Abhörskandal

01. Mai 2012 15:15; Akt: 01.05.2012 15:23 Print

Murdoch als Konzernchef «nicht geeignet»

Wegen des Abhörskandals bei der inzwischen eingestellten Boulevard-Zeitung «News of the World» hat eine britische Parlamentskommission Medienmogul Rupert Murdoch als Konzernchef für «nicht geeignet» erklärt.

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Der Medienmogul gibt sich unwissend: MewsCorp-Konzernchef Rupert Murdoch steht am 26. April 2012 vor dem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments Red und Antwort.

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Angesichts der illegalen Praktiken der Mitarbeiter des Blattes habe sich Murdoch «blind gestellt», erklärte das Gremium am Dienstag in einem 121 Seiten starken Bericht zu den Vorgängen. Rupert Murdoch und sein ebenfalls an der Konzernspitze tätiger Sohn James sollten sich darauf einstellen, für die Vorgänge zur Verantwortung gezogen zu werden.

Die Kommission hatte die Affäre um illegale Recherche-Methoden im Murdoch-Konzern unter die Lupe genommen. Das Ergebnis des Berichtes könnte Auswirkungen auf das Engagement Murdochs beim britischen Fernsehkonzern BSkyB haben.

Derzeit hält Murdochs US-Konzern News Corporation 39,1 Prozent an der britischen Gruppe. Ein Versuch Murdochs, auch die restlichen Anteile zu übernehmen, war bereits an der Abhöraffäre gescheitert. Auch die britische Medienaufsicht Ofcom untersucht die Frage, ob der Murdoch-Konzern geeignet ist, eine Fernsehlizenz in Grossbritannien zu halten.

Camerons Medienminister in Bedrängnis

In den vergangenen Jahren waren von Reportern der «News of the World» unter anderem die Telefone von Prominenten und Verbrechensopfern angezapft worden. Redaktoren der Murdoch-Zeitung «Sun» stehen im Verdacht, Polizisten bestochen zu haben.

Die Affäre hat inzwischen auch die britische Regierung von Premierminister David Cameron erreicht. Diese hatte den beabsichtigten BSkyB-Deal durchgewinkt. Im Nachhinein wurden enge Kontakte von Camerons Medienminister Jeremy Hunt zu Murdoch und dessen Lobbyisten bekannt.

«News of the World» gehörte zu Murdochs Medien-Imperium News Corporation. Journalisten des Boulevardblatts hatten über Jahre insgesamt rund 800 Politiker, Prominente sowie Anschlags- und Entführungsopfer abgehört. Die Zeitung war im Juli vergangenen Jahres eingestellt worden.

Die Untersuchungskommission bestand aus jeweils fünf Abgeordneten der Konservativen und der Labour-Partei sowie einem Liberaldemokraten. Sie empfahl, das Londoner Unterhaus solle die erforderlichen Sanktionen wegen des Abhörskandals beschliessen.

Zu den Mitschuldigen zählte die Kommission den früheren Chef von News International, Les Hinton, den «News of the World»-Herausgeber Colin Myler und den früheren Leiter der Rechtsabteilung bei News International, Tom Crone.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel fischer am 01.05.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pfff, politiker

    Bei aller berechtigten kritik an murdoch, irgendwelche politiker haben nicht das recht zu so einem urteil. Seine befaehigung sieht man an der unternehmensgroesse...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel fischer am 01.05.2012 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pfff, politiker

    Bei aller berechtigten kritik an murdoch, irgendwelche politiker haben nicht das recht zu so einem urteil. Seine befaehigung sieht man an der unternehmensgroesse...

    • T.H. am 01.05.2012 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      Frage des Erfolgs?

      Ist es denn eine Frage des Erfolgs? Es gibt doch im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder, er hatte keine Ahnung von all den skandalösen Vorfällen. Dann hat er als Konzernchef einfach versagt, weil die nötigen Kontrollstellen fehlten oder unseriös besetzt wurden. Oder aber, er hatte davon Kenntnis. Dann hat er sich schlichtweg einen Dreck um die Verantwortung seiner Position und seines Unternehmens gekümmert. Beides ist meiner Ansicht nach fast gleichermasse disqualifizierend.

    • Ruth am 02.05.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Seine Befähigung?

      Also bitte. Der Mann ist nicht zum Milliardär geworden weil er so ein freundlicher Mensch ist. Sein Unternehmen wurde immer wieder mit Skandalen in Verbindung gebracht.

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