Schweizerin in Israel

09. Juli 2014 13:06; Akt: 09.07.2014 16:16 Print

«Bei Raketen-Alarm haben wir 90 Sekunden»

von Nadine Wozny - Die Zürcher Studentin Vanessa Gächter wurde Zeugin von Raketenangriffen auf die israelische Stadt Tel Aviv. Gegenüber 20 Minuten schildert sie ihre Erlebnisse.

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Der Nahost-Konflikt spitzt sich zu. Erstmals seit November 2012 greift die Hamas die beiden wichtigsten israelischen Städte Tel Aviv und Jerusalem mit Raketen an. In der Küstenmetropole vor Ort ist derzeit die Zürcher Studentin Vanessa Gächter. Noch heute will sie für archäologische Ausgrabungen nach Jerusalem weiterreisen.

Bei ihrer Ankunft am Montag war die Situation in Tel Aviv noch ruhig – so wie bei ihrer letzten Israel-Reise vor einem Jahr. Am Dienstagabend gegen 19 Uhr änderte sich das schlagartig. «Ich sass mit Freunden auf einer Terrasse, da hörten wir plötzlich Sirenen. Ich dachte zuerst, es sei die Polizei», sagt Gächter zu 20 Minuten. Als Hotelangestellte alle Gäste ins Treppenhaus, dem sichersten Ort des Gebäudes, riefen, war klar: Es war ein Raketen-Alarm.


90 Sekunden – «So lange hat eine Rakete von Gaza nach Tel Aviv»

«Bei Alarm hat man anderthalb Minuten Zeit, um in Deckung zu gehen. So lange hat eine Rakete vom Gaza-Streifen nach Tel Aviv», erklärt die Studentin. «Zehn Minuten mussten wir in Deckung bleiben – wegen möglicher herabfallender Raketen-Trümmerteile.»

Später beim Abendessen wurde Gächter Zeugin eines Raketen-Abwehrmanövers. Die israelische Armee hatte eine Rakete der Hamas über Tel Aviv abgefangen. «Es sah aus wie ein Feuerwerk.»

«Grosses Vertrauen in Luftabwehr»

«Das Vertrauen in die israelische Luftabwehr ist anscheinend sehr gross», sagt Gächter. Zwar seien zurzeit weniger Personen in den Strassen anzutreffen, doch gehe die Bevölkerung normal ihrem Alltag nach. «Man soll sich nicht beirren lassen, war die Weisung der Hotelangestellten», sagt die 24-Jährige. Bei Alarm solle man die Anweisungen der Behörden aber strikt befolgen.

Auch am Mittwochmorgen kam Tel Aviv nicht zur Ruhe. Bereits um 8.30 Uhr heulten die Sirenen erneut. Zwei Geschosse wurden im Grossraum Tel Aviv abgefangen. Wie eine Armeesprecherin sagte, schlugen am frühen Morgen zudem vier Raketen im Süden Israels ein. Schäden oder Verletzte gab es allerdings nicht. Am späten Dienstagabend waren auch in der Hauptstadt Jerusalem Geschosse eingeschlagen.

225 Raketen auf Israel abgefeuert

Nach palästinensischen Medienberichten wurden bei neuen israelischen Luftangriffen im Gazastreifen mindestens fünf Menschen getötet. Damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive in der Nacht zum Dienstag auf mindestens 30.

Israels Armee setzte in der Nacht zum Mittwoch ihre massiven Angriffe im Gazastreifen fort. Insgesamt seien 160 Ziele beschossen worden, teilte die Armee mit. Seit Beginn der Militäroperation in der Nacht zuvor hätten Luftwaffe und Marine 435 Ziele angegriffen.

Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem Zeitraum 225 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon habe die Raketenabwehr rund 40 abgefangen.

Mit Material der Nachrichtenagentur sda.