Nahostkonflikt

08. Juli 2014 05:11; Akt: 08.07.2014 15:37 Print

Israel startet Offensive im Gazastreifen

Nach Dutzenden Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israel eine neue Offensive mit Luftangriffen gestartet. Auf das Kreuzfahrtschiff Aida Diva fielen dabei Trümmerteile.

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Bei der jüngsten Offensive des isralischen Militärs sollen gemäss den lokalen Notfalldiensten im Gazastreifen zwölf Menschen verletzt worden sein. Israelische Kampfjets flogen laut Vertretern der radikalislamischen Hamas Angriffe, bei denen auch Wohnhäuser getroffen wurden. Eine Sprecherin des israelischen Militärs bestätigte die Luftschläge. Zu Berichten über Angriffe auf Wohnhäuser konnte sie sich zunächst nicht äussern.

Nach Angaben des israelischen Militärs trägt die nun gestartete Offensive den Namen «Operation Protective Edge». Ihr Ziel sei es, den Terror zu beenden, der die Israelis täglich bedrohe, schrieb ein Sprecher auf Twitter. Vorbereitungen der Armee auf einen grösseren Einsatz liefen bereits. Zuletzt wurden nach Angaben eines Sprechers 1500 Reservisten mobilisiert.

Warnanrufe vor Beschuss

Offenbar zerstörten israelische Kampfflugzeuge im Süden des Gazastreifens drei Häuser von Hamas-Mitgliedern. Die dort lebenden Familien hätten zuvor einen Warnanruf der israelischen Armee erhalten. Der bewaffnete Arm der Hamas warnte umgehend vor weiteren solchen Attacken. Angriffe auf Wohnhäuser seien eine rote Linie, schrieben die Al-Kassam-Brigaden in einer Mitteilung. Sollte dies nicht gestoppt werden, «werden wir darauf mit einer überraschenden Ausweitung unserer Attacken reagieren».

Die Hamas hatte am Montagabend Dutzende von Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei wurden laut israelischem Militär Ortschaften im Umkreis von 40 Kilometern vom Gazastreifen angegriffen. Zahlreiche Raketen seien vom Abwehrsystem «Iron Dome» abgefangen worden. Dem Militär zufolge erfolgten am Dienstagmorgen weitere Angriffe aus dem Gazastreifen.

Sorge vor neuem Krieg

Die Gewalt zwischen Israelis und militanten Palästinensern eskaliert zusehends. Beide Seiten beschiessen sich seit Tagen mit Raketen und Granaten. In mehreren Städten kam es zu Krawallen. Auslöser waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Religionsschülern sowie der mutmassliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen. In der Region wächst die Sorge vor einem neuen Gaza-Krieg sowie einem neuen Palästinenser-Aufstand.

Im Streit um das richtige Vorgehen angesichts der Eskalation der Gewalt brach Aussenminister Avigdor Lieberman das Bündnis seiner Partei mit dem regierenden Likud. Seine Fraktion wolle aber in der von Regierungschef Benjamin Netanjahu geführten Koalition bleiben.

Trümmer auf Kreuzfahrtschiff

Unfreiwillig hineingezogen in die Auseinandersetzungen wurden die Passagiere und die Besatzung eines Kreuzfahrtschiffes. Wie ein Korrespondent der ARD-«Tagesthemen» unter Berufung auf einen Passagier berichtete, fielen Trümmerteile mehrerer abgefeuerter Raketen am Montagabend auf das Schiff Aida Diva.

Das Unternehmen Aida Cruises teilte mit, bei dem Vorfall seien keine der 2700 Gäste und Crew-Mitglieder verletzt worden. Die auf dem Passagierdeck entdeckten «Kleinstpartikel» hätten keinen Schaden am Schiff angerichtet. Sie könnten nach ersten Einschätzungen von Abwehrraketen stammen.

Der Vorfall habe sich beim planmässigen Auslaufen aus dem israelischen Hafen Aschdod, etwa 30 Kilometer nördlich des Gazastreifens, ereignet. Das Schiff habe ohne Verzögerung den Hafen verlassen und befinde sich auf dem Weg nach Kreta. Der Zwischenfall wurde weder von der israelischen Armee noch von Hamas-Vertretern bestätigt.

(ann/sda)