Nahost-Konflikt

10. Juli 2014 14:53; Akt: 10.07.2014 17:23 Print

Greifen Palästinenser nun Israels AKW an?

Laut Medienberichten attackieren militante Palästinenser Israels einziges Atomkraftwerk. Derweil steigt die Zahl der Todesopfer stetig an.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Militante Palästinenser im Gazastreifen sollen bei ihren Raketenangriffen auch den einzigen israelischen Atomreaktor ins Visier genommen haben. Berichten zufolge wurden am Mittwoch und Donnerstag mindestens drei Raketen in Richtung der Wüstenstadt Dimona abgefeuert, die in der Nähe des Atomkraftwerks liegt.

Mindestens eine Rakete wurde demnach vom israelischen Raketenabwehrsystem «Iron Dome» in der Luft abgefangen. Die Armee konnte keine Angaben zu konkreten Angriffen und zur Sicherung der Atomanlage machen.

Radikale Palästinenser haben am Donnerstag erneut mit Raketen Jerusalem angegriffen. Am Nachmittag heulten in der ganzen Stadt Sirenen auf. Zwei Rauchsäulen waren am Himmel über der Innenstadt zu sehen. Das israelische Fernsehen meldete, das Abwehrsystem «Iron Dome» habe ankommende Raketen abgefangen.

Viele zivile Opfer

Derweil stieg die Zahl der durch israelische Luftangriffe im Gazastreifen getöteten Menschen palästinensischen Angaben zufolge auf 78. Weitere 20 Menschen seien lebensgefährlich verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt am Donnerstag mit. Insgesamt mehr als 500 Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden.

70 Prozent der Opfer seien Zivilisten, hiess es. Die israelische Luftwaffe verübt seit Dienstag massive Angriffe auf Ziele im Gazastreifen.

Ägypten hat unterdessen seinen Grenzübergang zum Gazastreifen in Rafah für verwundete Palästinenser geöffnet. Die ägyptischen Behörden hätten diese Entscheidung getroffen, damit Verletzte in ägyptischen Spitälern behandelt werden können, berichtete das staatliche Nachrichtenportal Al-Ahram Online am Donnerstag unter Berufung auf die palästinensische Botschaft in Kairo.

Die ägyptische Regierung hatte die Grenze zum Gazastreifen im Juni geschlossen. Abgesehen von den Grenzübergängen zu Israel bildet der Übergang in Rafah für Palästinenser die einzige Möglichkeit, den Gazastreifen zu verlassen.

Proteste vor israelischer Botschaft

In der jordanischen Hauptstadt Amman haben Demonstranten vor der israelischen Botschaft gewaltsam gegen die Militärschläge im Gazastreifen protestiert. Etwa 300 islamistische und linksgerichtete Demonstranten stiessen am späten Mittwochabend mit der Polizei zusammen.

Sie warfen Steine und schwenkten Fahnen der radikalen Hamas. Beim Versuch, die Botschaftsmauern zu überklettern, wurden mehrere Demonstranten festgenommen. Sie forderten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel und riefen zum Sturz von König Abdullah II. auf.

Ban dringt auf Waffenpause in Nahost

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor einem neuen israelisch-palästinensischen Krieg gewarnt.

Es müsse alles getan werden, um dies zu verhindern, sagte er am Donnerstag bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates in New York. Er forderte die Anführer beider Seiten auf, sich als Staatsmänner zu zeigen und unverzüglich die Waffen schweigen zu lassen.

Die Drohung einer israelischen Bodenoffensive und einer totalen Eskalation im Gazastreifen könne nur abgewendet werden, wenn die Hamas damit aufhöre, Israel mit Raketen und Mörsern zu beschiessen, sagte Ban.

Der UN-Chef verurteilte die Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, sowie die Organisation Islamischer Dschihad für den Beschuss. Zugleich machte er aber auch unmissverständlich an die Adresse Israels deutlich, dass der exzessive Einsatz von Gewalt und die Gefährdung des Lebens von Zivilisten nicht hinzunehmen sei.

(sda)