Israels Skandalsoldatin

17. August 2010 12:05; Akt: 17.08.2010 12:12 Print

«Es ist doch nichts Böses dabei»

Die israelische Soldatin, die Fotos von gefangenen Palästinensern ins Internet gestellt hat, will ihre Aktion als Witz verstanden haben: «Den Palästinensern auf dem Bild geht es ja gut.»

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«Es war alles nur ein Witz. Ich habe den Palästinenser auf dem Bild nichts Böses getan», sagt Eden Abergil jetzt.

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Seit Montag kann die 21-jährige Eden Abergil aus Ashdod, im Süden Israels, nicht mehr aus dem Haus. Sie versucht der Flut von Protesten und der Medienbelagerung zu entkommen. Aber auch im Haus ist es nicht ruhiger. Ständig läute das Telefon, beklagt sie sich. Kein Wunder: Abergil stellte vor wenigen Tagen 55 Fotos aus ihrer Zeit als Reservistin in der israelischen Armee in ihr Facebook-Profil.

Zwei dieser Bilder gelangten an das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Auf einem der Bilder ist die uniformierte Frau neben einem palästinensischen Gefangenen zu sehen, dem die Augen verbunden sind. Auf dem anderen steht die Soldatin lächelnd vor drei palästinensischen Gefangenen, denen Handschellen angelegt und die Augen verbunden wurden.

Facebook-Account wurde gesperrt

Abergils Facebook-Konto wurde kurz nach der Veröffentlichung der Bilder gesperrt. Die Soldatin hatte mehrere Beschimpfungen und Morddrohungen erhalten. «Du hast nicht mehr lang zu leben» oder «Du bist eine Schlampe und wirst teuer dafür bezahlen», schrieben linke Militante in ihr Profil. Andere machten sich über die Bilder lustig: «Du siehst schärfer denn je aus.»

Auch die israelische Armee hat die junge Frau nun aus ihren Listen gestrichen. Man überlege sich sogar, Abergil vor Gericht zu bringen. «Sie hat diese Fotos gemacht, als sie Israels Armee diente. Also ist unser Land verantwortlich für ihre Handlungen und hat nun wegen ihr internationales Recht verletzt», hiess es am Montagabend aus dem Justizministerium in Ramallah. Die Soldatin habe zudem grundsätzliche Regeln der Armee verletzt. Seit Jahren versuche die Militärpolizei den Soldaten beizubringen, keine Bilder auf soziale Netzwerke zu laden.

«Ob er wohl ein Facebook-Account hat»

Doch trotz den negativen Auswirkungen nach dem Skandal zeigt Abergil keine Anzeichen von Reue: «Es war alles nur ein Witz. Ich habe den Palästinensern auf dem Bild nichts Böses getan. Ich gab ihnen immer Wasser, zu essen und Kleider. Wer sich jetzt um sein Leben fürchten muss, das bin ich», gibt sie im Interview mit der spanischen Tageszeitung «El Mundo» zu Protokoll.

Die Reaktion der Armee habe sie verletzt, sagt sie. «Sie riefen heute Morgen an, um mir mitzuteilen, dass ich vom Dienst der Reservisten entlassen wurde. Ich hätte es nicht verdient, bei ihnen zu dienen», so Abergil weiter. «Ich bin sehr enttäuscht, denn ich würde mein Leben für die Armee geben. Während meines Dienstes wurde mein rechtes Ohr sehr beschädigt. Aber ich habe mich nie beklagt.»

«Schauen Sie sich die Bilder an», fordert Abergil den Journalisten auf. «Sie werden sehen, dass es keine obszöne oder demütigende Gesten gibt. Wir haben einfach ein paar Bilder geschossen und ich habe sie auf Facebook raufgeladen.» Dass sie das Album mit «der schönsten Zeit meines Lebens» beschrieben hat, findet sie nicht besonders «böse». Ebenfalls, dass sie einzelne Bilder mit witzigen Legenden beschrieben hat. «Ich würde gerne wissen, ob er ein Facebook-Account hat», stand in Bezug auf einen der Gefangenen auf ihren Bildern. «Dann könnte ich ihn nämlich markieren.»

(kle)