Presseschau

29. Dezember 2008 14:22; Akt: 29.12.2008 14:36 Print

«Der (Irr-)Glaube an die Armee ist allmächtig»

von Peter Blunschi - Israels Militäraktion in Gaza erinnert die Kommentatoren der internationalen Medien an das Desaster des Libanon-Kriegs 2006. Die Unterstützung für Hamas könnte zunehmen und der grosse Gewinner Iran heissen.

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Palästinensische Zivilisten und Sanitäter fliehen während eines israelischen Luftangriffs auf eine UNO-Schule in Beit Lahia im nördlichen Gazastreifen, 17. Januar 2009. Die getroffene Schule in Beit Lahia am 17. Januar 2009. Zerstörte Gebäude im nördlichen Gazastreifen am 17. Januar 2009. Ein israelischer Kampfhubschrauber über Gaza Stadt, 17. Januar 2009. Ultra-Orthodoxe Juden stehen bei einem durch palästinensischen Raketenbeschuss beschädigten Haus in Tifrah am 17. Januar 2009 Sicht auf den Gazastreifen von der israelischen Seite, 15. Januar 2009. Israelische Panzer in der Nähe von Atatra im Gazastreifen. Ein israelischer Soldat weist einen Panzer ein im nördlichen Gazastreifen. Palästinensische Feuerwehrmänner im UNO-Hauptquartier in Gaza Stadt, nachdem es von israelischen Geschossen getroffen wurde. Feuerwehrmänner beim UNO-Hauptquartier in Gaza Stadt. Rauch steigt über einem Aussenbezirk von Gaza Stadt auf. Nördlicher Gazastreifen Palästinenser betrachten einen Krater, der bei der Bomabardierung des Hauses entstand in dem Hamas-Inneminister Said Siam am 15. Januar in Gaza Stadt starb. Palästinenser beim Haus, in dem Said Siam starb. Palästinenser beim Haus, in dem Said Siam starb. Ein Verletzter wird geborgen, nachdem das Haus, in dem sich Said Siam aufhielt, bombardiert wurde. Hamas-Inneminister Said Siam in Gaza Stadt. Archiv-Aufnahme vom Palästinenser betrachten den Schaden, den der Beschuss des Bezirks Scheich Radwan in Gaza Stadt angerichtet hat, 14. Januar 2009. Feuerlöschen in Gaza Stadt. Ein Mann ruft um Hilfe, nach dem Einschlag eines israelischen Geschosses in Gaza Stadt. Ein Mann versucht ein Feuer zu löschen in Gaza Stadt, 14. Januar 2009. Explosion nach israelischem Beschuss in Gaza Stadt, 13. Januar 2009. Ein israelischer Panzer auf der palästinensischen Seite der Grenzmauer zum Gazastreifen, 13. Januar 2009. Hauptmann Or von der israelischen Luftwaffe. Sein Gesicht kann aufgrund von Zensurvorschriften nicht gezeigt werden. Luftwaffenbasis Ramon, südliche Negev-Wüste, 13. Januar 2009. Detonation in Rafah am 13. Januar 2009. Gaza Stadt am 13. Januar 2009. Israelische Soldaten marschieren am 12. Januar 2009 auf Gaza-Stadt zu. Ein israelischer Reservist macht Rast. Israelische Soldaten marschieren am 12. Januar 2009 auf Gaza Stadt zu. Feuer über Gaza Stadt am 13. Januar 2009. Israelische Soldaten marschieren am 12. Januar 2009 auf Gaza Stadt zu. Israelische Soldaten marschieren am 12. Januar 2009 auf Gaza Stadt zu. Salwa al-Dali zeigt im Flüchtlingslager Shati ihren leeren Kühlschrank. Im Visier. Hamas-Führer Ismail Haniya verspricht auf dem hauseigenen TV-Sender am 12. Januar 2009 den Sieg über Israel. Rauch über Gaza Stadt am 12. Januar 2009. Eine zerstörte islamische Schule in Rafah am 11. Januar 2009. Israelis beobachten den Kriegsverlauf auf einem Hügel im Kibbutz Nir Am. Eine palästinensische Familie transportiert ihre Habseligkeiten. Ein Palästinenser inspiziert den Einschlag einer israelischen Rakete. Warten auf den Einsatz: ein Panzer der israelischen Armee. Eine Rakete fliegt aus dem Gazastreifen in Richtung Israel. Israel wirft der Hamas vor, die Raketen aus Wohngebieten heraus abzufeuern. Köder, abgeworfen von einem israelischen Helikopter Palästinenser beerdigen die Opfer des Beschusses einer UNO-Schule im Flüchtlingslager Jubalia im nördlichen Gazastreifen, 7. Januar. John Ging (links), Leiter des UNO Hilfswerks besichtigt am 7. Januar die UNO-Schule, die tags zuvor unter israelischen Beschuss geriet und wo mindestens 30 Menschen starben. Israelische mobile Artillerie feuert am 6. Januar auf ein Ziel im südlichen Gazastreifen. Rauch steigt auf über einem Aussenbezirk von Gaza Stadt, nach heftigen Gefechten zwischen der israelischen Armee und Hamas-Milizionären am 5. Januar 2009. Israelisches Artilleriefeuer am 4. Januar 2009. Israelische Soldaten bereiten ihre Panzer ausserhalb des Gazastreifens vor, 5. Januar 2009. Palästinenser mit ihren Habseligkeiten, nachdem ihr Haus zerstört wurde, 5. Januar 2009. Ein Mann trägt ein Mädchen ins Spital in Gaza Stadt. Nach palästinensischen Angaben wurde das Mädchen durch einen israelischen Luftangriff getötet, 5. Januar 2009. Verwandte versammeln sich um die Leiche von Nadia Saad (15) im Leichenschauhaus des Schifa-Spitals in Gaza Stadt am 5. Januar 2009. Palästinensisches Spitalpersonal fährt ein verletztes Mädchen zur Behandlung in Beit Lahia. Ägyptische Ambulanz-Ärzte betrachten den Rauch, der nach einem israelischen Luftangriff nahe der Grenze zum Gazastreifen aufsteigt, 5. Januar 2009. In der israelischen Stadt Aschdod wurde am 5. Januar ein Kindergarten von einer Hamas-Rakete getroffen. Er war glücklicherweise leer. Ein israelischer Panzer in einem Aufmarschgebiet nahe des Gazastreifens, 3. Januar 2009. Mit Artillerie wurden Ziele im Gazastreifen vor der Bodenoffensive am 3. Januar 2009 unter Beschuss genommen. Eine Granate schlägt im nördlichen Gazastreifen ein. Ein israelischer Soldat bezieht Position an der nördlichen Grenze zum Gazastreifen. Die Luftwaffe flog auch am 3. Januar viele Angriffe, wie hier in Beit Lahia. In Beit Lahia wurde die «American International School» dem Erdboden gleichgemacht. Explosion in Gaza Stadt. In Rafah im südlichen Gazastreifen. Im nördlichen Gazastreifen. Eine palästinensische Rakete hinterlässt eine Rauchspur über Gaza Stadt. Ein israelischer Jugendlicher sitzt auf einem beschädigten Bunker, nachdem dieser von einer palästinensischen Rakete getroffen wurde. Ein Palästinenser blickt aus einem Fenster im Flüchtlingslager in Rafah. Ein palästinensischer Feuerwehrmann versucht eine brennende Druckerei zu löschen. Israelische Araber protestieren in Saknin am 3. Januar 2009. Hamas-Führer Nizar Rian, der am 1. Januar von einer israelischen Rakete getötet wurde. Szene der Zerstörung: Das Haus des getöteten Nizar Rian. Ein verletztes palästinensisches Mädchen wird ins Shifa Spital getragen. Eine israelische Missile explodiert. Eine Israelin in Ashdod. Ein israelischer Soldat vor Panzern. Israel bringt Panzer in Position. Ein palästinensisches Paar flüchtet vor den Angriffen. Ein Schaufenster in Ashkelon, zerstört von einer palästinensischen Rakete. Blockierte Lastwagen vor der Grenze zum Gazastreifen. Ein persönliches Zusammentreffen inmitten des Krieges. In Riad werden Hilfslieferungen verladen. Israelische Soldaten während des Gebetes. Ein drusischer Geistlicher weint an der Beerdigung von Lutafi Nasrallah Din, der von einer palästinensischen Rakete getroffen wurde. Ein verletzter Palästinenser wird in eine Ambulanz geladen. Eine weitere Rakete fliegt aus dem Gazastreifen. Israelische Soldaten schützen sich vor dem Tränengas. Die palästinensischen Spitäler sind überfüllt. Ein isralischer Soldat wird abtransportiert – er wurde von einer Rakete getroffen. Das Warten vor der Bodenoffensive? Eine Frau trauert um ihre Söhne. Noch immer fliegen Qassam-Raketen der Hamas nach Israel. Soldaten suchen nach Steinewerfern, während im Auto Palästinenser auf die Reise nach Jerusalem warten. Palästinensische Steinewerfer ducken sich hinter einer Barrikade. Israelische Soldaten feiern Hanukkah. Lagebesprechung im Dunkeln Ein Palästinenser wehrt sich mit Steinen gegen Bomben. Gibt es noch Hoffnung für den Gazastreifen? Palästinensische Gefängnisinsassen machen sich aus dem Staub, nachdem das Zentralgefängnis Saraya in Gaza City bombardiert wurde (28. Dezember 2008). Ein Arzt (im Vordergrund) und fliehende Häftlinge beim Gefängnis Saraya. Rauch steigt aus dem getroffenen Gefängnis Saraya auf. Palästinenser besichtigen ein zerstörtes, von der Hamas benutztes Haus in Gaza City, 28. Dezember 2008. Ein am 28. Dezember bombardiertes Gebäude in Gaza City. Explosion im nördlichen Gazastreifen am 27. Dezember 2008. Rauchsäulen im Norden des Gazastreifens. Aufgenommen in der israelischen Gemeinde Netiv Hasara. Ein Hamas-Polizist empört sich am Ort, wo mehrere andere durch eine israelische Rakete getötet wurden in Gaza Stadt. Ein verletzter palästinensischer Gefängnisinsasse schreit nach Hilfe. Palästinenser inspizieren ein zerbombtes Gebäude, das den Hamas-Sicherheitskräften gehört. Explosion an der nördlichen Grenze des Gaza-Streifens zu Israel. Eine Explosion im nördlichen Gaza-Streifen, nach Abschuss einer Rakete von einem israelischen F-16 -Kampfjet. Ein Hamas-Polizist vor dem ehemaligen Hauptquartier von Präsident Abbas in Gaza City. Das zerstörte Hauptquartier von Präsident Abbas in Gaza City. Zerstörte Hamas-Büros in Gaza City. Ein Opfer wird aus den Trümmern geborgen. Ein Verletzter wird in ein Spital gebracht. Ein israelischer Polizist inspiziert den Schaden an einem Haus in Netivot, das von einer palästinensischen Rakete getroffen wurde und einen Mann tötete. Israelische Patienten warten im Bunker des Aschkelon-Barzily -Spitals. Israelische Sicherheitsbeamte streiten sich mit israelischen Friedensaktivisten, die gegen die Angriffe protestieren. Feuer brennen während Protesten im Schuafat -Flüchtlingslager im Westjordanland. Jugendliche Palästinenser werfen Steine im Jerusalemer Vorort A-tur. Israelische Soldaten beziehen Position während Zusammenstössen mit palästinensischen Demonstranten in Hebron im Westjordanland. Palästinenser der Fatah-Partei zünden Autoreifen an im Flüchtlingslager Ein el-Hilweh im Libanon. Linksgerichtete Libanesen an einem Protest vor der ägyptischen Botschaft in Beirut. Demonstration in Amman, Jordanien. Amman, Jordanien. Amman, Jordanien. Der Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Mehdi Akef, spricht zu Medien während Protesten in Kairo, Ägypten. Kairo, Ägypten Sudanesen und Palästinenser, die im Sudan leben, protestieren in Khartum.

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«Einiges an dieser grossangelegten militärischen Vergeltungsaktion erinnert an den fatalen Libanon-Krieg im Sommer 2006», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung». Dieser gelte im Rückblick «selbst in israelischen Augen als Desaster», betont die «Basler Zeitung». Für den Berner «Bund» ist deshalb klar: «Auch hier gibt es Hunderte von Toten, auch hier wird Israel seine Ziele nicht erreichen, und Hamas wird, wie einst die Hisbollah, gestärkt aus dem israelischen Stahlgewitter herauskommen.»

Selbst die israelfreundliche «New York Times» zweifelt daran, dass es der Armee gelingen wird, ihre im Libanon verlorene Abschreckungskraft zurückzugewinnen. Noch seien Regierung und Militär mit dem Verlauf der Operation zufrieden. «Wenige beachten die Tatsache, dass zu Beginn des Libanon-Kriegs 2006 die gleiche Zufriedenheit herrschte – ehe sich das Desaster entwickelte». In Israel sei «der (Irr-)Glaube an die Armee allmächtig» und laufe «quer durch alle Bevölkerungsschichten», so der Kommentar in der «Süddeutschen Zeitung». Das Militär solle richten, was die Politik nicht schaffe: Ruhe stiften. «Doch die massiven israelischen Vergeltungsschläge werden nur Unruhe auslösen.»

«So imponierend die Militäroffensive im Gazastreifen erscheinen will, sie offenbart nicht die Stärke, sondern die Schwäche Israels», meint der «Tages Anzeiger». Mehr denn je brauche das Land internationale Hilfe, «um aus dieser selbstverschuldeten Krise zu finden». Auch für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» ist klar: «Wenn es nicht bald gelingt, erfolgreich und dauerhaft zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln, steht dem Nahen Osten ein neues blutiges Jahr bevor.» Ein stärkeres internationales Engagement sei gefragt, schreibt die Zeitung und hofft auf Barack Obama. Er verstehe die Region vielleicht besser als George W. Bush, «dem der Orient immer eine zutiefst verschlossene Welt geblieben ist».

Andere Blätter sind weniger optimistisch. Israel habe kaum eine andere Wahl gehabt, als auf die Angriffe von Hamas zu antworten, meint die konservative Londoner «Times». Doch sein tödliches Vorgehen «zerstört die Hoffnungen auf den bereits angeschlagenen Nahost-Friedensplan». Auch für den liberalen «Guardian» hat Israels Vorgehen nichts anderes bewirkt als die Lähmung jenes Prozesses, «den Israelis und Palästinenser brauchen, um in Frieden zu überleben». Die Unterstützung für Hamas könnte als Folge der Luftschläge noch zunehmen. Auch der Analyst der «BBC» glaubt, dass die Palästinenser unter Beschuss ihre Differenzen überwinden und sich «gegen den gemeinsamen Feind» vereinigen könnten.

Die «Washington Post» sieht vor allem einen Gewinner: Iran. Während Wochen, vielleicht sogar Monaten würden sich alle Augen auf Gaza richten und weg vom iranischen Atomprogramm. Weshalb die US-Zeitung deutliche Kritik übt: «Israel hätte vielleicht den Kampf vermeiden und einen diplomatischen Vorteil erringen können, wenn es die Wirtschaftsblockade gelockert hätte.» Nun werde es in einen kostspieligen Kampf verwickelt, der letztlich eine Ablenkung von seiner ernsthaftesten Bedrohung darstelle.

In israelischen Medien gibt es bislang kaum Kritik am Vorgehen von Regierung und Armee. «Hamas muss gestoppt werden, und die zivilisierte Welt muss dabei helfen», schreibt etwa die konservative «Jerusalem Post». Zu den wenigen Ausnahmen gehört der Historiker Tom Segev in der «Haaretz». Er erinnert an das Wurzel des Problems: «Seit Anbeginn der zionistischen Präsenz im Land Israel hat keine militärische Operation jemals den Dialog mit den Palästinensern vorangebracht.» Dabei gebe es Wege, mit Hamas zu reden, und Israel habe der Organisation etwas anzubieten: «Ein Ende der Belagerung von Gaza und Bewegungsfreiheit zwischen Gaza und der Westbank könnten den Streifen wiederbeleben.»