Fall Maddie

14. Oktober 2013 23:54; Akt: 15.10.2013 16:19 Print

Die neuen Erkenntnisse von Scotland Yard

Vor sechs Jahren verschwand Maddie McCann aus einem Hotelzimmer an der Algarve. Nun hat Scotland Yard neue Erkenntnisse zum Fall präsentiert. Bereits sind Hunderte neuer Hinweise bei der Polizei eingegangen.

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Am sagt Scotland Yard, dass nun nach einem Mann gesucht werde, der mit einem Kind im Arm den Ferienkomplex in der Algarve verliess, aus dem Maddie im Mai 2007 verschwand. Zudem: Auf einem Balkon unterhalb des Zimmers der McCanns wurden zwei Männer beobachtet. Sie hätten sich dort unterhalten, obgleich das Zimmer nicht belegt gewesen sei. Gegen 23 Uhr seien noch einmal zwei Männer gesehen worden, die sich laut unterhielten. Mit beiden will die Polizei reden. Am präsentierte Scotland Yard neue Phantombilder von möglichen Verdächtigen. Nach neuen, zweijährigen Ermittlungen habe es «bedeutsame Veränderungen» gegeben. Die beiden Bilder zeigen mögliche Entführer, die sich zurzeit des Verschwindens von Maddie in der Ferienanlage Praia da Luz an der Algarve-Küste aufgehalten haben könnten. Die Liste der Verdächtigen ist lang: Der 64-jährige Raymond Hewlett galt seit dem als Verdächtiger im Fall Maddie. Auch er soll sich laut Ermittlern zum Zeitpunkt des Verschwindens in Praia da Luz aufgehalten haben. Im April 2010 starb er an Krebs. Am meldete sich eine Zeugin, die einen verdächtigen Mann mit kragenlangen Haaren, einem Schnurrbart und buschigen Augenbrauen in derselben Ferienanlage gesehen haben will, aus der Madeleine McCann verschwand. Nach ihren Angaben soll der Mann so ausgesehen haben. Der verurteilte Pädophile Hewlett ähnelte verblüffend dem Phantombild, das die Eltern des entführten Mädchens in Umlauf gebracht hatten. Am war bereits ein neues Phantombild mit einem mutmasslichen Entführer des kleinen britischen Mädchens veröffentlicht worden. Das Bild zeigte einen Mann, den eine Zeugin als «sehr hässlich» beschrieben hatte. Die belgische Polizei erstellte diese Zeichnung : Eine Zeugin hatte einen etwa 40-Jährigen mit einem Mädchen in einem Restaurant an einer Autobahn in Tongres, Belgien, gesehen. Er soll in Begleitung einer 25-jährigen Frau gewesen sein. Das erste Phantombild eines möglichen Entführers wurde am veröffentlicht: Eine 36-jährige Britin, die gemeinsam mit den McCanns Urlaub machte, hatte erklärt, einen dunkelharigen Mann gesehen zu haben, der ein Kind trug. Später stellte sich heraus, dass es ein anderer Vater war, der seine Tochter nach Hause brachte.

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Fehler gesehen?

«Wir sind nicht diejenigen, die etwas falsch gemacht haben», sagt Kate McCann in der Sendung «Crime Watch» von BBC. «Es ist die Person, die in das Zimmer ging und ein kleines Mädchen seiner Familie wegnahm.» Sie nimmt damit Bezug auf die insbesondere von der portugiesischen Polizei erhobenen Vorwürfe, wonach die Eltern selbst hinter dem Verschwinden ihrer Tochter stecken würden.

Die McCanns erzählen auf BBC von der Geburt Maddies. Sie habe laut geschrien und sei wunderschön gewesen, erinnert sich Vater Gerry. Bald kommen die Ferien in Portugal zur Sprache. Wie Maddie ganz verrückt nach dem Pool gewesen sei. Und wie Maddie am Tag ihres Verschwinden sich draussen ausgetobt habe und hundemüde gewesen sei. Die Eltern erzählen, wie sie den Kindern eine Gutenachtgeschichte vorgelesen hätten.

Bald seien die Zwillinge und Maddie eingeschlafen. Gegen neun Uhr seien die Eltern essen gegangen. Gerry habe einmal nach den Kindern gesehen, alle hätten friedlich geschlafen. Um zehn Uhr sah Kate nach den Kindern – nur wenige Minuten, nachdem Maddie entführt wurde, wie die Ermittler heute annehmen. Die Tür sei halb offen gestanden, erzählt Kate weiter, Madeleine sei nicht im Bett gewesen. Erst dachte die Mutter, das Mädchen sei ins Bett der Eltern geschlichen. Doch auch das Bett sei leer gewesen. «Das war der Moment, als die Panik mich erfasste», sagt Kate.

«Wir haben wieder bei null angefangen»

Jane Tanner, eine Freundin, die mit den McCanns zu Abend gegessen hatte, schaute zuvor ebenfalls nach ihren eigenen Kindern. Sie erinnert sich an einen Mann, der ein Kind trug. Bis heute aber blieb diese Beobachtung ohne Folge. Die portugiesische Polizei stellte die Ermittlungen 2008 ein.

Die britische Polizei hat sie wieder aufgenommen. «Wir haben bei null angefangen», so Chefermittler Redwood. Wir wollten alles unvoreingenommen betrachten. Die Polizei hat die Mobiltelefonnummern von Menschen aus 31 Ländern ausfindig gemacht, die sich zur fraglichen Zeit in der Region aufhielten.

Der neue Hauptfokus liege jetzt auf dem Zeitpunkt kurz vor 22 Uhr. Die Beobachtung von Freundin Tanner gewichtet die Polizei jetzt weniger wichtig als die einer irischen Familie. Der Mann, den die Freundin gesehen hatte, konnte im Nachhinein ausfindig gemacht werden. Er hatte seine Tochter zum Schlafen gebracht.

Die irische Familie hingegen sah gegen 22 Uhr, wie ein Mann ebenfalls mit einem Kind im Pyjama im Arm den Ferienkomplex verliess und zum Strand ging. «Das könnte der Mann sein, der Madeleine entführt hat», so der Chefermittler. Das würde auch heissen: Kate McCann hätte den Entführer ihrer Tochter nur um Minuten verpasst.

Es könnte aber auch eine ganz normale Erklärung für die Beobachtung geben. Deswegen sei es so wichtig, mit dem Mann zu reden, so Redwood.

Hat Maddie Einbrecher gestört?

Zudem: Auf einem Balkon unterhalb des Zimmers der McCanns wurden zwei Männer beobachtet. Sie hätten sich dort unterhalten, obgleich das Zimmer nicht belegt gewesen sei. Gegen 23 Uhr seien noch einmal zwei Männer gesehen worden, die sich laut unterhalten hätten. Mit beiden will die Polizei reden.

Gemäss Chefermittler Redwood gibt es noch einen dritten Emittlungsstrang. Es habe zu dieser Zeit in der Region eine Reihe von Einbrüchen gegeben. «Es ist möglich, dass Maddie einen Einbrecher störte.» Die McCanns bekräftigen auf BBC, dass sie ihre Hoffnung, Maddie wiederzufinden, nicht aufgegeben hätten.
(Video: Reuters)

(gux)