Murdoch-Managerin

11. Mai 2012 16:29; Akt: 11.05.2012 16:41 Print

Cameron mit «Lots of Love» für Brooks

Im britischen Abhörskandal hat die frühere Murdoch-Verlagschefin Rebekah Brooks ausgesagt. Es ging dabei um ihr Verhältnis zum britischen Premier David Cameron.

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Zum Imperium des 80 Jahre alten Medienzars aus Australien gehören in Grossbritannien neben dem inzwischen eingestellten Blatt «News of the World» auch die Boulevardzeitung «The Sun» sowie die Qualitätsblätter «The Times» und «Sunday Times». Murdoch kontrolliert 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch wollte seine Medienmacht mit einem milliardenschweren Anteils-Zukauf beim Sender BSkyB weiter ausbauen, musste dies aber zunächst aufgeben. Murdoch pflegt engste Kontakte zu Spitzenpolitikern. Schon lange galt in Grossbritannien als offenes Geheimnis: «Murdoch gewinnt Wahlen.» Er gilt als Kronprinz im Medienimperium seines Vaters. Bei der britischen Senderkette BSkyB, an der Murdoch 39 Prozent hält, war der 38-Jährige zunächst Vorstandschef, zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender. Der in London geborene James leitet die Europa-Aktivitäten für News Corp. Sein Stern könnte mit der Abhöraffäre sinken. BSkyB-Aktionäre diskutieren offen seine Ablösung. Die «Power-Frau» in der Macho-Welt des britischen Boulevardjournalismus war bis 2003 Chefredakteurin von «News of the World» - just in der Zeit, in der das illegale Abhören bei der Zeitung zum System zu gehören schien. Die 43-Jährige mit der roten Lockenmähne wechselte dann zur «Sun» und leitete bis zu ihrem Rücktritt am 15. Juli 2011 als Verlagsmanagerin die Medienholding News International, zu der alle britischen Murdoch- Zeitungen gehören. Wegen ihrer engen Kontakte in die Downing Street könnte sie für Regierungschef David Cameron zur Belastung werden. Auch der Nachfolger von Brooks als Chefredakteur von «News of the World» könnte für Premierminister David Cameron zur Zeitbombe werden. Obwohl Coulson schon 2007 wegen des Skandals als Chefredakteur abtrat, gab Cameron ihm eine «zweite Chance» und machte ihn schliesslich zum Kommunikationschef. Zum wohl einflussreichsten Strippenzieher der Downing Street aufgestiegen, musste Coulson im Januar 2011 auch dort gehen. Der 43- Jährige wird nicht nur beschuldigt, er habe von den Praktiken seiner Reporter gewusst - ihm wird sogar vorgeworfen, Schmiergeldzahlungen an Polizisten abgesegnet zu haben. Am 8. Juli 2011 wurde er vorübergehend von der Polizei festgenommen. Der am 18. Juli 2011 im Alter von 47 Jahren gestorbene Ex- Journalist hat Coulson als erster schwer belastet. Der «New York Times» hatte der ehemalige Showbusiness-Reporter von «News ot the World» erzählt, wie sein früherer Freund Coulson ihn persönlich animierte, «schwarze Künste» anzuwenden. Hoare galt als alkohol- und drogenabhängig und wurde aus diesem Grund schon 2005 von Coulson gefeuert. Dem «Guardian» hatte er vor seinem Tod erzählt, wie er täglich drei Gramm Kokain und Unmengen Alkohol konsumierte, um im Leben von Rockstars mitzuhalten. Sein Arzt habe sich schon vor Wochen gewundert, dass er überhaupt noch am Leben sei, sagte er der Zeitung. Der 57-Jährige stand nur zweieinhalb Jahre an der Spitze der renommierten Londoner Polizeibehörde Scotland Yard. Er musste zurücktreten wegen seiner Nähe zu dem früheren «News- of-the-World»-Reporter Neil Wallis, den er als PR-Strategen anheuerte. Zusammen mit seiner Frau hatte Stephenson sich einen Kuraufenthalt teilweise bezahlen lassen. Auch für die Kureinrichtung machte Wallis die Werbung. Beamte von Scotland Yard sollen ferner Geld von Journalisten angenommen haben, um Informationen herauszugeben. Reporter sollen sogar Zugang zu spezieller Polizeitechnik bei der Ortung von Zielpersonen erhalten haben. Er war einer der Männer hinter Stephenson bei Scotland Yard und im Jahr 2009 dafür verantwortlich, dass eine erneute Untersuchung des wieder aufgeflammten Abhörskandals unterblieb. Lediglich acht Stunden soll er das umfangreiche Material geprüft haben, ehe er die Akten vorschnell schloss. Yates sprach damals von «acht bis zwölf» Betroffenen der Abhöraffäre - in Wirklichkeit waren es 4000. Yates, der früher für die Terrorismusbekämpfung in Grossbritannien zuständig war, wird ebenfalls eine ungesunde Nähe zu Neil Wallis nachgesagt. Auch dessen Tochter soll er einen Job bei Scotland Yard verschafft haben. Er selbst hat nach eigener Aussage ein «reines Gewissen» und fühlt sich als Opfer falscher Anschuldigungen. Der ehemalige Journalist von «News of the World» wird vorgeworfen, im Jahr 2002 das Telefon der vermissten Milly Dowler angezapft und willkürlich Nachrichten von der Mailbox der 13-Jährigen gelöscht zu haben - alles für eine exklusive Geschichte. Das wäre allerdings nicht das erste Mal, dass der Reporter auf illegale Weise zu seinem Material kam. Dem früheren Königshausberichterstatter wurde nachgewiesen, die Telefone von Mitarbeitern der britischen Royals und den Prinzen William und Harry abgehört zu haben. Im Januar 2007 wurde er deswegen zu vier Monaten Haft verurteilt. Der Privatdetektiv soll zusammen mit Goodman illegale Recherchemethoden angewandt haben. Mulcaire bespitzelte Prominente wie die Hollywood-Schauspieler Sienna Miller, Jude Law oder Hugh Grant. Der 40-Jährige behauptet, von «News of the World» für «Recherche- und Informationsdienste» verpflichtet worden zu sein. Dabei macht er seinen Arbeitgeber für sein Tun verantwortlich: «Ich stand unter Druck. Die wollten ständig neue Informationen haben.» Mulcaire musste seine illegale Abhörmethode im Gefängnis büssen - sechs Monate lang.

Die Hauptfiguren im Abhörskandal.

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Die frühere Murdoch-Verlagschefin Rebekah Brooks hat vor einem Untersuchungsausschuss ihre enge freundschaftliche Beziehung zu Premierminister David Cameron offengelegt. Cameron habe ihr zahlreiche Handy-Kurznachrichten geschickt, sagte sie am Freitag unter Eid im sogenannten Leveson-Ausschuss aus.

Meist habe der Regierungschef mit dem Kürzel «DC» unterzeichnet. Bisweilen habe er unter seine SMS-Nachrichten auch das Kürzel «LOL» gesetzt. Sie habe ihm dann aber erklärt, dass dies nicht etwa - wie von ihm vermutet - «Lots of Love» (»Viel Liebe») bedeutet, sondern «Laughing out Loud» (»Lautes Lachen»). Dann habe er nur noch mit «DC» unterzeichnet.

Brooks gilt als eine der Schlüsselfiguren in der Abhör- und Bestechungsaffäre bei den britischen Murdoch-Zeitungen «News of the World» und «The Sun». Bei beiden Blättern war sie Chefredaktorin, bevor sie als Vorstandschefin zur Zeitungsholding «News International» wechselte, in der neben den beiden Blättern auch die «Times» und die «Sunday Times» erschienen.

Auf dem Höhepunkt der Abhöraffäre im vergangenen Sommer musste Brooks ihr Amt abgeben. Sie wurde inzwischen zweimal von der Polizei unter anderem wegen Korruptionsverdachts festgenommen und auf Kaution wieder freigelassen.


Cameron unter Druck


Als sie zurücktreten musste, hätten sowohl Cameron als auch Schatzkanzler George Osborne sowie der frühere Premierminister Tony Blair ihr «indirekt» ihr Mitleid ausgedrückt. Cameron habe bedauert, dass er nicht loyaler zu ihr sein könne.

Der britische Regierungschef war in der Murdoch-Affäre wegen seiner Nähe zu Brooks mehrmals unter Druck geraten. Unter anderem hatte er zugeben müssen, bei einem gemeinsamen Ausritt auf dem Pferd gesessen zu haben, das Scotland Yard als Dauerleihgabe an die Medienmanagerin gegeben hatte.

(sda)

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