Nahost-Konflikt

14. Juli 2014 21:55; Akt: 14.07.2014 22:14 Print

Krise fordert mehr Tote als bei letzter Eskalation

184 Menschen sind seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen gestorben. Jetzt will die ägyptische Regierung zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln.

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Beim jüngsten Gewaltausbruch zwischen Israel und der militant-islamischen Hamas sind bereits mehr Menschen ums Leben gekommen als bei der letzten grossen Eskalation im Herbst 2012. Seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive starben im Gazastreifen mindestens 184 Menschen.

Im November 2012 kamen der Menschenrechtsorganisation Betselem zufolge 167 Menschen ums Leben. Unter den während der letzten Woche getöteten Palästinensern sind viele Zivilisten. Laut dem UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) waren rund drei Viertel der 184 Opfer Zivilisten. Mehr als ein Viertel waren Kinder. 1300 Menschen wurden verletzt.

Drohne abgeschossen

Am Montag schoss die israelische Armee nach eigenen Angaben eine Drohne ab, die aus dem Gazastreifen in Richtung der Küstenstadt Aschdod gefeuert wurde. Das unbemannte Fluggerät sei mit einer Rakete des Typs Patriot abgefangen und in der Luft zerstört worden, teilte die israelische Armee mit.

Der israelische Militärsprecher Arye Shalicar sagte, es sei unklar, ob es sich bei der abgeschossenen Drohne um ein aus dem Iran eingeschmuggeltes Fluggerät oder eine Eigenproduktion der Hamas handle. Die israelische Armee befürchtet, dass die Hamas Fluggeräte mit Kameras ausrüsten oder mit Sprengstoff bestücken könnte.

Seit Beginn der Offensive am letzten Dienstag haben militante Palästinenser nach Angaben der Armee knapp 1000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. 760 davon seien eingeschlagen, rund 200 habe die Raketenabwehr abgefangen, teilte das Militär am Montag mit.

1470 Ziele abgeschossen

Die israelische Armee habe im ganzen Gazastreifen insgesamt 1470 Ziele angegriffen, davon etwa 210 Tunnel, 770 verborgene Raketenabschussrampen. Zudem seien Waffen- und Trainingslager bombardiert worden.

Im Westjordanland nahm die israelische Armee in der Nacht auf Montag 23 Palästinenser fest, darunter elf Hamas-Abgeordnete. Ein junger Araber wurde erschossen. Die israelische Armee geht dort noch immer gegen mutmassliche Drahtzieher der Ermordung von drei jungen Israelis vor.

Vermittlungsbemühungen verstärkt

Der Westen und die arabische Welt haben unterdessen ihre Vermittlungsbemühungen verstärkt. Ägypten schlug vor einer Sitzung der Aussenminister der Arabischen Liga in Kairo eine Waffenruhe vor. Diese solle am Dienstag um 08.00 Uhr (MESZ) in Kraft treten. Sollten beide Seiten dem Vorschlag zustimmen, will Ägypten binnen 48 Stunden weiter vermitteln.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien am Sonntag zu einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen auf. Es liege im Interesse von Israelis und Palästinensern, Massnahmen zu einem Ende der Kämpfe einzuleiten, statt weitere Schritte zu einer Eskalation zu unternehmen.

Die Arabische Liga rief die UNO auf, die Palästinenser zu schützen. Damit unterstützt die Liga ein Anliegen von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon darum bitten wollte, «den Staat Palästina offiziell dem internationalen UNO-Schutzprogramm zu unterstellen».

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier brach zu Gesprächen in die Region auf. Er wird am Dienstag in Jerusalem und Ramallah erwartet. US-Aussenminister John Kerry will in Ägypten Möglichkeiten zur Friedensvermittlung ausloten. Kerry werde in Kairo mit hohen Regierungsmitgliedern zusammentreffen, berichtete die Nachrichtenagentur Mena.

(sda)