Nahost-Konflikt

18. Juli 2014 11:50; Akt: 18.07.2014 15:07 Print

Israel droht mit Ausweitung der Offensive

Kurz nach dem Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen kündigt der israelische Premier Nethanjahu eine «erhebliche Ausweitung» des Einsatzes an.

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Keine Beruhigung im Nahost-Konflikt in Sicht: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das israelische Militär angewiesen, sich auf eine «erhebliche Ausweitung» der Bodenoffensive im Gazastreifen vorzubreiten. Die Streitkräfte sollten dem Netzwerk von Tunneln der radikalislamischen Hamas einen Schlag versetzen, sagte Netanjahu am Freitag. Dies sei nur mit Luftangriffen nicht möglich. Örtliche Bewohner wurden aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.

In der Nacht wurden im Gazastreifen nach Angaben beider Seiten etwa 20 Menschen getötet, darunter mindestens ein israelischer Soldat. Die UN und die USA reagierten mit Kritik und forderten Israel zum besseren Schutz von Zivilisten auf. Die Türkei beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

Dramatische Szenen vor Offensive

Schon kurz nach Beginn der israelischen Bodenoffensive spielten sich vor Ort offenbar dramatische Szenen ab. «Jede Minute schlagen Panzergranaten ein», sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörde im Gazastreifen. Das gesamte Küstengebiet stehe unter Beschuss. Kämpfer der Hamas lieferten sich nahe einer Stadt im Norden des Gazastreifens Feuergefechte mit israelischen Truppen. Vom Meer aus würde zudem auf Polizeiposten geschossen, sagte der Sicherheitsbeamte weiter.

Über dem Nachthimmel im Gazastreifen flackerten Feuer auf, dichter Rauch stieg auf. Krankenwagensirenen heulten auf.

Hamas droht mit Rückschlag

Die Hamas schlug in einer Reaktion einen kämpferischen Ton an. Israel werde für den Angriff einen «hohen Preis zahlen», sagte ein Sprecher der Gruppe, Fawsi Barhum. «Die Hamas ist bereit für eine Konfrontation.» Die jüngste Verschärfung der Lage folgte auf eine kurze Feuerpause am Donnerstag.

Die Bodenoffensive Israels birgt politische und militärische Risiken, sollte die Zahl der Todesopfer drastisch ansteigen. Bereits seit Beginn der israelischen Luftangriffe kamen mehr als 240 Palästinenser um, darunter 14 Kinder, wie palästinensische Behörden meldeten. Auf israelischer Seite gab es ein Todesopfer.

Israel will Tunnel zerstören

Doch der israelische Regierungssprecher Mark Regev verteidigte die Bodenoffensive. Sie gelte vor allem den Tunneln, die Hamas unter der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel gegraben habe. Erst am Donnerstag hatten 13 schwer bewaffnete Militante durch einen solchen Tunnel einzudringen versucht, wurden aber durch einen Luftangriff gestoppt.

Bodentruppen in den Gazastreifen zu schicken sei für Israel keine leichte Entscheidung gewesen, sagte Regev weiter. Doch sei dies nötig gewesen, um der strategischen Bedrohung durch die Tunnel zu begegnen. Im Übrigen habe «die Hamas die Tür zu einer diplomatischen Lösung verschlossen».

Ban Ki Moon besorgt

Das israelische Militär kämpft im Gazastreifen nach eigenen Angaben an mehreren Fronten. Es gebe mehrere Phasen, das Ende der Offensive sei offen, sagte Militärsprecher Almos. In den vergangenen Tagen waren 48'000 Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich zutiefst besorgt. Er bedauere, dass trotz wiederholter Warnungen ein ohnehin gefährlicher Konflikt nun verschärft worden sei. «Ich rufe Israel auf, mehr zu tun, um zivile Opfer zu verhindern», fügte er hinzu. «Es kann keine militärische Lösung dieses Konflikts geben.»

(sda)