Pakistan

08. Dezember 2008 12:41; Akt: 08.12.2008 15:39 Print

Drahtzieher der Anschläge von Mumbai gefasst

Eineinhalb Wochen nach dem Terroranschlag von Mumbai haben die pakistanischen Sicherheitskräfte einen der von Indien gesuchten mutmasslichen Drahtzieher festgenommen.

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Wie aus Kreisen der Sicherheitskräfte in Islamabad verlautete, wurde Zaki-ur-Rehman Lakhvi in einem Lager militanter Islamisten festgenommen, das am Sonntag von den pakistanischen Streitkräften gestürmt wurde. Bei den Terrorangriffen in Mumbai kamen in der vorletzten Woche 171 Menschen ums Leben.

Die indischen Behörden hatten erklärt, der einzige festgenommene Attentäter von Mumbai habe ausgesagt, dass Lakhvi ihn angeworben habe. Lakhvi und ein weiterer Islamist, Yusuf Muzammil, seien die Drahtzieher gewesen, hiess es in Indien.

Die Erstürmung des Lagers im pakistanischen Teil der zwischen beiden Ländern umstrittenen Region Kaschmir war das erste sichtbare Zeichen, dass Pakistan auf die Forderungen Indiens und der USA nach einem härteren Vorgehen gegen die Islamisten eingeht. Die Soldaten griffen mit Hubschrauberunterstützung an. In dem Lager wurden mindestens zwölf Menschen festgenommen, wie es hiess. Es gab einen kurzen Schusswechsel.

Aus Geheimdienstkreisen verlautete, das Lager in der Nähe der Stadt Muzaffarabad sei bis 2004 von der schon 2002 verbotenen Gruppe Lashkar-e-Taiba genutzt worden. Indien hat die Organisation für die Anschläge in Mumbai verantwortlich gemacht. Zuletzt habe die Dachorganisation Jamaat-ud-Dawa das Lager zu Ausbildungszwecken genutzt, hiess es weiter.

Lashkar-e-Taiba wurde nach Einschätzung von Experten in den 80er Jahren mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes gegründet, um gegen die indische Herrschaft in einem Teil Kaschmirs zu kämpfen. Die Zeitung «The New York Times» berichtete am Montag unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstquellen, Lashkar habe in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI an Stärke gewonnen. ISI habe Informationen an die Gruppe weitergegeben und sie vor Strafverfolgung geschützt. Es gebe allerdings keine Beweise, dass Lashkar-e-Taiba in die Anschläge von Mumbai verwickelt sei.

Erneut Lkw-Depot angegriffen

Militante Kämpfer in Pakistan griffen unterdessen erneut ein Lkw-Depot an, von dem aus die NATO-Truppen in Afghanistan versorgt werden. Augenzeugen berichteten von einer Explosion. Anschliessend hätten mehrere Kämpfer das Gelände in Peshawar gestürmt. Mehrere Militärfahrzeuge stünden in Flammen.

Erst am Sonntag war bei einem Überfall auf ein Lkw-Depot in Nordwestpakistan ein Polizist ums Leben gekommen. Die Angreifer setzten 62 Lastwagen der Einrichtung in Brand, die der Versorgung von NATO-Truppen in Afghanistan dient. Es wird vermutet, dass Extremisten der Taliban-Miliz den Nachschub für die internationalen Truppen in Afghanistan treffen wollen, der zu einem grossen Teil von Pakistan aus über den Khyber-Pass geführt wird.

(ap)