Nahost-Konflikt

11. Juli 2014 20:34; Akt: 11.07.2014 20:34 Print

Hamas warnen internationale Fluglinien

Die Hamas feuert immer mehr Raketen auf Israel, die israelische Armee setzt ihre Offensive mit Luftangriffen gegen radikale Palästinenser fort. Nun drohen Angriffe auf Flugzeuge.

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Israel und radikale Palästinenser haben sich am Freitag ohne Unterlass gegenseitig beschossen. Aus dem Gazastreifen wurden auch Raketen auf den internationalen Flughafen von Tel Aviv abgefeuert, aber von der Luftabwehr abgefangen. Die Hamas drohte mit weiteren Angriffen und warnte internationale Fluglinien, Tel Aviv nicht mehr anzufliegen. Auch Israel will seine Offensive fortsetzen, bei der im Gazastreifen inzwischen mehr als 100 Menschen umkamen.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay sagte, Israel verletze mit der Luftkampagne womöglich internationales Recht zum Schutz von Zivilisten. Doch betonte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, internationaler Druck werde Israel nicht von seiner Operation gegen Extremisten abhalten. Der Einsatz werde solange weitergehen, bis der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen zu Ende sei.

Seit Dienstag mehr als 550 Raketen

In den vergangenen Tagen hatte unter anderen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Israel – wie auch die Palästinenser – zu äusserster Zurückhaltung gemahnt und vor der Gefahr eines Krieges gewarnt. Auch der Nahost-Sondergesandte Tony Blair rief zu einer Waffenruhe auf.

Seit Dienstag wurden nach Militärangaben mehr als 550 Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Mindestens 110 von ihnen wurden vom Abwehrsystem «Iron Dome» (Eisenkuppel) in der Luft abgefangen, die übrigen explodierten zumeist in unbewohntem Gebiet.

Tankstelle in Flammen

Eine Rakete traf am Freitagmorgen in Aschdod eine Tankstelle und verletzte drei Menschen, einen davon schwer. Es war die erste, die grösseren Schaden anrichtete. Das israelische Militär erwiderte die Attacken mit Luftangriffen gegen die Hamas auf inzwischen mehr als 1100 Ziele. Neben den mehr als 100 Toten meldeten die Palästinenser rund 670 Verletzte.

Zum ersten Mal seit Beginn des jüngsten Gazakonflikts schlugen am Freitagmorgen auch Raketen aus dem Libanon in Israel ein. Das Militär habe mit Artilleriebeschuss in Richtung Libanon geantwortet, sagte Armeesprecher Peter Lerner.

Das libanesische Militär bestätigte, dass drei Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden seien und dass Israel mit 25 Artilleriegranaten geantwortet habe. Unklar war, wer die Raketen abgeschossen hatte. Das Militär ging davon aus, dass es Palästinenser waren. Das libanesische Militär und UN-Blauhelme suchten die Gegend ab und fanden zwei Raketenwerfer. Libanesische Medien berichteten, ein Verdächtiger sei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden.

Zahlreiche Zivilisten unter den Opfern

Unter den Toten im Gazastreifen sind zahlreiche Zivilisten. Israel bekräftigte mehrfach, es tue alles, um Zivilisten vor Luftangriffen zu schützen. Militärsprecher Lerner machte die Hamas dafür verantwortlich, dass immer wieder Unbeteiligte zu Schaden kämen. Israel «nutzt seine Waffen, um seine Zivilisten zu schützen, die Hamas nutzt ihre Zivilisten, um ihre Waffen zu schützen», sagte er.

Generalstabschef Benny Gantz sagte, Hamas versinke in der eigenen Katastrophe, Israel benutze seine Militärmacht hingegen mit Bedacht und mit Rücksicht auf Zivilisten. Die israelische Regierung erwägt auch eine Bodenoffensive im Gazastreifen, bei der vermutlich nicht nur mehr palästinensische Zivilisten, sondern auch israelische Soldaten ums Leben kommen würden.

Hintergrund der Eskalation sind Spannungen nach der Tötung dreier israelischer Teenager und dem mutmasslichen Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen.

(sda)