwand als zunächst gedacht - was die Möglichkeit eröffnet, dass ihre Mutter einen möglichen Entführer beinahe noch angetroffen hätte, als sie nach Madeleine und ihren beiden Geschwistern schauen wollte.


Polizei geht von vorbereiteter Entführung aus

Die Polizei sucht nun vor allem einen Mann, der mit einem Kind auf dem Weg Richtung Strand gesichtet wurde. Identifiziert werden sollen zudem ein Mann oder mehrere blonde Männer, die sich vor der Entführung in der Nähe des Appartements aufgehalten haben sollen.

Vieles deute auf eine «geplante Entführung» hin, sagte ein Vertreter von Scotland Yard in der Sendung. Er rief Zuschauer und Öffentlichkeit auf, vorgefertigte Meinungen in dem von Spekulationen umgebenen Fall abzulegen und neu nachzudenken: «Wir haben versucht, alles wieder auf null zu setzen, auf Anfang, und von dort neu zu beginnen.»

(sda)